Kalter, nasser Sommer – ein Greuel für die Tomate

Auch der Sommer 2010 zeichnet sich einmal wieder durch ungewöhnliche Wetterlagen aus.
Im Süden von Deutschland folgte auf einen extrem lange andauernden Winter ein spährlicher Frühling, sieben Wochen Affenhitze ohne Regen im Frühsommer und ein total verregneter und eher kalter Juli und August.

Speziell für die Tomatenfreunde unter den Gärtnern war dies eine echte Katastrophe, denn einmal mehr zeigte einem das Wetter, warum Tomaten bei uns nicht heimisch sind. Der Start in die Saison war zwar recht vielversprechend. Meine Pflanzen wuchsen schnell und kräftig. Dadurch hielten sie auch lange dem vielen Nass von oben stand, aber natürlich das letzte Regenwochenende machte ihnen dann doch den garaus und sie präsentierten sich mit folgendem traurigen und häßlichen Erscheinungsbild:

Kraut-und Braunfäule Kraut- und Braunfäule

Solches oder ein ähnliches Bild dürfte in vielen Gärten zu finden gewesen sein und jedem Tomatenfreund die Tränen in die Augen schießen lassen, denn es beudeutet das absolute Aus für die Ernte von reifen und aromatischen Tomaten.
Was aber ist der Verursacher für dieses Schadbild?

Die Kraut- und Braunfäule

Verursacher dieses Schadbilds ist der Braunfäule-Pilz Phytophthora infestans, der vor allem Tomaten und Kartoffeln befällt, aber auch andere Nachtschattengewächse wie Auberginen, etc. Dieser Pilz gehört zu den Algenpilzen, die normalerweise bevorzugt im Wasser leben. Obwohl Phytophthora infestans nicht im Wasser lebt, benötigt er Wasser zum überleben und vermehren und Temperaturen um +20°C. Dies erklärt schon von alleine, warum die Kraut-und Braunfäule besonders bei nass-kaltem Wetter auftritt.
Die Sporen dieses Pilzes sind mit bloßem Auge garnicht zu erkennen, da sie nur 0,001 bis 0,007mm groß werden. Der Pilz bildet diese bei günstigen Bedingungen schon innerhalb kürzester Zeit und zwar in Massen. Die Sporen werden mit dem Wind über weite Strecken verteilt. Fallen sie zufällig auf Blätter oder Stengel von Tomaten, so dringen sie in das Gewebe der Pflanze ein. Dieses kann jedoch nur dann passieren, wenn die betroffene Stelle nass ist.

Die wichtigste vorbeugende Maßnahme gegen Kraut- und Braunfäule bei Tomaten ist deswegen, die oberirdischen Teile der Pflanze möglichst nicht oder nur kurz nass werden zu lassen. Man sollte Tomaten daher ein Dach über dem Kopf bieten in Form eines Kleingewächshaus, eines Tomatenhaus oder eines Dachüberhangs an einer Südseite. Desweiteren sollte man unbedingt einen ausreichenden Abstand zwischen den Pflanzen einhalten, damit Feuchtigkeit auf den Pflanzen schnell von Sonne und Wind abgetrocknet werden können. Grundsätzlich brauchen Tomaten also einen sehr sonnigen und luftigen Standort.
Beim Gießen sollte man nie von oben , sondern immer direkt im Wurzelbereich und neben der Pflanze mit weichem Strahl gießen, so dass die unteren Blätter nicht von unten benetzt werden oder gar Erdklümpchen nach oben spritzen, denn der Pilz überwintert im Boden in nicht geernteten Kartoffeln.
Tomaten und Kartoffeln sollten nie nebeneinander angebaut werden. wenn es sich dennoch nicht vermeiden lässt, so unbedingt die Hauptwindrichtung beachten beim Pflanzen, so dass der Wind von den Tomaten zu den Kartoffeln und nicht andersherum weht.

Versuchen Sie möglichst gesunde und kräftige Pflanzen mit maximal zwei Haupttrieben zu ziehen. Eine geschwächte Pflanzen ist natürlich nicht so widerstandsfähig wie eine gesunde. Dies bedeutet die Auswahl von widerstandsfähigen Sorten, den richtigen Standort, richtiges Gießen, nicht überdüngen und rechtzeitig ausgeizen.
Wechseln Sie jährlich den Standort ihrer Tomaten und beobachten Sie sie sorgfältig.
Enfernen Sie befallene Blätter und Früchte sofort und geben Sie diese in die Bio-Tonne und nicht auf den Kompost, da der Pilz möglicherweise die Verrottungshitze überleben könnte. Manchmal kann man die Pflanze noch retten, wenn man den Pilz rechtzeitig erkennt und eine Wärmeperiode bevorsteht. Klettert die Temperatur deutlich über +20°C und ist es dabei auch noch trocken, so stirbt der Pilz oft schon innerhalb weniger Stunden.
Bei mir mußten dieses Jahr jedoch 30 Tomatenpflanzen komplett dran glauben, da an eine Rettung nicht mehr zu denken war.
Desinfizieren Sie die Pflanzstäbe vor jeder neuen Nutzung, um die Verbreitung der Kraut- und Braunfäule einzudämmen.

Das wichtigste zum Schluss: Wie erkennt man die Kraut- und Braunfäule?
Man entdeckt den Befall meistens zunächst an den Tomaten selbst, die bräunliche eingesunkene, aber harte Flecken bekommen. Doch auch an den Blättern und Stengeln zeigt sich früher oder später der Befall in Form von gräulich-grünen bis schwarzen Flecken auf der Blattoberseite und einem gräulichen Pilzbefall an der Blattunterseite.
Alle Pflanzenteile sterben in Folge sehr rasch ab und die Früchte werden ungenießbar.

Das beste Bekämpfungsmittel ist eine gute Prophylaxe und das sorgfältige Überwachen und Beobachten der Pflanzen.
Die Anwendung von Brennesseljauche als Dünger bringt meistens erxtrem gesunde und widerstandsfähige Pflanzen hervor.
Vorbeugende Spritzungen mit natürlichen Mitteln zur Stärkung und Pizbekämpfung wie Schachtelhalmbrühe, Knoblauchsud können das Problem von vornherein eindämmen.
Bei leichtem Befall unbedingt die befallenen Teile sofort entfernen. Man findet dann verschiedene Möglichkeiten der unterstützenden Behandlung wie das Besprühen mit einer Milchmischung aus zwei Litern Magermilch und zehn Litern Wasser oder im Notfall der Einsatz eines Kupfer-Präparats.

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Gotthilf Rausch am 07. September 2010 in Allgemein, Ernte, Nutzpflanzen, Schädlingsbekämpfung, Wetter

Es geht auch ohne Gift
– Biologischer Pflanzenschutz mit Hilfe von Kräuterauszügen

Wir leben in einem spannenden Jahrhundert. Unter anderem hält das Wetter jedes Jahr etwas Neues und Unerwartetes für uns bereit.
Das Jahr 2010 zeichnet sich da bisher besonders aus durch einen sehr langen Winter, gefolgt von einem äußerst kalten und regenreichen Mai, der uns nun schon im Frühling einen neuen Ansturm von Armeen von Blattläusen und Pilzen auf unsere Gärten und Felder beschert.
Zum Glück kann man sich erstaunlicherweise doch immer noch auf die Natur verlassen, denn Beobachtungen in meinem Garten erwecken in mir den Eindruck, als ob eine abgeschwächte Form der Marienkäferplage aus Norddeutschland vom letzten Jahr nun auch Süddeutschland erreicht hat und das ist aus gärtnerischer Sicht auch gut so.
Tatsächlich sind die Marienkäfer gleichzeitig mit den Blattläusen erschienen und dürfen sich nun wie im Schlaraffenland fühlen, da sie Blattläuse als besonderen Leckerbissen auf ihrer Speisekarte stehen haben.

marienkäferPflanzenbilder von www.kultur-pflanze.de blattläuse marienkäferlarve
Marienkäfer (Coccinellidae) bei der Paarung Röhrenblattläuse (Aphididae) auf dem Neuaustrieb einer Wildrose Maikäferlarve beim Fressen von Blattläusen

Damit wären wir auch schon mitten im biologischen Pflanzenschutz gelandet, denn dieser besteht aus verschiedenen Möglichkeiten der Angriffsstrategien:

  1. Der Einsatz von sogenannten Nützlingen, die auf ihrem Speiseplan genau die Tiere stehen haben, die wir als Schädlinge bezeichnen (siehe Marienkäfer und Blattläuse)
  2. Kräuterauszüge aus Wildkräutern können sehr leicht hergestellt und als biologisches Spritzmittel verwendet werden zur direkten Schädlingsbekämpfung ohne andere Pflanzen und Tiere zu schädigen beziehungsweise ohne Nachwirkungen auf den Menschen.
  3. Mechanischer Pflanzenschutz beinhaltet das klassische Absammeln oder Abspritzen der Schädlinge von dn Pflanzen, das Entfernen befallenen Pflanzenteile sowie das Aufstellen von Fallen oder Schutzmaßnahmen wie Insekten- und Vogelschutznetzen oder Schneckenzäunen.
  4. Vorbeugender Pflanzenschutz mit Hilfe von natürlichen Pflanzenstärkungsmitteln und korrektem Pflanzengebrauch. Eine gesund Pflanze, die den richtigen Standort und die richtigen Lebensbedingungen hat, wird weniger häufig von Pflanzenschädlingen heimgesucht und kann eine Attacke gegebenenfalls leichter wegstecken.

Brennesseljauche, Ackerschachtelhalmbrühe, Knoblauchtee & Co

Ich möchte mich an dieser Stelle den bewährten Hausmitteln zuwenden, die schon seit Urzeiten für die Schädlingsbekämpfung in Gärten eingesetzt wurden.
Einige Vorteile der Kräuterauszüge wurden zuvor schon genannt. Ergänzend wäre dem noch hinzuzufügen, dass diese Mittel wiklich sehr leicht herzustellen und dabei auch noch billig sind, denn in den meisten Fällen kann man die Kräuter in der Natur sammeln oder im eigenen Garten im Kräuterbeet finden. Dazu benötigt man in der Regeln nur einen 10 Liter Eimer, Wasser und etwas Arbeit und Geduld.
Folgende Grundrezepte kommen für diesen Zweck in Frage:

  • Jauche
    Eine Kräuterjauche ist ein vergorener Kräutersud aus kleingeschnittenen Pflanzenbestandteilen und Regenwasser. Am bekanntesten ist hier sicherlich die Brennesseljauche. Die Rezepturen, die man so findet variieren in den Angaben leider sehr stark und können vermutlich auch nicht so konkret genannt werden, da die einzelne Pflanze je nach Wachstumsphase unterschiedlich hohe Konzentrationen von dem benötigten Wirkstoff aufweist. Die Angaben handeln sich also um ungefähre Richtwerte. Experimentierfreude ist gefragt!
    Rezept für Brennesseljauche

    1. Sie benötigen ein Fass aus Holz oder Kunststoff, das nicht zu klein dimensioniert sein sollte. Unbedingt Metallgefäße vermeiden, da das Metall während des Gärungsprozesses mit der Jauche reagieren und ungewollte chemische Reaktionen auslösen kann. Platzieren Sie das Fass an einem möglichst sonnigen Ort. Je wärmer der Platz desto schneller ist der Gärprozess beendet.
    2. Sammeln Sie die oberirdischen Bestandteile von nicht blühenden Brennesseln und zerkleinern Sie sie grob. Man benötigt ungefähr 1 kg Frischmaterial auf 10 Liter Wasser.
    3. Die zerkleinerten Brennesseln werden in das Fass gegeben und mit Regnwasser aufgegossen, so dass möglichst ein Abstand zum Rand von einer Handbreit entsteht. Während des Gärprozesses kommt es zu Schaum- und Bläschenbildung, so dass die Flüssigkeit überlaufen könnte.
    4. Das Fass bleibt unverschlossen an einem sonnigen Ort stehen. Man kann es eventuell mit einem Drahtgitter bedecken, um zu verhindern, dass Blätter oder Insekten hineinfliegen. Für die Gärung ist Sauerstoff dringend notwendig. Deswegen sollte zusätzlich die Jauche einmal täglich umgerührt werden.
    5. Da während der Gärung immer unangenehme Gerüche entstehen, sollte man von vornherein einen Standort wählen, der einsam genug liegt, damit sich niemand belästigt fühlt. Zusätzlich kann man zur Geruchsbindung etwas Steinmehl oder Baldrinblütenextrakt auf die Oberfläche geben.
    6. Nach 1 1/2 bis 3 Wochen ist die Brennesseljauche fertig. Sie hat dann eine braune Farbe und die Brennesselbestandteile sind auf den Boden des Fasses gesunken. Außerdem findet keine Bläschenbildung mehr statt. Sie können nun das Fass mit einem Deckel verschließen. Die Jauche ist für die gesamte Gartensaison haltbar.
    7. Man sollte die Jauche vor dem Ausbringen sowohl sorgfältig durchsieben als auch unbedingt mit Wasser im Verhältnis von 1:10 verdünnen. Sie wird direkt in den Wurzelbereich gegeben. Als Spritzmittel muß die Jauche im Verhältnis 1:50 verdünnt werden und wirkt dann direkt auf Triebspitzen und Blättern gegen Blattläuse und Spinnmilben.

    Brennesseljauche dient nicht nur als Pflanzenschutzmittel, sondern eignet sich gleichzeitig hervorragend als stickstoff- und kalihaltigen Dünger, der vor allem für starkzehrende Pflanzen wie Tomaten und Kohl eingesetzt werden kann.
    Natürlich können auch andere Kräuter wie Beinwell oder Rainfarn zu Jauchen verarbeitet werden ebenso wie Knoblauch, Zwiebeln und sogar Komposterde und Tierexkremente. Vorsichtig muß man allerdings immer mit der Verdünnung sein, da zu kräftige Jauchen sowohl die Bildung von geilen Trieben fördern als auch Verbrennungen an den Pflanzen verursachen können.

  • Brühe
    Um eine Kräuterbrühe zu erhalten benötigt man ungefähr 1 kg Pflanzenteile auf 10 Liter Regenwasser. Man legt die Kräuter für 24 Stunden in der entsprechenden Menge Wasser ein und läßt sie ziehen. Nach Ablauf dieser Zeitkocht man den gesamten Sud auf und läßt ihn für eine halbe Stunde leicht sieden. Nach dem Abkühlen kann die Brühe abgesiebt und direkt verwendet werden. Auch die Brühe muß vor der Verwendung mit Regenwasser verdünnt werden.
    Typische Pflanzen aus denen Brühen hergestellt werden, sind:

    • Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense) –> Vorbeugend gegen Pilzkrankheiten. Kann auch ohne Probleme mit Brennesseljauche vermischt werden.
    • Wurm- (Dryopteris filix-mas) und Adlerfarn (Pteridium aquilinum) –> Spritzmittel gegen Schild-, Schmier- und Blutläuse.
    • Rainfarn (Tanacetum vulgare) –> Gieß- und Spritzmittel gegen Rost und Mehltau sowie gegen Blattwespen, Brombeer- und Erdbeermilben, Erdbeerblütenstecher und Himbeerkäfer.
    • Wermut (Artemisia absinthium) –>Unverdünnte Spritzungen gegen Blattläuse, Säulenrost an Johannisbeeren, Raupen, Kohlweißlinge und Ameisen.
  • Tee
    Um einen Kräutertee zu erhalten überbrühen Sie die Pflanzenteile (frisch oder getrocknet) mit kochendem Wasser und lassen Sie den Tee 10 bis 15 Minuten ziehen. Er kann dann abgeseiht und nach dem Abkühlen direkt verwendet werden.
    Am häufigsten wird sicherlich ein Zwiebel-Knoblauchtee eingesetzt, der allgemein gegen Ungeziefer und Pilze wirkt. Man verwendet für die Herstellung 75g gehacktes Frischmaterial auf 10 Liter Wasser. Beiden Bestandteilen wird eine antibiotische und und keimhemmende Wirkung nachgesagt.
  • Kaltwasserauszug
    Pflanzenteile werden für maximal 1 bis 2 Tage in kaltes Wasser eingelegt. Man siebt die festen Bestandteile danach ab und kann den Kaltwasserauszug sofort verwenden. Dieser darf auf gar keinen Fall gären.
    Bekannt ist der Tomatenblätter-Auszug, der vor allem als Spritzmittel zur Flugzeit der Kohlweißlinge bei Kohlarten zum Einsatz kommt, um die Falter von den Pflanzen abzuhalten.