Im Garten starten die Pilze dieses Jahr zum Großangriff

Bedingt durch die ungewöhnlich vielen und starken Regenfälle in diesem Frühsommer kombiniert mit den angenehmen, warmen Temperaturen ensteht vielerorts in Deutschland schon seit einigen Wochen ein feucht-warmes Klima. Ideale Vorraussetzungen für das Wachsen und Gedeihen von üppigen Pilzkulturen. Dies mag paradiesische Ernten für den passionierten Pilze-Sammler versprechen – dem Hobbygärtner beschert es jedoch das große Fürchten vor dem Großangriff der Pilzkulturen im Garten


sommerblumen
Sommerblume

Welche Gefahren drohen also bei dieser Witterung?

Man sollte seine Feinde kennen, um dann strategisch korrekt reagieren zu können und um im Endeffekt zu den richtigen Waffen zu greifen.

Daher nun eine kurze Auflistung, der Plagen, die dieses Klima lieben:

  1. Die Kraut- und Knollenfäule beziehungsweise Braunfäule befällt in erster Linie Kartoffeln und Tomaten. Der unterschiedliche Name bezieht sich dann jeweils auf das Schadbild, das dieser Pilz (Phytophthora infestans) jeweils hervorruft. Bei Tomaten zeigen sich zunächst braune Flecken auf dem Laub. Infolge dessen rollen sich die Blätter ein, trocknen und sterben ab. Auch die Stengel und Früchte werden infiziert. Tomaten erhalten zunächst gelbe Flecken, die sich später braun färben, einsinken und meistens noch an der Pflanze zu faulen anfangen. Spätstens jedoch ein paar Tage nach der Ernte.Das Schadbild bei Kartoffeln ist ähnlich: Die Blattränder färben sich braun und beginnen zu faulen. Das Blatt trocknet bei größerer Ausbreitung und stirbt ab. Ähnliches ist an den Stengln zu beobachten. Auch die Knollen werden angegriffen und entwickeln dadurch eingesunkene, bleigraue Flecken, unter denen sich das Speichergewebe rötlichbraun verfärbt. Diese trockenen Stellen sind hervorragende Eintrittspforten für weitere Fäulniserreger, die der Kartoffel dann entgültig den garaus bereiten.
  2. Grauschimmelpilze erkennt man sehr deutlich an dem grauen Schimmel auf Blättern und auch anderen Pflanzenteilen. Er schädigt vor allem Erdbeeren, Trauben, Tomaten,Gurken, Salat und Bohnen. Ursache für dieses unschöne Erscheinungsbild ist der Botrytis-Pilz, der bei entsprechenden klimatischen Bedingungen die Schwachstellen der Pflanzen belagert und sich dort ausbreitet.
  3. Echter- und Falscher Mehltau geht nicht auf einen Pilz zurück, sondern auf unterschiedliche jeweils auf einzelne Pflanzen spezialisierte Pilze, die allerdings ein ähnliches Schadbild hervorrufen. Echter Mehltau überzieht die Blattoberseiten und auch andere Pflanzenteile mit einem weißen Belag. Er ist der Pilz, der sich eher bei schöner Wetterlage ausbreitet. Dahingegen ist der Falsche Mehltau der Pilzbefall, der vor allem bei feucht-warmem Klima auftritt. Diese Pilze befallen eher die Blattunterseiten mit weißem Belag und rufen auf den Blattoberseiten gelblich, bräunlich oder auch rötlich verfärbte Flecken hervor. Insgesamt schädigt der Falsche Mehltau die Pflanzen nachhaltiger.

Welche Maßnahmen kann man gegen Pilzbefall ergreifen?

Grundsätzlich sind einige wichtige Richtlinien für einen gesunden Garten zu beachten, um den Pflanzen möglichst optimale Lebensbedingungen zu schaffen. Ein gesunder und kräftiger Pflanzenbestand bietet wenig Angriffsfläche für Pilze. Dieses läßt sich erreichen durch die Beachtung der Boden- und Klimaverhältnisse. Nicht jede Pflanze kann überall gut leben. Einige vertragen keinen Wind, andere keine lange Trockenperiode, etc.. Sowohl Nährstoffmangel wie auch -überschuss schwächen eine Pflanze genauso wie Umweltschadstoffe in Luft, Wasser und Boden. Diese Faktoren lassen sich leider häufig nicht so einfach beeinflussen. Genauso wichtig sind aber richtige Pflanzabstände, richtiges gießen und düngen, Einsatz von Mischkulturen und immer wieder der Versuch, ein ökologisches Gleichgewicht im Garten herzustellen und zu erhalten.

Speziell bei Pilzbefall gilt es möglichst alle befallenen Pflanzenteile zu entfernen und zu vernichten. Wenn möglich resistentes Saatgut verwenden. Beim Gießen darauf achten, nicht von oben auf die Pflanze zu gießen, sondern ganz gezielt im Wurzelbereich. Zu viel Stickstoffdüngung vermeiden.

Ergänzend gibt es natürlich die ein oder anderen biologischen Mittel, die man sowohl vorbeugend zur Pflanzenstärkung als auch im Notfall zur Bekämpfung von Pilzbefall einsetzen kann:

  • Zur Pflanzenstärkung regelmäßig mit Schachtelhalmbrühe oder Knoblauchtee spritzen. Die Blätter mit Steinmehl bestäuben. Blattstärkende Mittel spritzen wie beispielsweise Brennessel-Brühe oder Algen-Extrakte.
  • Bei Kraut- und Braunfäule möglichst Kartoffeln und Tomaten so weit wie möglich von einander entfernt Pflanzen, da der Wind die Pilzsporen von den Kartoffeln zu den Tomaten trägt und diese dadurch infiziert. Tomaten unbedingt vor Nässe von oben schützen durch Überdachung oder Anpflanzung im Gewächshaus statt im Freiland. Vorbeugend regelmäßig mit Magermilch besprühen sowie bei Befall mit Schachtelhalmbrühe oder Knoblauchtee. Wichtigste Maßnahme: Alle befallenen Pflanzenteile vernichten! Gleiches gilt für Kartoffeln
  • Gegen Grauschimmel helfen die allgemeinen Empfehlungen. Unbedingt zu beachten sind die richtigen Standorte für die Pflanzen sowie gute Belüftung.
  • Auch bei Echtem- und Falschem Mehltau gelten die zuvor genannten allgemeinen Empfehlungen. Außerdem gibt es von der Firma Schacht ein neues Sortiment an biologischen Spritzmitteln, das sehr zu empfehlen ist.

:
All die Pflanzenbrühen und -jauchen lassen sich hervorragend selber herstellen, indem man die entsprechenden Pflanzen dafür sammelt und sie jeweils mit Wasser ansetzt oder überbrüht. Wer keinen Zugang zum Sammeln oder gar Selberherstellen hat, dem seien die beiden Firmen Schacht und Ludwig Engelhart genannt, die über ein sehr umfangreiches Sortiment an Kräutern und fertigen Lösungen verfügen. Sehr zu empfehlen ist z.B. der Ackerschachtelhalm Extrakt weiterlesen »

2 Kommentare »

Berta Rausch am 14. Juli 2009 in Gartenarbeit, Schädlingsbekämpfung