Die Uhr des Gärtners hat eine andere Zeit – der phänologische Kalender

Frühlings-Proklamation
Hier in der Oberpfalz wird es dieses Jahr wiedermal besonders sichtbar, dass man sich als Gärtner nicht auf den üblichen Datumskalender verlassen kann, wenn es um den Beginn der Jahreszeiten geht.
Bekanntermaßen beginnt der Frühling ja offiziell am 21. März. Die Nächte sind jetzt Anfang März zwar noch frostig, aber die Tage werden länger und die Sonne gewinnt täglich an Kraft. Bei diesem Wetter kann mich auf jeden Fall nichts mehr drinnen halten und sowohl gefühlsmäßig als auch bestätigt durch einen Blick nach draußen in meinen Garten, muss ich verkünden:“Der Frühling ist da!“
Zufällig weiß ich vom letzten Jahr, dass genau um diese Zeit gut 50 cm Schneedecke den Garten bedeckte und von blühenden Pflanzen weit und breit noch nichts zu sehen war. Der kalendarische Frühlingsbeginn, der sich nach astronomischen und meteorologischen Begebenheiten richtet, ist also keine sinnvolle Zeitangabe, wenn es darum geht, wann man mit welchen Arbeiten im Garten beginnen sollte.
Für die Bauern gilt natürlich genau das gleiche Problem. Deswegen haben diese schon vor Jahrhunderten begonnen, die Natur zu beobachten, um festzustellen, welche Pflanzen einen sicheren Hinweis darauf geben, dass sich eine Jahreszeit ändert. Dies kann der Blühbeginn der ersten Frühlingsblüher sein, die Blüte von Obstbäumen oder der Laubabwurf bestimmter Gehölze.
Aus solchen
Beobachtungen entstand ein neuer flexibler Kalender, der von Region zu Region sehr unterschiedlich ausfallen kann auf Grund des dort vorherrschenden Klimas. Mit Hilfe von ganz gezielt ausgewählten Pflanzen, die einheitlich fast flächendeckend in Deutschland vorkommen, lassen sich jeweils für den eigenen Wohnort ganz einfach die Jahreszeiten bestimmen nach dem eben beschriebenen „phänologischen Kalender“.
Die Phänologie ist die Lehre von den natürlichen Erscheinungen (griech. „mir erscheint“) und erfasst jährlich periodisch wiederkehrende Entwicklungserscheinungen in der Natur, die vor allem alle Pflanzen betreffen, aber auch bestimmte Phänomene der Tierwelt mit einschließen wie beispielsweise die erste Biene oder der erste Schmetterling des Jahres.
Die Einteilung der Jahreszeiten erfolgt sehr viel feiner und detaillierter, so dass man nicht nur Frühling, Sommer, Herbst und Winter unterscheidet, sondern diese nochmals in einzelne Phasen trennt, so dass letztendlich zehn Jahreszeiten entstehen.

Die 10 phänologischen Jahreszeiten

  1. Schneeglöckchen

    Vorfrühling

    :Zeigerpflanze: Beginnt mit dem Blübeginn von Hasel, Schneeglöckchen und Schwarzerle, endet mit dem Blühbeginn von der Salweide
    Es blühen u.a.: Winter-Jasmin, Winterling, Huflattich, Lerchensporn und Seidelbast
    Tierwelt: Amseln bauen Nester, Stare kehren zurück, Maulwürfe produzieren erste Maulwurfshügel, Grasfrösche beginnen zu laichen
    Gartenarbeit: Gehölze pflanzen und schneiden


  2. Forsythie

    Erstfrühling

    :Zeigerpflanze: Blühbeginn Forsythie und Blattentfaltung der Stachel- und Johannisbeere
    Es blühen u.a.: Salweide (Kätzchen!), Schlehe, Anemone, Primel, Sumpfdotterblume, Kirsche, Pflaume, Birne und Ahorn
    Tierwelt: Schwalben kehren zurück, Rotschwanz brütet, Kröten wandern, Insekten erscheinen
    Gartenarbeit: Aussaat von Wildblumen, Bodenschlamm aus Teich entfernen, Nisthilfen für Insekten


  3. Apfelblüte

    Vollfrühling

    :Zeigerpflanze: Blühbeginn von Apfel und Flieder und Blattentfaltung bei der Stiel-Eiche
    Es blühen u.a.: Eberesche, Weißdorn, Rosskastanie, Löwenzahn, Maiglöckchen
    Tierwelt: Der Kuckuck ruft. Bilche erwachen, Maikäfer fliegen
    Gartenarbeit: Stauden pflanzen, sommerliche Zwiebelblumen setzen, Blumenwiese anlegen, Wildkräuter ernten


  4. Holunderblüte

    Frühsommer

    :Zeigerpflanze: Blühbegin des Schwarzen Holunders, der Robinie und vieler Gräser (Beginn der Heuschnupfen-Zeit!)
    Es blühen u.a.: Wildrosen, Pappel, Weißdorn, Wald-Geißbart und Türkischer Mohn
    Tierwelt: die erste Brut vieler Singvögel wird flügge. Grillen beginnen zu zirpen
    Gartenarbeit: jäten, Stauden teilen und vermehren


  5. Schwarze Johannisbeere

    Hochsommer

    :Zeigerpflanze: Blühbeginn von Sommer- und Winterlinde, Reife von Johannisbeere und Winterroggen
    Es blühen u.a.: Wegwarte, Kartoffeln und verschiedene Doldenblütler
    Tierwelt:Glühwürmchen flíegen, Frösche quaken, Maulwürfe werden noch aktiver (Jungtiere!)
    Gartenarbeit: Johannisbeeren, Erdbeeren und erste Himbeeren ernten, bei Trockenheit gießen, Unkraut jäten


  6. Vogelbeere

    Spätsommer

    :Zeigerpflanze: Fruchtreife von Eberesche und frühen Apfelsorten, Blütebeginn von Heidekraut und Herbst-Anemone
    Es blühen u.a.:
    Tierwelt: Es fliegen vermehrt Libellen und Stechmücken
    Gartenarbeit: Magerwiese ein einziges Mal mähen, Wildfrüchte und frühes Obst ernten


  7. Holunderbeeren

    Frühherbst

    :Zeigerpflanze: Blütebeginn der Herbst-Zeitlose, Fruchtreife von Schwarzem Holunder und Hasel
    Es blühen u.a.: Heidekraut
    Tierwelt:
    Gartenarbeit: Zwiebeln und Knollen fürs Frühjahr pflanzen, Birnen, Zwetschen und Holunderbeeren ernten


  8. Herbstlaub

    Vollherbst

    :Zeigerpflanze: Fruchtreife von Stiel-Eiche und Rosskastanie
    Es blühen u.a.: nur noch wenige Blüten, statt dessen beginnt sich das Laub bunt zu verfärben
    Tierwelt: Altweibersommer; Stare ziehen davon
    Gartenarbeit: Hecken- und Gehölzschnitt, weitere Blumenzwiebeln pflanzen. Kaltkeimer aussäen, Spätkartoffeln, Rüben, Quitten, Walnuss und Äpfel ernten


  9. Eichenlaub

    Spätherbst

    :Zeigerpflanze: Blattverfärbung bei Stieleiche und Rosskastanie und
    Es blühen u.a.: fast alle Pflanzen werfen ihr Laub ab
    Tierwelt: Eichhörnchen sammeln Vorräte, Igel suchen einen Platz zum Überwintern
    Gartenarbeit: Gehölze pflanzen, Laub und Algen aus dem Teich fischen, Nistkästen säubern


  10. Baum im Winter

    Winter

    :Zeigerpflanze: Auflaufen des Winterweizens
    Es blühen u.a.:Blüte von Christrose, Schneeheide. Ansonsten herrscht weitestgehend Vegetationsruhe. Der phänologische Winter geht ungefähr von Ende November/Anfang Dezember bis Mitte/Ende Februar.
    Tierwelt: Man bekommt nur noch heimische Vogelarten und Wintergäste auf der Durchreise zu Gesicht.
    Gartenarbeit: Gehölzschnitt (nicht bei Frost!), Teich bei Eisdecke belüften, bei starken Schneefall eventuell die Zweige von Gehölzen entlasten


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Berta Rausch am 08. März 2011 in Allgemein, Fauna & Flora, Jahreszeiten, Wetter

Gartengestaltung:
Wie vom Profi, aber selbst gemacht

Der Winter ist die beste Jahreszeit, um die Planung für einen neuen Garten in Angriff zu nehmen oder um den vorhandenen Garten zu überdenken. Da der Garten sich natürlicherweise immer weiter entwickelt durch das fortschreitende Wachstum der Pflanzen, kann man ihn als einen ewig andauernden Prozess betrachten, in den die Hand des Gärtners immer wieder gestalterisch eingreift.
Auch wenn ein Garten schon seid vielen Jahren existiert, so wird man immer wieder Stellen finden, die man verändern oder verbessern möchte, denn der Garten ist und bleibt ein Kulturgut des Menschen, dass immer wieder neuen Einflüssen und Bedürfnissen ausgesetzt ist und sich dadurch beständig weiterentwickelt.

Zunächst eine Definition des Begriffs: Garten

Traditionell bezeichnet das Wort Garten ein zum Schutz mit einem Zaun oder einer Mauer umfriedetes Stück Land, das für die Kultivierung von Nutz- und Zierpflanzen verwendet wird. Ursprünglich diente der Garten ausschließlich dem Zweck der Ernährung der Familie und war damit ein reiner Nutzgarten, in dem man Gemüse, Obst, Beeren und Kräuter vorfand.
Kensington GardensMit der kulturgeschichtlichen Entwicklung des Menschen veränderte sich zunehmend auch das Bild des Gartens. Der Garten erfüllte dann auch andere Funktionen wie Ort der Repräsentation und der Erholung. Mit der Entdeckerlust enstanden zunehmend botanische Gärten, in denen exotische Pflanzen aus der ganzen Welt gesammelt und gezüchtet wurden. Je nach dem wie das Verhältnis des Menschen zu der Natur gesehen wurde, so entwickelten sich auch neue Gärten.
Heute kennt man vor allem den privaten Hausgarten, botanische Gärten und Parkanlagen, sowie Themengärten, die sich einer bestimmten Pflanzenart widmen (z.B. der Rosengarten) einer bestimmten Stilrichtung (z.B. der barocke Garten) einer Landschaft (z.B. alpine Garten) oder einem künstlerischen, religiösem, spirituellem oder auch therapeutischem Aspekt (z.B.Zen-Garten, Feng-Shui-Garten).
All diese Möglichkeiten können im eigenen Garten genutzt werden. Wer die Wahl hat, hat die Qual. Leider, oder zum Glück, lassen sich aber nicht alle Ideen immer überall umsetzen. Wenn man also seinen eigenen Garten planen möchte, so sollte man erstmal mit einer Bestandsaufnahme beginnen.



Mit Zirkel, Bleistift und Lineal zum neuen Garten

Gartenplan
  1. Nehmen Sie einen Grundriss von Ihrem Haus mit Grundstück zur Hand. Desweiteren benötigen Sie Transparentpapier, Bleistift, farbige Stifte, Lineal, Zirkel und ein Geodreieck. Legen Sie einen Bogen des Transparentpapiers auf den Plan zeichnen sie die Grundstückslinie und den Umriss des Gebäudes einmal durch. Nun haben Sie einen Plan, auf dem Sie Ihre Bestandsaufnahme einzeichnen können. Zur Bestandsaufnahme gehören bereits vorhandene Baulichkeiten wie Zufahrt, Terrasse, Wege, Gartenhaus, Gewächshaus, etc. und schon vorhandene Bepflanzung.
    All diese Elemente sollten maßstabsgerecht eingezeichnet werden. Häufig sind Grundstückspläne im Maßstab 1:100. Dies bedeutet 1 cm auf dem Papier entspricht 100 cm in der Wirklichkeit. Eine Terasse, die tatsächlich 2 x 4 m misst, wird auf dem Papier ein Rechteck von 2 x 4 cm. Zeichnen Sie alle Baulichkeiten mit ihren umrissen ein. Bäume oder Sträucher werden durch einen Kreis dargestellt mit einem Punkt in der Mitte für den Stamm. Hat die Krone eines Apfelbaums einen Durchmesser von 4 Metern, so zeichnet man den Kreis mit einem Durchmesser von 4 cm.
  2. Die Lage des Gartens und der darin befindlichen Elemente zur Himmelsrichtung ist ganz entscheidend wichtig für die Beurteilung der Lichtverhältnisse, der Windeinflüsse und des Kleinklimas. Zusammen mit dem tatsächlichen Klima des Ortes, der Bodenqualität und der Geländeneigung sind dies die wichtigsten Aspekte, die darüber entscheiden werden, welche Bepflanzung und Gartenbereiche an welcher Stelle sinnvoll sind.
    Am besten erstellt man sich einfach von Hand ein paar kleine Diagramme zu diesen Themen. Hierfür legt man wiederum einen Bogen Transparentpapier über seine Bestandsaufnahme und zeichnet darauf von Hand zum Beispiel den Schattenwurf des Gebäudes und der Bestandspflanzen sowie vom Nachbarhaus (wenn vorhanden) mit Hilfe einer farbigen Schraffur. Besonders aussagekräftig wird so eine Zeichnung, wenn man einmal den Schattenwurf zeichnet wie er morgends fällt, dann mi einer anderen Farbe den Schattenwurf mittags und mit einer dritten Farbe den Schattenwurf am Abend. Dadurch erhält man einen sehr guten Überblick darüber, an welchen Orten viel Schatten und viel Sonne zu erwarten sein wird.
    Ähnliche Zeichnungen kann man zum Thema Wind, Lärm, Temperatur, etc. anfertigen.
  3. Nun beginnt der schöne Teil: Erstellen Sie eine Liste all der Elemente, die Sie sich für Ihren Garten wünschen. Gemeint sind Dinge wie Sitzplatz unterm Baum, Schaukel, Kinderspielplatz, Rosenbogen, Obstbäume, Sichtschutzhecke, Blumenbeet, Gemüsebeet, Obstbäume, Ziersträucher, Kompostplatz, Wege, Gartenteich, Feuerstelle, Grillplatz, etc. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Zunächst einmal dürfen Sie so richtig schwelgen. Oftmals hilft hierbei das Durchblättern von schönen Gartenbüchern und Gartenmagazinen, um den Ideen auf die Sprünge zu helfen.
    Die Ernüchterung folgt auf dem Fuß, denn als nächstes müssen Sie jeden einzelnen Punkt auf Ihrer Liste auf seine Umsetzbarkeit überprüfen. Überlegen Sie genau, ob die Lichtverhältnisse in Ihrem Garten geeignet sind. Rosen, viele mediterrane Kräuter, Gemüsebeet oder ein Gartenteich braucht auf jeden Fall viel Sonne. Desweiteren ist zu bedenken wieviel Pflege Sie später für den Erhalt Ihres Gartens investieren wollen. Blumen- und Gemüsebeete sind sehr pflegeintensiv. Geschnittene Hecken und große Rasenflächen ebenso. Gartenteich und Ziersträucher brauchen dagegen weniger Pflege. Streichen Sie in Ihrer Liste, was nicht möglich erscheint.
  4. Jetzt darf entworfen werden. Nehmen Sie sich wieder ihren Bestandsplan zur Hand und legen Sie los. Zunächst sollte mit Bleistift gezeichnet werden. Später können Sie dem ganzen Bild mit Farbe Leben einhauchen. Man muss für einen Entwurfsplan kein großer Künstler sein, denn es gibt ganz einfache Symbole, die für Hecken, Rasenflächen, Bäume, Strächer, Beete, Wasserfläche, etc stehen und die man auch mit einem Mangel an künstlerischer Begabung durchaus zustande bringt. Achten Sie nur wieder auf den Maßstab.
    Manchmal ist es leichter, sich die Elemente aus buntem Papier auszuschneiden, damit man sie auf dem Plan ganz einfach hin und herschieben kann, um den richtigen Platz zu finden. Am besten beginnt man mit den baulichen Elementen wie Terrasse, Sitzplatz, Wege. Dann beschäftigt man sich mit der Grenzgestaltung. Möglich sind da Zäune, Mauern, Sichtschutzwände sowie Hecken und Wälle. Zu beachten sind in dem Bereich die richtigen Abstände und Höhen zu den Nachbarn. Diese können durch einen Bebauungs- und Grünordnungsplan extra geregelt sein. Für Mauern muß eine Baugenehmigung beantragt werden. Dann folgen Rasenflächen, Bepflanzung für die sonnigen Bereiche sowie Bäume und Sträucher.
    Abschließend sollte unbedingt noch einmal auf einem gesonderten Blatt der Schattenwurf von Bäumen, Sträuchern und Hecken überprüft werden.
    Gartenlegende Gartenlegende
    Gartenlegende Gartenlegende
  5. Steht der endgültige Entwurf, so kann man abschließend den Verlauf von Wasser- und Elektroleitungen festlegen. Gerade für die Gartenbewässerung sollte hier noch einmal gründlich überlegt und nicht gespart werden. Behalten Sie eventuell auch mögliche Änderungen im Auge, die in den folgenden Jahren anstehen könnten. Werden die Kinder größer, so wird eine große Rasenfläche unnötig. Als Umgestaltung bietet sich dann besonders der Gartenteich an. der sicherlich beleuchtet werden soll.
  6. Wenn die grobe Planung fertig ist, geht es an die Feinheiten: Die Auswahl der Pflanzen.
    Viele Aspekte spielen hier eine Rolle. Wie sind natürlich die Lichtverhältnisse und der Boden? Soll ein bestimmtes Thema verwendet werden wie der Bauerngarten, ein blauer, weißer, roter oder bunter Garten? Heimische oder exotische Pflanzen?
    Wie so oft gilt auch hier das Motto: Weniger ist meistens mehr. Man pflanzt nicht das endgültige Bild, das man im Kopf hat, denn Pflanzen wachsen nun einmal und brauchen in den ersten Jahren Platz zum Entfalten. Lassen Sie sich Zeit und legen Sie erstmal die wichtigsten Elemente fest. Es ist immer Schade, wenn man nach wenigen Jahren pflanzen entfernen muss, weil Sie sich gegenseitig zu stark Konkurrenz machen.

Bis zum Frühjahr ist auf jeden Fall noch genügend Zeit, um Ideen zu entwickeln und die Umsetzung vorzubereiten. Möglicherweise kann nicht alles selbst gebaut werden, doch wenn man die richtige Vorarbeit geleistet hat, dann weiß man, was man wirklich will und kann dann gezielt in Verhandlung treten mit dem Landschaftsgärtner, der die Ideen umsetzen soll.

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Berta Rausch am 03. Januar 2011 in Allgemein, Gartengestaltung, Jahreszeiten

Winterschutz für Garten-, Kübel- und Balkonpflanzen

Bei der derzeitigen Wetterlage sind es nur die nächtlichen schon sehr niedrigen Temperaturen, die einen auf die Idee bringen könnten, dass der Winter naht.
Obwohl der Garten sich gerade jetzt noch einmal ganz besonders prächtig präsentiert mit besonders leuchtenden und duftenden Blüten und Beeren sowie den ersten bunten Blättern, sollte man schon einmal planen, was für Materialien zum Schutz der Pflanzen im Winter benötigt werden, denn schhneller als man denkt, ist der erste nächtliche Bodenfrost da und der kann bei manchen Pflanzen schon sofort zu schweren Schäden führen.

Pflanzenüberwinterung Pflanzenüberwinterung Pflanzenüberwinterung

Ein Winterschutz kommt vor allem für alle Pflanzen in Frage, die ursprünglich in Südeuropa, Südamerika oder in seltenen Fällen auch in Afrika beheimatet sind. Es handelt sich dabei meistens um tropische, subtropische und mediterrane Pflanzen, die keine Vegetationsruhe im Winter einlegen und natürlich auch keinen Frost vertragen.
Zusätzlich muss man einen Winterschutz auch bei einigen Pflanzen im Jungstadium in Erwägung ziehen.
Mögliche Schäden durch den Frost betreffen vor allem den Wurzelbereich und die Triebspitzen, weswegen diese beiden Bereiche besonders geschützt werden sollten. Da es aber auch noch andere mögliche Schadensursachen gibt, möchte ich etwas detaillierter im Folgenden darauf eingehen.

Welche Schäden können im Winter an Pflanzen entstehen?

  1. Erfrierungen
    Diese Art der Schädigung betrifft vor allem die Triebspitzen und den Wurzelbereich von Pflanzen. Man erkennt den Schaden bei immergrünen Pflanzen am verfärben der Blätter zunächst ins gelbliche oder rötliche. Bei starker Schädigung verwelken die Blätter und werden braun. Die Pflanze wirft Blätter oder Nadeln dann gänzlich ab.
    Erfrierungen der Triebspitzen erkennt man daran, dass die Zweigenden sich braun-schwarz verfärben und absterben. Leider können Spätfröste immer wieder auch für die ersten Knospen und Blüten gefährlich werden. Sind diese Frostgeschädigt, so erkennt man dies ebenfalls am Verbräunen und möglicherweise abwerfen der Blüten.
    Erfrierungen an Wurzeln, Wurzelstöcken, Zwiebeln oder Knollen führen leider in den meisten Fällen zum Absterben der Pflanze und lassen sich im Vorwege kaum erkennen. Normalerweise entstehen solche Schäden bei frostharten Pflanzen erst bei einer Bodentemperatur von mindestens -10°C mit Ausnahme von Jungpflanzen, die durchaus auch schon bei weniger kalten Temperaturen Schaden nehmen können.
    In allen Fällen von Erfrierungen hilft nur das präventive Abdecken mit isolierenden und gleichzeitig luft- und wasserdurchlässigen Materialien.
  2. Frosttrocknis
    Das Phänomen der Frosttrocknis betrifft immergrüne Pflanzen wie Buchsbaum, Eibe, Fichte, Thuja, Kirschloorbeer, Rhododendron, etc. Kommt die Sonne im Winter heraus, so reichen die dann entstehenden Tagestemperaturen oftmals schon aus, das die Blätter oder Nadeln beginnen, mit Verdunstung darauf zu reagieren. Der trotzdem gefrorene Boden verhindert jedoch den Wassernachschub, so dass die Pflanzen vertrocknen müssen.
    Gegnmaßnahmen sind das regelmäßige Gießen dieser Pflanzen an frostfreien Wintertagen sowie das Abdecken der Pflanzen mit Leinentüchern oder Frühbeet-Vliesen an sonnigen Tagen.
  3. Rindenschäden
    Im Spätwinter, wenn die Sonne schon wieder einige Kraft hat, kann der schnelle und häufige Wechsel von sonnigen warmen Tagen und kalten, frostigen Nächten starke Schäden an Rinde und Holz von Bäumen verursachen. In der Sonne dehnt sich die Rinde und der Zellsaft wird flüssiger, nachts geschieht das Gegenteil. Dadurch entstehen zum einen hohe Spannungen im Stamm und zum anderen steigt die Gefahr der Erfrierungen. Schlimmstenfalls kommt es zum Abplatzen ganzer Holzplatten und zur Entstehung tiefer Risse. Deswegen sieht man vor allem an neu gepflanzten jungen Bäumen häufig einen Anstrich des Stamms mit weißer Kalk- oder Kalk-Lehm-Farbe. Diese reflektiert die Sonnen strahlen und verhindert auf diese Art und Weise das übermäßige erhitzen der Rinde. Ähnlich wirkt das Einwickeln des Stamms mit Schilfmatten, Pappe oder Jutegewebe.
  4. Vernässung und Staunässe
    Gerade Steingartenpflanzen und andere trockenheitsliebende Pflanzen leiden sehr häufig unter Dauernässe entstehend durch Dauerregen oder anhaltender Bodenfeuchtigkeit. Ist der Boden gefroren, so kann darauftreffendes Wasser nicht abfließen. Die Wurzeln der zuvor genannten Pflanzengruppen beginnen dann zu faulen oder die Pflanze leidet massiv an dem Sauerstoffmangel im Boden und erstickt schlicht und einfach. Wenn es sehr lange zu solchen Wetterlagen im Winter kommt, so kann man die gefährdeten Pflanzen kurzfristig mit Folie abdecken. Achtung: Unbedingt regelmäßig lüften und bei Sonne entfernen, um Hitzestau und Sauerstoffmangel zu verhindern.

Winterschutz im Wurzelbereich

Einen wirksamen Winterschutz im Wurzelbereich erreicht man durch das Abdecken des Bodens in diesem Bereich mit entsprechendem Isolationsmaterial. Das richtige Material bietet natürlich die Natur selbst, denn Laub und Nadelholzreisig erfüllen alle Anforderungen und sorgen ja auch in der freien Landschaft für den entsprechenden Winterschutz durch liegenbleibendes Herbstlaub beziehungsweise herabfallende Nadeln. Sämtliche Abdeckungen sollten unbedingt luftdurchlässig sein. Andernfalls kann es darunter zu Sauerstoffmangel, Fäulnis oder auch Krankheitsbefall kommen. Desweiteren sollte das Material auch wasserdurchlässig sein, denn Kondenswasser fördert sowohl die Gefahr von Schimmelbildung und Fäulnis als auch von Erfrierungen.
Laub ist ein ausgezeichnetes Isolationsmaterial, wenn es tatsächlich trocken und frei von Schädlingen ist. Man kann es je nach Pflanzenart 10 bis 15 cm hoch aufschütten. Stauden, die sich komplett in den Boden zurückziehen können auch deutlich höher Abgedeckt werden. Es gilt dabei jedoch die Regel, je höher und dichter der Wurzelbereich abgedeckt wurde desto eher muss er im Frühjahr auch wieder gelockert werden. Ein guter Nebeneffekt beim Laub ist das Auffüllen der Nährstoffvorräte im Boden während es mit der Zeit verrottet.
Nadelholzreisig und zwar speziell Fichtenreisig ist besonders gut geeignet als Kälteisolation. Die dicht stehenden Nadeln sind zwar luftdurchlässig, halten aber dennoch die Kälte fern und dadurch, dass die Nadeln im Spätwinter anfangen langsam abzufallen, kommen im Frühjahr dann gleich ausreichend Licht und Luft an den Boden.
Desweiteren eignen sich Rindenmulch und Kompost als Abdeckungsmaterial. Beides kann jedoch wuchshemmend wirken auf junge Pflanzen und sollte deswegen nur bei erwachsenen Pflanzen verwendet werden. Als Kälteschutz eignen sich diese Materialien dennoch hervorragend.

Winterschutz für oberirdische Pflanzenteile

Die oberirdischen Pflanzenteile sollten zum einen vor der Kälte und damit dem Erfrieren geschützt werden, aber auch vor der intensiven Wintersonne. Manche Materialien erfüllen sogar beide Anforderungen.
Am bekanntesten ist das Einwickeln der ganzen Pflanze mit Tüchern, Jutegewebe oder speziellen Winterschutzvliesen. Folien sind nicht geeignet wegen der Luft- und Wasserundurchlässigkeit ausser man verwendet gelochte oder geschlitzte Folie. Diese hat jedoch einen geringeren Isolationsschutz und ist somit auch nur bedingt geeignet. Eine weitere Möglichkeit ist wiederum die Verwendung von Fichtenreisig. Die geschnittenen Fichtenzweige können entweder um kleinere Sträucher, Rosen oder Stauden herum in den Boden gesteckt werden und/oder zwischen die Triebe gebunden werden. Der Vorteil: Es sieht auch noch schön und weihnachtlich aus.
Größere Pflanzen können ebenfalls mit Sackleinen, Jute oder auch Bast- und Schilfmatten umwickelt werden. Im Zweifelsfall ist es eventuell leichter, mit Hilfer langer Stangen oder Latten eine Art Gerüst oder Zeltkonstruktion um die Pflanze zu bauen und diese mit Stoffbahnen zu umwickeln.
Empfindliche Jungpflanzen lassen sich sehr gut schützen, indem man einen Hasendraht um sie herum aufstellt und diesen mit trockenem und sauberen Herbstlaub auffüllt, so dass die Jungpflanze komplett darin verschwindet.
Große Gräserhorste wie die von Pampasgras und säulenförmige Gehölze sollten oben locker zusammengebunden werden. Dadurch wird der Neuaustrieb in der Mitte der Gräserhorste gegen Kälte und Vernässung geschützt. Bei säulenförmigen Gehölzen hilft diese Maßnahme gegen das Herunterdrücken der Zweige bei starken Schneefällen. Deswegen sollte man Hecken und freistehende Sträucher auch immer wieder kontrollieren bei starken Schneefällen, denn Schnee kann schnell viel Gewicht entwickeln und dadurch Äste und Zweige brechen lassen. Eventuell ist es ratsam, die Pflanzen durch abschütteln oder mit dem Besen abkehren, von der Schneelast zu befreien.
Ein besonderes Augenmerk muß auf die Veredelungsstellen von Pflanzen gelegt werden. Diese sind empfindlich und benötigen besonders sorgfältigen Schutz. Rosen und Clematis sowie einige andere Pflanzen werden um ihren Fuß herum etwa 10 bis 15 cm hoch angehäufelt mit isolierenden Materialien wie zuvor beschrieben.
Ist der Winterschutz einmal angebracht, sollte man ihn regelmäßig kontrollieren. Es wäre zu Schade, wenn durch den Wind etwas unbemerkt kaput gemacht wird und die entsprechende Pflanze dann doch Schaden nimmt. Schneefreier Frost ist für die Pflanzen sehr viel kälter als wenn sie durch eine dichte Schneedecke geschützt werden, die tatsächlich auch isolierend wirken kann. In solchen Nächten muss der Winterschutz bei sehr empfindlichen Pflanzen sogar erhöht werden.
Erhöhte Kontrolle sollte auch im späten Winter durchgeführt werden, denn der Winterschutz muss spätestens dann gelockert und entfernt werden, wenn sich erste Neuaustriebe zeigen. Reine Schattierungsmaßnahmen können noch bis ins Frühjahr an Ort und Stelle verbleiben.

Interessante Webseiten zum Thema: „Pflanzen überwintern“

Sehr umfangreich, mit einem Spektrum von praktischen Anleitungen wie besondere Pflanzenarten am besten Überwintert werden bis hin zu Anleitungen wie am besten Obst und Gemüse eingelagert werden sollte, um es möglichst lange haltbar und lagerungsfähig zu erhalten. Diese Informationen sind in ansprechender Art und Weise dargestellt auf der Webseite: Pflanzen überwintern.de

Lexikon der Folien und Vliese
Was ist wofür und wird wie verwendet

Momentan ist wiedermal der Zeitpunkt, an dem ich vermehrt über die verschiedensten Folien und Vliese stolpere, die man angeblich alle im Garten dringend benötigt.
Mittlerweile ist die Auswahl so vielfältig geworden, dass mir Sinn, Zweck und vor allem der Unterschied untereinander oft nicht mehr so klar ist.
Deswegen habe ich mich nun auf das Thema gestürzt, um den Durchblick zu erhalten.

Tomatenhaus Foliengewächshaus Verfrühungsfolie Schattierungsgewebe

Welchen Zweck erfüllen Folien & Vliese

  1. Man kann entsprechende Produkte zur Wachstumsbeschleunigung, Ernteverfrühung und Kulturzeitverlängerung einsetzen. Durch das Abdecken entwickelt sich unter der Folie eine höhere Temperatur und eine höhere Luftfeuchtigkeit. Beides fördert das Wachstum von Jungpflanzen. Durch Einsatz von Abdeckfolien läßt sich die Ernte um bis zu drei Wochen verfrühen, durch Unterlegen schwarzer Mulchfolie um bis zu zwei Wochen. Insbesondere für frühe Gemüsearten und Kräuter lohnt sich die Anwendung von Folien und Vliesen.
  2. Spezielle Folien und Vliese wurden entwickelt zum Schutz von Gemüse- und Zierpflanzen vor Kälte oder Frost.
  3. Man kann Folien als Eindeckungsmaterial für Gewächshäuser verwenden.
  4. Folien werden zur Abdichtung von Teichgruben und Wasserläufen benutzt.
  5. Es gibt sogenannte Mulchfolien, die auf dem Boden ausgelegt werden können, um das Unkrautwachstum zu Unterdrücken, die Bodenerwärmung zu fördern und die Feuchtigkeit länger im Boden zu halten.

Welche Folien und Vliese eignen sich für welchen Zweck

Bei der Herstellung von Folien für den Garten wird tatsächlich etwas mehr auf Inhaltsstoffe und auch Abbaustoffe geachtet wie bei den meisten herkömmlichen Folien und Vliesen, die man so im Baumarkt findet.
Es ist demnach empfehlenswert auch auf diese zurückzugreifen, wenn man ein wenig ökologisches Bewußtsein an den Tag legen möchte und dass sollte nun wirklich an vorderster Stelle für einen Gärtner stehen.
Grundsätzlich bestehen die Produkte aus Polyethylen (PE) oder Polyvinylchlorid (PVC). Diese beiden Materialien untescheiden sich in zwei wesentlichen Punkten.

  • PVC-Folien:
    Dieses Material ist sehr widerstandsfähig gegen UV-Strahlung und andere Witterungseinflüsse. Sie haben dadurch eine deutliche längere Haltbarkeit. Dafür enthalten sie chlorierte Kohlenwasserstoffe, die bei der üblichen Entsorgung der Folien die Umwelt belasten.
  • PE-Folien:
    Dieses Material wird unter andauernder Sonnenbestrahlung recht schnell brüchig und spröde. Es gibt jedoch UV-stabilisierte Varianten, die insgesamt stabiler sind, aber auch deutlich teurer. Dafür lassen sie sich fast rückstandsfrei entsorgen oder sogar recht gut recyclen.

…und dies bietet der Markt:

  1. Folien zur Ernteverfrühung

    Hierfür benötigt man entweder ein transparentes und damit lichtdurchlässiges Material als Abdeckung oder ein schwarzes, welches unter die Pflanzen kommt und die Bodenerwärmung fördert. Bei den transparenten Folien handelt es sich meistens um PE-Folien mit einer Stärke von 0,5 mm. Diese können sowohl flach über dem Beet mit der Saat ausgebreitet werden und tragen dann die Bezeichnung Flachfolien oder mit Hilfe von Drahtbügeln als Folientunnel über die Beete gespannt werden.

    • ungelochte Folien:
      eignen sich nur für die kurzfristige Abdeckung, da sie weder Luft noch Wasser hindurchlassen. Man muß sie also regelmäßig entfernen zum Wässern und Belüften. Außerdem ist die Gefahr von Fäulnis und Schädlingsbefall unter ihnen relativ hoch.
    • Lochfolien:
      haben -wie der Name schon erahnen läßt- gleichmäßig verteilte sehr kleine vorgestanzte Löcher. Diese Löcher ermöglichen eine geringe Zirkulation an Luft und Wasser. Man verwendet sie vor allem als Flachfolien. Günstig sind hier Folien mit 500-1000 Löchern / m², die auf Grund ihrer beschriebenen Eigenschaften ungefähr für 3-5 Wochen über den Pflanzen verbleiben können je nach Größenwachstum des Gemüses.
    • Schlitzfolien:
      Statt Löchern hat diese Folie ca. 30000 sehr feine und dehnbare Schlitze pro m². Diese zunächst geschlossenen Schlitze ermöglichen ein “ mitwachsen“ der Folie. Je größer die sich darunter befindlichen Pflanzen werden desto mehr öffnen sich die Schlitze und lassen dadurch auch mehr Wasser und Luft hindurch. Auf Grund dieser Eigenschaften kann diese Folie oft sogar bis zur Ernte auf den Pflanzen belassen werden. Sie ist aber im Gegenzug nicht so haltbar wie die Lochfolie.
    • Vlies:
      Darunter versteht man ein sehr leichtes und feines Gewebe aus Polyethylen (PE) oder auch Polypropylen (PP). Es läßt Wasser und Luft wunderbar zirkulieren, so dass man es ebensolange auf den Pflanzen belassen kann wie die Schlitzfolie vorrausgesetzt, man hat beim Verlegen genügend Dehnungsreserve an den Seiten vorgesehen. Zusätzlich zur Ernteverfrühung können Vliese auch als Schutz gegen Gemüsefliegen eingesetzt werden.
    • Mulchfolien:
      Schwarz gefärbte PE-Folie wird auf dem Boden ausgebreitet. Dort, wo Pflanzen gesetzt oder gesät werden sollen, werden Löcher oder Schlitze geschnitten. Man verwendet diese Methode vor allem bei wärmebedürftigen Gemüsen wie Paprika, Gurke oder Erdbeere. Zusätzlich zur Förderung der Erwärmung des Bodens und der bodennahen Luftschicht, unterdrückt die Folie das Unkrautwachstum und verhindert das Verschmutzen der Früchte. Der Nachteil der Folie gegenüber des Mulchvlies ist das Gießen und Düngen, das nur über die Löcher und Schlitze in der Folie vorgenommen werden kann.
    • Mulchvlies:
      Funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie die Mulchfolie. Das schwarz eingefärbte Vlies ist jedoch durchlässig für Wasser und Luft, was das Gießen erleichtert und vor Schädlingsbefall und Fäulnis schützt. Dafür findet jedoch auch deutlich weniger Bodenerwärmung statt.
  2. Folien als Kälteschutz

    Folien und Vliese tragen zwar sehr schnell zur Bodenerwärmung bei und können somit auch bodennahe Pflanzen beziehungsweise die Wurzeln vor Kälte schützen, Frost können sie aber nur bedingt abhalten. Pflanzen, die nicht winterhart sind, müssen also bei Frostgefahr an einen frostfreien Ort umgezogen werden.

    • ungelochte Folien:
      Eignen sich am besten zum Schutz vor Kälte, da sie keine Luft entweichen lassen. Da die Sonne aber im Herbst und im Frühjahr durchaus große Kraft entwickeln kann, besteht dann ganz schnell die Gefahr der Überhitzung. Dadurch wird ein sehr gutes Klima für Pilzkulturen jeglicher Art gefördert. Man sollte Folien also nur kurzfristig als Frostschutzabdeckung verwenden.
    • Vlies:
      eignet sich besser für den dauerhaften Kälteschutz, da es zum einen luftdurchlässig ist und dadurch ein besseres Klima fördert. Das im Gewebe festgehaltene Wasser kann im gefrorenen Zustand sogar noch zusätzlich als isolierende Schicht begünstigend wirken, so dass meistens ein Schutz der oberirdischen Pflanzenteile bis zu -5°C gewährleistet wird.
    • Luftpolster- oder Noppenfolien:
      sind besonders gut isolierend durch die Lufteinschlüsse in den Noppen. Deswegen wird sie sehr gerne als Ergänzung zur Wärmedämmung im Frühbeet und Gewächshaus hergenommen beziehungsweise zum Winterschutz von Töpfen bei im Freien überwinternden Pflanzen. Aber auf jeden Fall beachten, dass diese Folie auch weder Wasser noch Luft durchläßt und damit Pilbefall gefördert werden kann.
  3. Folien zur Abdeckung von Gewächshäusern

    • Gitterfolie:
      ist eine PE-Folie, die durch eine Gitternetzeinlage verstärkt wurde. Man nennt sie deswegen auch gelegentlich Drahtfolie. Diese Folienart wird auf Grund ihrer Widerstandsfähigkeit gerne für Tomatenhäuser, und Frühbeetfenster verwendet.
    • ungelochte Folie:
      wie schon zuvor erwähnt, läßt sie sich wunderbar über Drahtbügeln als Abdeckung in Form von Folientunneln verwenden. Diese gibt es in einer niedrigen Variante von nur 50 cm Höhe bis hin zu begehbaren Exemplaren, die wie ein Gewächshaus funktionieren.
  4. Teichfolien

    Folien, die für die Anlage von Gartenteichen verwendet werden, müssen sehr hohen Anforderungen gerecht werden, da sie über einen langen Zeitraum dehn- und reißfest bleiben müssen sowie verrottungsbeständig, wurzelfest, witterungsbeständig und unschädlich für Pflanzen und Tiere. Die üblichen Folienstärken liegen bei 0,5 bis 1,5 cm je nach Größe des Teichs und des daraus resultierenden Wassergewichts gibt es auch dickere Folien. Man sollte nur solche verwenden, auf die der Hersteller eine Garantie von mindestens 10 Jahren gewährt.

    • PE-Folie:
    • PVC-Folie:
    • Kautschuk-Folie:

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Berta Rausch am 25. März 2010 in Allgemein, Gartenarbeit, Jahreszeiten

Wie lassen sich neue Pflanzen am besten vorziehen

Basilikum-KeimlingIm Frühjahr lassen sich die ersten Pflanzen für den Garten oder Balkon schon ab Mitte Februar ansäen -auch wenn eventuell noch Schnee liegt- vorrausgesetzt man hat ein Zimmergewächshaus, ein Frühbeet oder sogar ein Kleingewächshaus im eigenen Garten zur Verfügung.

Die Anzucht von eigenen Jungpflanzen hat den ganz großen Vorteil, dass man auf ein viel größeres und spezielleres Sortiment an Saatgut zurückgreifen kann und auf diese Art und Weise ungewöhnlichere Pflanzenarten auspflanzen kann als einen der Handel meistens so bietet.
Jedes Jahr kommen viele neue Blumen- und Gemüsesorten auf den Markt, bei denen sich das Ausprobieren durchaus lohnen kann. Vor allem dann, wenn es sich um Saatgut handelt, dass resistent ist gegen bestimmte Schädlinge. Gerade im Internet lohnt sich da das Stöbern.

Welche Bedingungen sind notwendig für das gesunde Auflaufen der Samen?

Grundsätzlich benötigt so ein Samenkörnchen drei wichtige Rahmenbedingungen, um zu gedeihen:

  1. Wärme:
    Die meisten Pflanzen benötigen zum Keimen eine möglichst konstante Temperatur von + 18-25°C tagsüber und +15-18°C nachts. Das Abfallen der Temperatur unter +15°C sollte möglichst vermieden werden.
    Kohlrabi, Fenchel und Kopfsalat sowie die meisten Sommerblumen und Ktäuter kommen mit diesen Temperaturangaben sehr gut zurecht. Tomaten, Paprika, Gurken, Auberginen, Stangenbohnen und Melonen brauchen es hingegen noch einen kleinen Tick wärmer und sollten nicht weniger als +18°C bekommen.

    Dies bedeutet, dass man ohne Heizung nicht auskommt, wenn man so früh im Jahr beginnen will. Minigewächshäuser gibt es im Handel schon mit integrierter Heizung und noch besser mit zusetzlichem Thermostat, so dass man eine konstante bestimmte Temperatur auswählen kann. Wer schon ein unbeheiztes Minigewächshaus zu Hause hat, der kann dieses mit einer Heizmatte oder einem Heizkabel kombinieren. Die Matte wird unter dem Gewächshaus platziert und das Kabel kann in Spiralen im Substrat eingebettet werden und wäre auch für ein Frühbeet einsetzbar. Dieses läßt sich allerdings auch ganz wunderbar mit einer „natürlichen Heizung“ versehen in Form eines Mistbeetes.

    Wichtig wäre also die regelmäßige Kontrolle der Temperatur. Auch hierbei kommt es gerne zu Mißverständinissen, denn entscheidend ist nicht die Temperatur der Luft, sondern des Bodens.
    Achtung: Zu hohe Temperaturen können auch wieder schädlich sein. Viele Pflanzen keimen nicht mehr, wenn das Thermometer über +28-30°C klettert. Solche Temperaturen können tatsächlich in kleinen Anbauräumen wie im Gewächshaus oder Frühbeet bei Sonneneinstrahlung leicht mal erreicht werden. Dagegen hilft ausreichend belüften oder Schattieren mit Schattiergewebe oder auch Abdeckvliesen.

    Zur Keimung benötigen die meisten Pflanzen eine etwas höhere Temperatur wie während ihrer Jungpflanzenphase. Man kann diese nach der Keimung also etwas reduzieren, um Energie zu sparen.

  2. Wasser:
    Dieser Faktor dürfte jedem einleuchten, denn die Samen müssen ja leicht „quellen“, um zum Keimen animiert zu werden. Bei vielen Arten begünstigt das vorherige Einweichen der Samen für einige Stunden im warmen Wasser den Keimungsvorgang. Einmal gewässert dürfen sie dann nicht mehr austrocknen, sonst stirbt der Keimling, der ja noch nicht über ausreichend Speicherkapazität für Wasser und Nährstoffe verfügt, um so eine Extremsituation zu überdauern.
    Dies bedeutet, dass man nach dem Säen die Pflanzenschalen einmalig gut wässert mit einem ganz weichen Strahl, um das Ausschwemmen der Samen zu verhindern.
    Es gibt tatsächlich spezielle Aufsetze für die Gießkanne, die eine solche weiche Brause verursachen. Anschließend unbedingt die Pflanzgefäße abdecken mit der Haube des Zimmergewächshauses, einer aufgeschnittenen Plastikflasche oder mit zwei bis drei Lagen Frühbeetvlies, um das rasche Abtrocknen der Erde zu verhindern und gleichzeitig die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen. Ab diesem Zeitpunkt täglich die Bodenfeuchte kontrolliern. Das Substrat sollte immer feucht, aber nie nass sein. Staunässe führt sehr schnell zu Fäulnis- und Schimmelbildung und bedeutet damit schnell den Tod der Keimlinge.

    Nach dem Auflaufen der Pflanzen sollte man nicht mehr abends gießen, damit die Pflanzen die Nacht über trocken sind. Denn auch in dem Fall kann die Nässe dann zu Pilzbefall führen.

  3. Licht:
    Idealerweise benötigen Pflanzen während der Anzuchtsphase mindestens acht bis zwölf Stunden Licht mit einer Intensität von mindestens 2000 Lux und dieses am besten direkt von oben. Deswegen ist die Fensterbank kein 100%iger geeigneter Ort für das Minigewächshaus, da das Licht nur von der Seite kommt und die Jungpflanzen sich extrem in diese Richtung wenden.
    Im Februar und manchmal auch noch im März kann es also sinnvoll sein zusätzliches künstliches Licht bereitzustellen. Die Zusatzbelichtung verbessert die Qualität der Jungpflanzen und verkürzt die Anzuchtphase um 7 bis 14 Tage.

    Wie schon zuvor erwähnt, kann zuviel Licht in Form von Sonneneinstrahlung auch schädlich wirken, da es zu Überhitzung und Austrocknung führen kann.

An dieser Stelle noch ein Hinweis auf eine Webseite, die sich nur mit dem Thema Pflanzenanzucht beschäftigt und damit noch viel mehr Information bereithält:
externer Link: -> Pflanzen-Anzucht.de

Der Garten im Advent – Barbarazweige und Wintersonnenwende

Mit riesen Schritte geht das Jahr zur Neige. Der Winter steht vor der Tür und mit ihm eine ruhige und besinnliche Zeit.
Auch im Garten wird es nun ruhig, denn das Tageslicht schwindet und die Pflanzen gehen fast alle ihn ihre Vegetationsruhe. Mit dem ersten Frost und Schnee wird alles mit einer weißen, leisen Decke überzuckert.
Wenn im Garten alles aufgeräumt und gereinigt wurde, dann bleibt nicht mehr soviel zu tun.
Zum Glück steht nun Weihnachten vor der Tür und mit ihm die wunderschöne Adventszeit. Diese bringt neben Plätzchen backen, Kerzenschein und gemütliche Teestunden vorm bollernden Kaminofen auch ein paar Bräuche mit sich, die das Gärtnerherz höher schlagen lassen.
Gleich zu Beginn der Adventzeit wartet die heilige Barbara mit ihrem Brauchtum gefolgt von der Wintersonnenwende (auch Tagundnachtgleiche genannt). Ich habe ein bißchen recherchiert, was es mit diesen Bräuchen auf sich hat und möchte nun im folgenden meine Ergebnisse teilen:

Was sind nun also Barbara-Zweige und Barbara-Gärtchen?

KnospenDie Legende der heiligen Barbara
Ob es die Heilige Barbara tatsächlich gab, ist nie geklärt worden. Es gibt aber eine Legende, die auf eine Frau im 3.Jahrhundert zurückgeht, die östlich von Konstantinopel (heute Istanbul) gelebt haben soll. Diese Barbara war die Tochter eines wohlhabenden Heiden, der ihr in ihrer Jugend eine gute und freie Erziehung und Bildung zukommen ließ, angeblich um sie vom Christentum fern zu halten. Sie durfte sich ihre eigenen Räumlichkeiten in einem Turm einrichten und erhielt dort regelmäßig Unterricht von verschiedenen Gelehrten.
Einer dieser Lehrer brachte ihr das Christentum nahe, woraufhin sie sich heimlich Taufen ließ. Als ein Heide um ihre Hand anhielt, lehnte sie den Antrag ab und offenbarte sich vor ihrem Vater als Christin. Dieser würde darüber so zornig, dass er ihr die nur Wahl ließ zwischen der Heirat mit dem Heiden oder einer furchtbaren Bestrafung. Als Reaktion auf diese Androhung flüchtete Barbara vor ihrem Vater, der sie daraufhin mit gezücktem Schwert verfolgte.
Auf Grund eines Verrats konnte er sie stellen und seine Bestrafung war grausam und brutal. Doch auch dadurch wandte sie sich nicht vom christlichen Glauben ab, so das der endtäuschte Vater sie wegen Hochverrats zum Tode verurteilen und sich selbst als Henker einsetzen ließ.
Am 04. Dezember starb der Legende nach die heilige Barbara als Märtyrerin, geköpft durch ihren Vater, der daraufhin vom Blitz getroffen wurde.
KnospenDer Barbara-Zweig
Die Legende zur Legende besagt desweiteren, dass sich auf dem Weg in den Kerker ein Kirschbaumzweig in ihrem Gewand verfangen habe, den Barbara fortan mit ihrem Trinkwasser am Leben erhielt, was dieser ihr mit dem Hervorbringen von Blüten dankte.
Möglicherweise geht darauf der Brauch zurück, am 04. Dezember Obstbaum zweige zu schneiden und sie in die Vase zu stellen, auf dass sie in der Weihnachtsnacht erblühen mögen als Zeichen dafür, dass das „Licht der Welt“ auf die Erde gekommen ist. Tut er dies tatsächlich, soll es ein gutes Zeichen sein für das kommende Jahr
Verwendet werden vor allem: Weichsel, Apfel, Birne, Pflaume, Flieder, Linde, – heute nimmt man auch Äste von Mandelbäumchen, Forsythie, Jasmin, Weide und Rosskastanie. In den Alpen nennt man die Barbarazweige „Barbarabaum”.
Damit die Zweige überhaupt zum Austreiben kommen, müssen sie vor dem Schneiden schon einmal Frost bekommen haben, da sie den Kälteimpuls dazu benötigen. Ersatzweise kann man sie auch über Nacht ins Gefrierfach legen. Den darauffolgenden Tag müssen die Zweige im handwarmen Wasser liegen, um sie dann endlich in der Vase platzieren zu können. Egal,wann die Blühten sich öffnen, dies ist im kalten Winterimmer ein sehr magischer Augenblick. Bekommt man doch eine Voraussicht auf den kommenden Frühling.
Es wird gemunkelt, dass das Brauchtum um den Barbarazweig wiedermal auf germanischen Ursprung zurückgreift, nämlich auf den Brauch der germanischen Lebensrute.
Man schlug mit den blühenden Zweigen die Kinder, um die Lebenskraft der sich verjüngenden Natur auf sie zu übertragen. Ein Brauch, der sich heute am Nikolaustag wiederfindet. Die Rute diente ursprünglich nicht der Züchtigung von ungezogenen Kindern. sondern der Segensspendung. Der Schlag mit der Lebensrute hat noch einen Hintergrund: Auf diese Weise fordert man in Schweden die Julgeschenke ein. Der Schlagende überträgt die Vitalität der Natur und der Geschlagene dankt in Form eines Geschenkes.
Zurück zur Barbara: Bei uns gibt es den Brauch mehrere Zweige zu schneiden und jeden einzelnen mit einem Namen eines Verehrers zu versehen. Der Zweig, der zuerst erblüht, gibt Hinweis auf den zukünftigen Bräutigam.
Das Barbara-Gärtchen
Bekannt auch unter den Namen Adonisgärtlein, Advents- oder Weihnachtsgärtchen.
Dies sind die Namen für das winterliche Grün in der Krippe. Man streut am Barbaratag Weizen- oder Gerstenkörner auf einen Teller mit Küchenkrepp oder Watte und begießt sie regelmäßig. Zu Weihnachten ist die Saat aufgegangen und bildet einen dichten grünen Busch, in den man als Hinweis auf das „Licht der Welt” eine Kerze stellt.

Wintersonnenwende
– von Raunacht und Licht

Die Wintersonnenwende bezeichnet die längste Nacht des Jahres vom 21. auf den 22.Dezember. Mit ihr beginnen die Tage wieder länger zu werden und das Licht kehrt zurück. Je weiter nördlich man beheimatet ist desto wichtiger und festlicher wird dieses Fest begangen, da hoch im Norden das Tageslicht zeitweilig sogar ganz verschwindet während des Winters. Die Wiederkehr des Lichts begrüßt man mit einem großen Lagerfeuer. Eine gute Gelegenheit mit guten Freunden im Garten zusammenzukommen und sich darauf zu freuen, dass der Beginn der nächsten Gartensaison nun deutlich näher rückt.
Gleichzeitig ist die Wintersonnenwendenacht auch der Beginn der Raunächte. Aus christlicher Sicht handelt es sich um die zwölf Nächte zwischen Weihnacht und Dreikönig, dem neuen und dem alten Geburtstag Christi. Genaugenommen sind es aber jene zwölf Tage und Nächte, die zwischen dem Mondjahr mit 354 Tagen und dem Sonnenjahr mit 366 Tagen liegen. Daher spricht man auch von der „Zeit zwischen den Jahren“. Um diese Tage ranken sich jede Menge Mythen und Bräuche.
Einer davon besagt, dass die Tore der Welten sich öffnen. Nach germanischer Vorstellung brauste nun die wilde Jagd durch die Lüfte: Odin galoppierte auf seinem achtbeinigen Ross Sleipnir durch den Himmel. Und Frau Holda, die im Winter als wilde Frau Percht erscheint, zieht mit ihrem unheimlichen Gefolge bestehend aus neun Kinderseelen, Elben, Zwergen und Hexen umher. Im Volksglauben hieß es daher, dass man in den Rauhnächten nach dem Abendläuten nicht mehr vor die Tür gehen solle, da man des Todes sei, wenn man der wilden Fuhre begegnet. Um das Haus vor diesen bösen Geistern zu schützen, schmückt man Fenster und Türen mit immergrünen Zweigen. Besonders Buchs, Eiben, Tannen und Wacholder sprach man eine dämonenabwehrende Eigenschaften zu. Ihre Wirkungsweise soll äußerst kurios sein, denn beim Anblick der Zweige verfallen „Hexen“ angeblich in einen Zählzwang. Statt Unfug zu treiben, zählen sie die Blätter oder Nadeln und kommen damit einfach nicht zu Ende.

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Berta Rausch am 23. November 2009 in Allgemein, Brauchtum & Rituale, Jahreszeiten