Archiv der Kategorie ‘Schädlingsbekämpfung‘

Kalter, nasser Sommer – ein Greuel für die Tomate

Auch der Sommer 2010 zeichnet sich einmal wieder durch ungewöhnliche Wetterlagen aus.
Im Süden von Deutschland folgte auf einen extrem lange andauernden Winter ein spährlicher Frühling, sieben Wochen Affenhitze ohne Regen im Frühsommer und ein total verregneter und eher kalter Juli und August.

Speziell für die Tomatenfreunde unter den Gärtnern war dies eine echte Katastrophe, denn einmal mehr zeigte einem das Wetter, warum Tomaten bei uns nicht heimisch sind. Der Start in die Saison war zwar recht vielversprechend. Meine Pflanzen wuchsen schnell und kräftig. Dadurch hielten sie auch lange dem vielen Nass von oben stand, aber natürlich das letzte Regenwochenende machte ihnen dann doch den garaus und sie präsentierten sich mit folgendem traurigen und häßlichen Erscheinungsbild:

Kraut-und Braunfäule Kraut- und Braunfäule

Solches oder ein ähnliches Bild dürfte in vielen Gärten zu finden gewesen sein und jedem Tomatenfreund die Tränen in die Augen schießen lassen, denn es beudeutet das absolute Aus für die Ernte von reifen und aromatischen Tomaten.
Was aber ist der Verursacher für dieses Schadbild?

Die Kraut- und Braunfäule

Verursacher dieses Schadbilds ist der Braunfäule-Pilz Phytophthora infestans, der vor allem Tomaten und Kartoffeln befällt, aber auch andere Nachtschattengewächse wie Auberginen, etc. Dieser Pilz gehört zu den Algenpilzen, die normalerweise bevorzugt im Wasser leben. Obwohl Phytophthora infestans nicht im Wasser lebt, benötigt er Wasser zum überleben und vermehren und Temperaturen um +20°C. Dies erklärt schon von alleine, warum die Kraut-und Braunfäule besonders bei nass-kaltem Wetter auftritt.
Die Sporen dieses Pilzes sind mit bloßem Auge garnicht zu erkennen, da sie nur 0,001 bis 0,007mm groß werden. Der Pilz bildet diese bei günstigen Bedingungen schon innerhalb kürzester Zeit und zwar in Massen. Die Sporen werden mit dem Wind über weite Strecken verteilt. Fallen sie zufällig auf Blätter oder Stengel von Tomaten, so dringen sie in das Gewebe der Pflanze ein. Dieses kann jedoch nur dann passieren, wenn die betroffene Stelle nass ist.

Die wichtigste vorbeugende Maßnahme gegen Kraut- und Braunfäule bei Tomaten ist deswegen, die oberirdischen Teile der Pflanze möglichst nicht oder nur kurz nass werden zu lassen. Man sollte Tomaten daher ein Dach über dem Kopf bieten in Form eines Kleingewächshaus, eines Tomatenhaus oder eines Dachüberhangs an einer Südseite. Desweiteren sollte man unbedingt einen ausreichenden Abstand zwischen den Pflanzen einhalten, damit Feuchtigkeit auf den Pflanzen schnell von Sonne und Wind abgetrocknet werden können. Grundsätzlich brauchen Tomaten also einen sehr sonnigen und luftigen Standort.
Beim Gießen sollte man nie von oben , sondern immer direkt im Wurzelbereich und neben der Pflanze mit weichem Strahl gießen, so dass die unteren Blätter nicht von unten benetzt werden oder gar Erdklümpchen nach oben spritzen, denn der Pilz überwintert im Boden in nicht geernteten Kartoffeln.
Tomaten und Kartoffeln sollten nie nebeneinander angebaut werden. wenn es sich dennoch nicht vermeiden lässt, so unbedingt die Hauptwindrichtung beachten beim Pflanzen, so dass der Wind von den Tomaten zu den Kartoffeln und nicht andersherum weht.

Versuchen Sie möglichst gesunde und kräftige Pflanzen mit maximal zwei Haupttrieben zu ziehen. Eine geschwächte Pflanzen ist natürlich nicht so widerstandsfähig wie eine gesunde. Dies bedeutet die Auswahl von widerstandsfähigen Sorten, den richtigen Standort, richtiges Gießen, nicht überdüngen und rechtzeitig ausgeizen.
Wechseln Sie jährlich den Standort ihrer Tomaten und beobachten Sie sie sorgfältig.
Enfernen Sie befallene Blätter und Früchte sofort und geben Sie diese in die Bio-Tonne und nicht auf den Kompost, da der Pilz möglicherweise die Verrottungshitze überleben könnte. Manchmal kann man die Pflanze noch retten, wenn man den Pilz rechtzeitig erkennt und eine Wärmeperiode bevorsteht. Klettert die Temperatur deutlich über +20°C und ist es dabei auch noch trocken, so stirbt der Pilz oft schon innerhalb weniger Stunden.
Bei mir mußten dieses Jahr jedoch 30 Tomatenpflanzen komplett dran glauben, da an eine Rettung nicht mehr zu denken war.
Desinfizieren Sie die Pflanzstäbe vor jeder neuen Nutzung, um die Verbreitung der Kraut- und Braunfäule einzudämmen.

Das wichtigste zum Schluss: Wie erkennt man die Kraut- und Braunfäule?
Man entdeckt den Befall meistens zunächst an den Tomaten selbst, die bräunliche eingesunkene, aber harte Flecken bekommen. Doch auch an den Blättern und Stengeln zeigt sich früher oder später der Befall in Form von gräulich-grünen bis schwarzen Flecken auf der Blattoberseite und einem gräulichen Pilzbefall an der Blattunterseite.
Alle Pflanzenteile sterben in Folge sehr rasch ab und die Früchte werden ungenießbar.

Das beste Bekämpfungsmittel ist eine gute Prophylaxe und das sorgfältige Überwachen und Beobachten der Pflanzen.
Die Anwendung von Brennesseljauche als Dünger bringt meistens erxtrem gesunde und widerstandsfähige Pflanzen hervor.
Vorbeugende Spritzungen mit natürlichen Mitteln zur Stärkung und Pizbekämpfung wie Schachtelhalmbrühe, Knoblauchsud können das Problem von vornherein eindämmen.
Bei leichtem Befall unbedingt die befallenen Teile sofort entfernen. Man findet dann verschiedene Möglichkeiten der unterstützenden Behandlung wie das Besprühen mit einer Milchmischung aus zwei Litern Magermilch und zehn Litern Wasser oder im Notfall der Einsatz eines Kupfer-Präparats.

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Gotthilf Rausch am 07. September 2010 in Allgemein, Ernte, Nutzpflanzen, Schädlingsbekämpfung, Wetter

Es geht auch ohne Gift
– Biologischer Pflanzenschutz mit Hilfe von Kräuterauszügen

Wir leben in einem spannenden Jahrhundert. Unter anderem hält das Wetter jedes Jahr etwas Neues und Unerwartetes für uns bereit.
Das Jahr 2010 zeichnet sich da bisher besonders aus durch einen sehr langen Winter, gefolgt von einem äußerst kalten und regenreichen Mai, der uns nun schon im Frühling einen neuen Ansturm von Armeen von Blattläusen und Pilzen auf unsere Gärten und Felder beschert.
Zum Glück kann man sich erstaunlicherweise doch immer noch auf die Natur verlassen, denn Beobachtungen in meinem Garten erwecken in mir den Eindruck, als ob eine abgeschwächte Form der Marienkäferplage aus Norddeutschland vom letzten Jahr nun auch Süddeutschland erreicht hat und das ist aus gärtnerischer Sicht auch gut so.
Tatsächlich sind die Marienkäfer gleichzeitig mit den Blattläusen erschienen und dürfen sich nun wie im Schlaraffenland fühlen, da sie Blattläuse als besonderen Leckerbissen auf ihrer Speisekarte stehen haben.

marienkäferPflanzenbilder von www.kultur-pflanze.de blattläuse marienkäferlarve
Marienkäfer (Coccinellidae) bei der Paarung Röhrenblattläuse (Aphididae) auf dem Neuaustrieb einer Wildrose Maikäferlarve beim Fressen von Blattläusen

Damit wären wir auch schon mitten im biologischen Pflanzenschutz gelandet, denn dieser besteht aus verschiedenen Möglichkeiten der Angriffsstrategien:

  1. Der Einsatz von sogenannten Nützlingen, die auf ihrem Speiseplan genau die Tiere stehen haben, die wir als Schädlinge bezeichnen (siehe Marienkäfer und Blattläuse)
  2. Kräuterauszüge aus Wildkräutern können sehr leicht hergestellt und als biologisches Spritzmittel verwendet werden zur direkten Schädlingsbekämpfung ohne andere Pflanzen und Tiere zu schädigen beziehungsweise ohne Nachwirkungen auf den Menschen.
  3. Mechanischer Pflanzenschutz beinhaltet das klassische Absammeln oder Abspritzen der Schädlinge von dn Pflanzen, das Entfernen befallenen Pflanzenteile sowie das Aufstellen von Fallen oder Schutzmaßnahmen wie Insekten- und Vogelschutznetzen oder Schneckenzäunen.
  4. Vorbeugender Pflanzenschutz mit Hilfe von natürlichen Pflanzenstärkungsmitteln und korrektem Pflanzengebrauch. Eine gesund Pflanze, die den richtigen Standort und die richtigen Lebensbedingungen hat, wird weniger häufig von Pflanzenschädlingen heimgesucht und kann eine Attacke gegebenenfalls leichter wegstecken.

Brennesseljauche, Ackerschachtelhalmbrühe, Knoblauchtee & Co

Ich möchte mich an dieser Stelle den bewährten Hausmitteln zuwenden, die schon seit Urzeiten für die Schädlingsbekämpfung in Gärten eingesetzt wurden.
Einige Vorteile der Kräuterauszüge wurden zuvor schon genannt. Ergänzend wäre dem noch hinzuzufügen, dass diese Mittel wiklich sehr leicht herzustellen und dabei auch noch billig sind, denn in den meisten Fällen kann man die Kräuter in der Natur sammeln oder im eigenen Garten im Kräuterbeet finden. Dazu benötigt man in der Regeln nur einen 10 Liter Eimer, Wasser und etwas Arbeit und Geduld.
Folgende Grundrezepte kommen für diesen Zweck in Frage:

  • Jauche
    Eine Kräuterjauche ist ein vergorener Kräutersud aus kleingeschnittenen Pflanzenbestandteilen und Regenwasser. Am bekanntesten ist hier sicherlich die Brennesseljauche. Die Rezepturen, die man so findet variieren in den Angaben leider sehr stark und können vermutlich auch nicht so konkret genannt werden, da die einzelne Pflanze je nach Wachstumsphase unterschiedlich hohe Konzentrationen von dem benötigten Wirkstoff aufweist. Die Angaben handeln sich also um ungefähre Richtwerte. Experimentierfreude ist gefragt!
    Rezept für Brennesseljauche

    1. Sie benötigen ein Fass aus Holz oder Kunststoff, das nicht zu klein dimensioniert sein sollte. Unbedingt Metallgefäße vermeiden, da das Metall während des Gärungsprozesses mit der Jauche reagieren und ungewollte chemische Reaktionen auslösen kann. Platzieren Sie das Fass an einem möglichst sonnigen Ort. Je wärmer der Platz desto schneller ist der Gärprozess beendet.
    2. Sammeln Sie die oberirdischen Bestandteile von nicht blühenden Brennesseln und zerkleinern Sie sie grob. Man benötigt ungefähr 1 kg Frischmaterial auf 10 Liter Wasser.
    3. Die zerkleinerten Brennesseln werden in das Fass gegeben und mit Regnwasser aufgegossen, so dass möglichst ein Abstand zum Rand von einer Handbreit entsteht. Während des Gärprozesses kommt es zu Schaum- und Bläschenbildung, so dass die Flüssigkeit überlaufen könnte.
    4. Das Fass bleibt unverschlossen an einem sonnigen Ort stehen. Man kann es eventuell mit einem Drahtgitter bedecken, um zu verhindern, dass Blätter oder Insekten hineinfliegen. Für die Gärung ist Sauerstoff dringend notwendig. Deswegen sollte zusätzlich die Jauche einmal täglich umgerührt werden.
    5. Da während der Gärung immer unangenehme Gerüche entstehen, sollte man von vornherein einen Standort wählen, der einsam genug liegt, damit sich niemand belästigt fühlt. Zusätzlich kann man zur Geruchsbindung etwas Steinmehl oder Baldrinblütenextrakt auf die Oberfläche geben.
    6. Nach 1 1/2 bis 3 Wochen ist die Brennesseljauche fertig. Sie hat dann eine braune Farbe und die Brennesselbestandteile sind auf den Boden des Fasses gesunken. Außerdem findet keine Bläschenbildung mehr statt. Sie können nun das Fass mit einem Deckel verschließen. Die Jauche ist für die gesamte Gartensaison haltbar.
    7. Man sollte die Jauche vor dem Ausbringen sowohl sorgfältig durchsieben als auch unbedingt mit Wasser im Verhältnis von 1:10 verdünnen. Sie wird direkt in den Wurzelbereich gegeben. Als Spritzmittel muß die Jauche im Verhältnis 1:50 verdünnt werden und wirkt dann direkt auf Triebspitzen und Blättern gegen Blattläuse und Spinnmilben.

    Brennesseljauche dient nicht nur als Pflanzenschutzmittel, sondern eignet sich gleichzeitig hervorragend als stickstoff- und kalihaltigen Dünger, der vor allem für starkzehrende Pflanzen wie Tomaten und Kohl eingesetzt werden kann.
    Natürlich können auch andere Kräuter wie Beinwell oder Rainfarn zu Jauchen verarbeitet werden ebenso wie Knoblauch, Zwiebeln und sogar Komposterde und Tierexkremente. Vorsichtig muß man allerdings immer mit der Verdünnung sein, da zu kräftige Jauchen sowohl die Bildung von geilen Trieben fördern als auch Verbrennungen an den Pflanzen verursachen können.

  • Brühe
    Um eine Kräuterbrühe zu erhalten benötigt man ungefähr 1 kg Pflanzenteile auf 10 Liter Regenwasser. Man legt die Kräuter für 24 Stunden in der entsprechenden Menge Wasser ein und läßt sie ziehen. Nach Ablauf dieser Zeitkocht man den gesamten Sud auf und läßt ihn für eine halbe Stunde leicht sieden. Nach dem Abkühlen kann die Brühe abgesiebt und direkt verwendet werden. Auch die Brühe muß vor der Verwendung mit Regenwasser verdünnt werden.
    Typische Pflanzen aus denen Brühen hergestellt werden, sind:

    • Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense) –> Vorbeugend gegen Pilzkrankheiten. Kann auch ohne Probleme mit Brennesseljauche vermischt werden.
    • Wurm- (Dryopteris filix-mas) und Adlerfarn (Pteridium aquilinum) –> Spritzmittel gegen Schild-, Schmier- und Blutläuse.
    • Rainfarn (Tanacetum vulgare) –> Gieß- und Spritzmittel gegen Rost und Mehltau sowie gegen Blattwespen, Brombeer- und Erdbeermilben, Erdbeerblütenstecher und Himbeerkäfer.
    • Wermut (Artemisia absinthium) –>Unverdünnte Spritzungen gegen Blattläuse, Säulenrost an Johannisbeeren, Raupen, Kohlweißlinge und Ameisen.
  • Tee
    Um einen Kräutertee zu erhalten überbrühen Sie die Pflanzenteile (frisch oder getrocknet) mit kochendem Wasser und lassen Sie den Tee 10 bis 15 Minuten ziehen. Er kann dann abgeseiht und nach dem Abkühlen direkt verwendet werden.
    Am häufigsten wird sicherlich ein Zwiebel-Knoblauchtee eingesetzt, der allgemein gegen Ungeziefer und Pilze wirkt. Man verwendet für die Herstellung 75g gehacktes Frischmaterial auf 10 Liter Wasser. Beiden Bestandteilen wird eine antibiotische und und keimhemmende Wirkung nachgesagt.
  • Kaltwasserauszug
    Pflanzenteile werden für maximal 1 bis 2 Tage in kaltes Wasser eingelegt. Man siebt die festen Bestandteile danach ab und kann den Kaltwasserauszug sofort verwenden. Dieser darf auf gar keinen Fall gären.
    Bekannt ist der Tomatenblätter-Auszug, der vor allem als Spritzmittel zur Flugzeit der Kohlweißlinge bei Kohlarten zum Einsatz kommt, um die Falter von den Pflanzen abzuhalten.

Nachtrag zur Maikäferplage 2010

Nach allen schlimmsten Befürchtungen ist dies der einzige Maikäfer, den ich bisher in meinem Garten zu Gesicht bekommen habe.
Da ich aber im Frühjahr jede Menge Engerlinge beim Umgraben entdeckte, muß ich meine Befürchtungen wohl auf das nächste Jahr schieben, da sich die Larven ja bekanntermaßen erst im Herbst verpuppen und dann im darauf folgenden Frühjahr als Käfer erscheinen.

Maikäfer Maikäfer Maikäfer

In Südhessen, Baden-Württemberg und Teilen von Österreich scheint die vorhergesagte Maikäferplage jedoch trotz kalter Temperaturen in diesem Frühjahr in vollem Gange zu sein.
Tatsächlich findet man jede Menge Artikel über umstrittene Hubschraubereinsätze in Pfungstadt zur Bekämpfung der Tiere mit Insektiziden. Der verwendete Wirkstoff Dimethoat scheint nicht ausreichend getestet zu sein in Bezug auf die Auswirkungen auf andere Lebewesen des Waldes und auch den Menschen.
Wer in dieser Gegend im Wald spazieren geht, sollte vorerst wohl erstmal auf den Verzehr von Waldbeeren und Pilzen verzichten.

Da muß man doch die entspannten Maßnahmen unserer österreichischen Nachbarn ervorheben:Jeder Walgauer ist aufgerufen, die lästigen Tierchen zu sammeln und gegen Bezahlung zur Vernichtung abzuliefern.
So ein Verhalten klingt zumindest nach ökologischem Bewußtsein.
Mal abwarten, was für eine Haltung ich einnehmen werde, wenn tatsächlich die Käfer nächstes Jahr meinen Garten kahlfressen werden. Ich denke, da hilft nur:“Cool bleiben“ und auf den Johanniaustrieb warten.

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Berta Rausch am 07. Juni 2010 in Allgemein, Fauna & Flora, Schädlingsbekämpfung

Folgt der Maikäfer dieses Jahr dem Beispiel des Marienkäfers mit einer neuen Plage?

Beim Anlegen eines neuen Gartens entdeckte ich bei der Anlage eines Beetes in einer ehemaligen und total ungepflegten Rasenfläche sechs dicke Engerlinge auf eine Fläche von knapp einem Quadratmeter. So etwas war mir tatsächlich zuvor noch nie passiert und deswegen begann ich zu forschen, was es damit auf sich hat.
Zunächst einmal darf ich Ihnen den Tatbestand vorstellen:
Engerling
Herr oder auch Frau

Maikäfer
(Melolontha melolontha)

zur Zeit noch als Engerling tätig.

Mir -als geborenes Stadtkind- sind Maikäfer als real existierende Lebewesen noch kaum bekannt. Nur Max und Moritz beziehungsweise ihr Schöpfer Wilhelm Busch hatte sie mir näher gebracht. Später hinterliess der Liedtext von Reinhard Mey „Es gibt keine Maikäfer mehr“ Spuren von diesen Tieren in meiner Erinnerung. So dachte ich dann in Folge auch, dass Maikäfer eine bedrohte Tierart sind und fand sie recht putzig, wenn ich sie mal antraf, mit ihren auffälligen gefächerten Fühlern am Kopf.
Beim Herumfragen im Bekanntenkreis konnten mir die Landpommeranzen jedoch von Maikäferplagen alle vier Jahre im Mai / Juni berichten. Diese äußersten sich durch massenhaftes Herumschwirren und Niederlassen der äußerst klebrigen Tiere (mit Vorliebe in den Haaren) sowie Kahlfraß der Laubbäume.
Nun aber zu den Fakten:
Maikäfer gehören zu den Blatthornkäfern (Scarabaeidae). In Deutschland können drei unterschiedliche Arten von ihnen angetroffen werden. Am häufigsten ist der Feldmaikäfer (Melolontha melolontha), der ca. 23 mm groß wird und einen schwarzen Körper hat mit mehreren charakteristischen dreieckigen weißen Flecken in einer Reihe an den Seiten und braunen Flügeldecken.
Etwas seltener ist dann schon der Waldmaikäfer (Melolontha hippocastani), der deutlich mehr braun am Körper gezeichnet ist wie der Feldmaikäfer.
Nur noch vereinzelt in Südwestdeutschland anzutreffen ist die Sorte mit dem schönen deutschen Ersatz-Namen Glücksmaikäfer (Melolontha pectoralis), der optisch dem Feldmaikäfer sehr ähnlich ist. Für diesen Käfer gibt es nämlich nur den lateinischen Namen und keinen allgemeingültigen deutschen.
Am deutlichsten lassen sich diese drei Arten wohl tatsächlich durch die Form und Art der Behaarung ihrer Hinterleibsspitzen unterscheiden.
Der Lebenszyklus eines Maikäfers ist auch sehr interessant:
Der Käfer selbst lebt nämlich nur 5-7 Wochen. In dieser Zeit ernährt er sich mit großer Vorliebe vom frischen Laub von Buche, Ahorn, Eiche, Hainbuche und Rosskastanie. Sind diese Bäume schon leer geräubert, frißt er auch schon Mal die Nadeln von Nadelbäumen. Natürlich ist das Problem an dieser Speisekarte nicht der einzelne Käfer an sich, sondern das Auftreten in riesen Schwärmen, die schnell viele Bäume entlauben können. Dabei ist das Kahlfressen für die Bäume nicht das größte Problem, da der Käfer nur eine kurze Zeitspanne aktiv ist und die Bäume dann wieder austreiben können. Auf Grund des Zeitpunktes (Mitte bis Ende Juni) für diesen zweiten Neuaustrieb nennt man ihn auch Johannitrieb.
Neben dem Fressen ist seine Hauptaktivität in dieser Zeit natürlich die Fortpflanzung. Dabei kommt ihm zu Gute, dass der Maikäfer außerordentlich gut riechen kann mit Hilfe seiner fächerförmigen Fühler, denn das Weibchen produziert einen Duftstoff aus Blattsäften, dem das Männchen unweigerlich folgt. Deswegen haben die Männchen auch sieben Fühlerplättchen, die etwa 50.000 Geruchsnerven haben und die Weibchen nur sechs mit ca. 9000 Geruchsnerven.
Nach der Paarung legt das Weibchen ca. bis zu 30 Eier ungefähr 25 cm tief in lockeren Boden. Das Männchen stirbt und das Weibchen lebt noch ein bißchen länger, denn es kann in seiner kurzen Lebenszeit als Maikäfer bis zu drei Eiablagen machen.
Nach ca. 3-4 Wochen schlüpfen die Larven, die Engerling genannt werden und beginnen zu fressen. Dieses setzen sie die nächsten drei bis vier Jahre fort. Während sie sich anfänglich hauptsächlich von abgestorbenen Pflanzenteilen und Haarwurzeln ernähren, wächst ihr Hunger mit ihrem Lebensalter deutlich an. Letztendlich fressen sie sogar die kräftigen, dicken Wurzeln von Laubbäumen und Douglasien an und können diese dadurch so nachhaltig beschädigen, dass ganze Wälder vernichtet werden können. Der Maikäfer ist also als Larve noch viel bedrohlicher wie als Käfer. Engerlinge lieben übrigens Löwenzahnwurzeln. Dem Garten werden sie hingegen eher nicht gefährlich, außer er liegt in einem Gebiet nahe eines befallenen Waldes.
Im letzten Larvenjahr verpuppt sich der Engerling im Herbst und schlüpft bei ca. 12°C Lufttemperatur. Den Boden verlassen die fertigen Käfer ihrem Namen entsprechend Mitte bis Ende Mai. Da der Lebenszyklus meistens vier Jahre andauert, kommte es auch nur alle vier Jahre zu einem massenhaften Auftreten der Tiere verbunden mit dem entsprechenden Kahlfraß und den viel verheerenderen Fressschäden im letzten Larvenjahr zuvor.
Tatsächlich gibt es auch ein paar natürliche Feinde. Der Engerling steht auf der Speisekarte von Maulwürfen, Amseln, parasitärer Dolchwespe, Fledermäusen, Gliederfüßern (Steinkriecher), Grünspecht, Igel, Krähe, Laufkäfer mit Larven, Möwen, parasitäre Nematoden, Raupenfliege, Schmarotzerfliege, Spitzmaus, Star. Aber auch im Boden befindliche Bakterien, Nematoden, Pilze und Viren können sie gefährden.
Gebiete, die eine hohe Maulwurfpopulation aufweisen sind tatsächlich nie von Maikäferplagen heimgesucht worden. Mittlerweile gibt es vor allem in den stark betroffenen Waldgebieten Südhessens und der Oberrheinischen Tiefebene viele Versuche, der möglichst nicht invasiven Schädlingsbekämpfung. Man hat beispielsweise versuchsweise mit Neem-Azal gesprüht, einem vom Niembaum gewonnenen giftigen Wirkstoff. Das Ergebnis muß sich erst noch zeigen. Außerdem gibt es Versuche mit Pilzen, die die Populationen vermindern sollen.
Alles in allem bin ich nach wie vor nicht sehr begeistert von meinem Engerlingfund und werde den Garten weiterhin im Auge behalten, denn eventuell sind sie, der Größe nach zu urteilen, dieses Jahr im Herbst fertig zum Verpuppen und ein schöner Anblick sind sie zusätzlich auch nict gerade. Dann werde ich wohl nächstes Jahr wieder berichten.
Gespannt darf man sicherlich die nächsten Wochen die Zeitungen beobachten, ob in Hessen nun wirklich die erwartete biblische Jahrhundertplage der Maikäfer eintritt oder ob die Gegenmaßnahmen Wirkung gezeigt haben.

Katzenminze (Nepeta)
Die Staude des Jahres 2010

KatzenminzeDie Katzenminze (Nepeta in Sorten und Arten) gehört mit ihren ca. 250 Arten zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae).
Die meisten Arten sind mehrjährige, krautige Pflanzen, die eine Höhe von 20 bis 150 cm erreichen. Es gibt aber auch vereinzelt Halbsträucher und einjährige Arten. Die Wuchsform ist breit halbkugelförmig bis aufrecht buschig, einige Arten werden auch sehr ausladend und fallen auseinander.
An folgenden Merkmalen läßt sich Nepeta ganz einfach erkenne:

  • vierkantiger Stengel, der sehr oft behaart ist. Leider gibt es natürlich auch Exemplare mit kahlem Stengel.
  • die Blattstellung ist bei allen Arten kreuzgegenständig (dekussiert). Häufig sind die Blattränder gekerbt, gezähnt oder gewellt sowie behaart.
  • charakteristisch sind die kleinen blaulila Blüten, die in Scheinquirlen stehen wie es für die Familie der Lippenblütler typisch ist. Natürlich findet man deswegen auch die auffallenden fünfzähligen Lippenblütler-Blüten. Mittlerweile gibt es auch weiße, rosafarbene und gelbe Arten der Katzenminze

Standortansprüche:
Die meisten Arten der Katzenminze bevorzugen eher trockene und sonnige Standorte mit durchlässigen, kalkarmen Böden. Es gibt jedoch auch ein paar Arten, die frische bis feuchte Böden und halbschattige Standorte bevorzugen und sich gut als Unterpflanzung von lichten Gehölzen und Sträuchern eignen.
Welche Art nun welchen Standort bevorzugt, läßt sich wunderbar am äußeren Erscheinungsbild ihrer Laubblätter ablesen: Je schmaler, kleiner und behaarter die Blätter sind desto mehr Sonne verträgt die Pflanze. Die Blattfarbe wird dann wohl auch eher zu einem dumpgen graugrün tendieren. Dies sind alles Schutzmaßnahmen gegen starke Sonnenbestrahlung und die damit verbundene Gefahr der Verbrennung und übermäßigen Verdunstung von Wasser.
Nepeta-Arten mit größeren, unbehaarten Blättern mit leuchtender Färbung deuten auf einen höheren Wasserbedarf hin. Diese Pflanzen vertragen dann keine direkte Sonneneinstrahlung, sondern eben feuchte, halbschattige Standorte.
Besonderheiten und Verwendung:

  • Katzenminze gehört zu den ältesten heimischen Heilpflanzen in unseren Breiten. Schon im 1. Jahrhundert n.Chr. wird sie namendlich erwähnt. Genutz werden können grundsätzlich alle Bestandteile der Pflanze. Üblicherweise verwendet man aber nur die Blätter, die über viel ätherisches Öl verfügen und ein kampferartiges Poleiminze-Thymian-Aroma verströmen. Katzenminze wirkt kühlend und astringierend. Sie wird innerlich als Tee eingenommen bei Fieber und Grippe sowie bei Schlafstörungen in Kombination mit Melisse und Baldrian als auch bei Herzklopfen und Reizbarkeit.
    Desweiteren wirkt sie harntreibend und krampflösend, weswegen sie auch bei nervösen Verdauungsstörungen, Durchfall, Magenverstimmungen, Koliken und Menstruationsbeschwerden zum Einsatz kommt.
  • Am bekanntesten ist sicherlich die Wirkung von Katzenminze auf Katzen, der sie sicherlich auch ihren Namen verdankt.
    Nepeta enthält den Wirkstoff Actinidin, der auf Katzen äußerst belebend und anregend wirkt. Dieses führt dazu, dass so manch eine Katze sich äußerst merkwürdig benimmt und die Katzenminze nicht überlebt. Wie verrückt wälzen und reiben sich die Katzen am und im Kraut, um die Überreste dann schließlich zu vertilgen. Angeblich soll es Katzen geben, die garnicht auf die Pflanze reagieren, aber meine Katzen haben bisher kein Exemplar überleben lassen. Wenn jemand einen guten Tip hat wie man trotz Katzen Nepeta im Garten zum Wachsen bekommt, wäre ich sehr dankbar.
    Tatsächlich wird Katzenspielzeug häufig auch mit getrockneter Katzenminze gefüllt, um es für die Katze interessant zu machen. Das Actinidin ist auch beim Baldrian (Valeriana officinalis) der Grund für die Behauptung, dass Baldrian nachts Katzen singen läßt.
  • Das ätherische Öl der Katzenminze wirkt sehr gut als Mücken-Abwehr wie amerikanische Chemiker herausgefunden haben. Auch gegen Pflanzenschädlinge soll es eine gute Wirkung entfalten. Deswegen gilt die Katzenminze selber als sehr widerstandsfähige Pflanze, die selten an Pflanzenschädlingen leidet. Pflanzt man sie in Gesellschaft von Rosen, so soll sie den Blattlausbefall mindern.
  • Verpasst man der Katzenminze einen Remontierschnitt nach der ersten Blüte, so blüht sie oft sehr zügig ein zweites Mal, weswegen sie gerne im Garten gesehen ist. Verwendung findet sie dort meistens als Beeteinfassung oder als Steingartenpflanze, da sie wirklich sehr gut Trockenheit überstehen kann. Vereinzelte Sorten eignen sich wie schon zuvor erwähnt als Unterpflanzung von Sträuchern und Gehölzen sowie als Staude für schattige und feuchte Plätze.


Der Maiswurzelbohrer – Woher? Wohin?

Von Mittel- über Nordamerika, über den Balkan und schließlich über die Alpen (gern per Flugzeug) ist der Maiswurzelbohrer vor wenigen Jahren in Zentraleuropa angekommen. Gerade im ehemaligen Jugoslawien und in Italien ist er schon verhängnisvoll an der Arbeit. Die EU definiert ihn als Quarantäneschadorganismus, das heißt „shoot on sight“ und Eindämmung mit verschärften Mitteln. Seine Larven fressen die Maiswurzeln auf und lassen die Pflanzen umknicken, Ernteausfälle sind die Folge. Gerade in Monokulturen fühlen sich die Maiswurzelbohrer wohl und können sich innerhalb nur eines Jahres zum überwältigenden Todesengel im Maisfeld entwickeln.

Statt sich auf natürliche Methoden zu verlassen, wurden in der Vergangenheit chemische Waffen eingesetzt. Im Jahr 2008 starben beim chemischen Großeinsatz (Saatgutbeize) am Oberrhein abertausende Bienenvölker, dem Bohrer war’s relativ egal, ein typischer Fall von Spatzen und Kanonen (ich hab mich aber ohnehin schon immer gefragt, warum überhaupt jemand Spatzen abschießen will?). Das Bienensterben hatte indirekt natürlich auch seine Auswirkung auf die Obsternte und und und… (Gartenrausch informierte bereits über die wichtige Stellung der Biene im Kreislauf der Natur).

Dabei sind simple ökologische Maßnahmen am effektivsten: Die Fruchtfolge macht der verwöhnten Brut den Garaus, die Schweiz macht’s vor. Wenn aus den im Maisfeld gelegten Eier  die Larven im Weizenfeld schlüpfen verhungern sie aufgrund ihrer verwöhnten Zuckerschnuten. Dummerweise wird Mais nobel von der EU gefördert, Fruchtwechsler sind die Dummen der Subventionsolympiade.

Wenig überraschend sind die Verschwörungstheorien, die rund um den Maiswurzelbohrer gewickelt werden. Er öffne bzw. erweitere den Markt für Pflanzenschutzmittelhersteller, für Agrar-/Chemiekonzerne und Gentechnikfirmen. Steht der Käfer im Dienst der Steigerung der Akzeptanz gentechnikveränderter Pflanzen? Oder ist er einfach nur aus Dummheit und Unachtsamkeit eingeschleppt worden? Business- oder Holzklasse – Das ist die Frage, die zählt.

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Gotthilf Rausch am 01. September 2009 in Schädlingsbekämpfung

Im Garten starten die Pilze dieses Jahr zum Großangriff

Bedingt durch die ungewöhnlich vielen und starken Regenfälle in diesem Frühsommer kombiniert mit den angenehmen, warmen Temperaturen ensteht vielerorts in Deutschland schon seit einigen Wochen ein feucht-warmes Klima. Ideale Vorraussetzungen für das Wachsen und Gedeihen von üppigen Pilzkulturen. Dies mag paradiesische Ernten für den passionierten Pilze-Sammler versprechen – dem Hobbygärtner beschert es jedoch das große Fürchten vor dem Großangriff der Pilzkulturen im Garten


sommerblumen
Sommerblume

Welche Gefahren drohen also bei dieser Witterung?

Man sollte seine Feinde kennen, um dann strategisch korrekt reagieren zu können und um im Endeffekt zu den richtigen Waffen zu greifen.

Daher nun eine kurze Auflistung, der Plagen, die dieses Klima lieben:

  1. Die Kraut- und Knollenfäule beziehungsweise Braunfäule befällt in erster Linie Kartoffeln und Tomaten. Der unterschiedliche Name bezieht sich dann jeweils auf das Schadbild, das dieser Pilz (Phytophthora infestans) jeweils hervorruft. Bei Tomaten zeigen sich zunächst braune Flecken auf dem Laub. Infolge dessen rollen sich die Blätter ein, trocknen und sterben ab. Auch die Stengel und Früchte werden infiziert. Tomaten erhalten zunächst gelbe Flecken, die sich später braun färben, einsinken und meistens noch an der Pflanze zu faulen anfangen. Spätstens jedoch ein paar Tage nach der Ernte.Das Schadbild bei Kartoffeln ist ähnlich: Die Blattränder färben sich braun und beginnen zu faulen. Das Blatt trocknet bei größerer Ausbreitung und stirbt ab. Ähnliches ist an den Stengln zu beobachten. Auch die Knollen werden angegriffen und entwickeln dadurch eingesunkene, bleigraue Flecken, unter denen sich das Speichergewebe rötlichbraun verfärbt. Diese trockenen Stellen sind hervorragende Eintrittspforten für weitere Fäulniserreger, die der Kartoffel dann entgültig den garaus bereiten.
  2. Grauschimmelpilze erkennt man sehr deutlich an dem grauen Schimmel auf Blättern und auch anderen Pflanzenteilen. Er schädigt vor allem Erdbeeren, Trauben, Tomaten,Gurken, Salat und Bohnen. Ursache für dieses unschöne Erscheinungsbild ist der Botrytis-Pilz, der bei entsprechenden klimatischen Bedingungen die Schwachstellen der Pflanzen belagert und sich dort ausbreitet.
  3. Echter- und Falscher Mehltau geht nicht auf einen Pilz zurück, sondern auf unterschiedliche jeweils auf einzelne Pflanzen spezialisierte Pilze, die allerdings ein ähnliches Schadbild hervorrufen. Echter Mehltau überzieht die Blattoberseiten und auch andere Pflanzenteile mit einem weißen Belag. Er ist der Pilz, der sich eher bei schöner Wetterlage ausbreitet. Dahingegen ist der Falsche Mehltau der Pilzbefall, der vor allem bei feucht-warmem Klima auftritt. Diese Pilze befallen eher die Blattunterseiten mit weißem Belag und rufen auf den Blattoberseiten gelblich, bräunlich oder auch rötlich verfärbte Flecken hervor. Insgesamt schädigt der Falsche Mehltau die Pflanzen nachhaltiger.

Welche Maßnahmen kann man gegen Pilzbefall ergreifen?

Grundsätzlich sind einige wichtige Richtlinien für einen gesunden Garten zu beachten, um den Pflanzen möglichst optimale Lebensbedingungen zu schaffen. Ein gesunder und kräftiger Pflanzenbestand bietet wenig Angriffsfläche für Pilze. Dieses läßt sich erreichen durch die Beachtung der Boden- und Klimaverhältnisse. Nicht jede Pflanze kann überall gut leben. Einige vertragen keinen Wind, andere keine lange Trockenperiode, etc.. Sowohl Nährstoffmangel wie auch -überschuss schwächen eine Pflanze genauso wie Umweltschadstoffe in Luft, Wasser und Boden. Diese Faktoren lassen sich leider häufig nicht so einfach beeinflussen. Genauso wichtig sind aber richtige Pflanzabstände, richtiges gießen und düngen, Einsatz von Mischkulturen und immer wieder der Versuch, ein ökologisches Gleichgewicht im Garten herzustellen und zu erhalten.

Speziell bei Pilzbefall gilt es möglichst alle befallenen Pflanzenteile zu entfernen und zu vernichten. Wenn möglich resistentes Saatgut verwenden. Beim Gießen darauf achten, nicht von oben auf die Pflanze zu gießen, sondern ganz gezielt im Wurzelbereich. Zu viel Stickstoffdüngung vermeiden.

Ergänzend gibt es natürlich die ein oder anderen biologischen Mittel, die man sowohl vorbeugend zur Pflanzenstärkung als auch im Notfall zur Bekämpfung von Pilzbefall einsetzen kann:

  • Zur Pflanzenstärkung regelmäßig mit Schachtelhalmbrühe oder Knoblauchtee spritzen. Die Blätter mit Steinmehl bestäuben. Blattstärkende Mittel spritzen wie beispielsweise Brennessel-Brühe oder Algen-Extrakte.
  • Bei Kraut- und Braunfäule möglichst Kartoffeln und Tomaten so weit wie möglich von einander entfernt Pflanzen, da der Wind die Pilzsporen von den Kartoffeln zu den Tomaten trägt und diese dadurch infiziert. Tomaten unbedingt vor Nässe von oben schützen durch Überdachung oder Anpflanzung im Gewächshaus statt im Freiland. Vorbeugend regelmäßig mit Magermilch besprühen sowie bei Befall mit Schachtelhalmbrühe oder Knoblauchtee. Wichtigste Maßnahme: Alle befallenen Pflanzenteile vernichten! Gleiches gilt für Kartoffeln
  • Gegen Grauschimmel helfen die allgemeinen Empfehlungen. Unbedingt zu beachten sind die richtigen Standorte für die Pflanzen sowie gute Belüftung.
  • Auch bei Echtem- und Falschem Mehltau gelten die zuvor genannten allgemeinen Empfehlungen. Außerdem gibt es von der Firma Schacht ein neues Sortiment an biologischen Spritzmitteln, das sehr zu empfehlen ist.

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All die Pflanzenbrühen und -jauchen lassen sich hervorragend selber herstellen, indem man die entsprechenden Pflanzen dafür sammelt und sie jeweils mit Wasser ansetzt oder überbrüht. Wer keinen Zugang zum Sammeln oder gar Selberherstellen hat, dem seien die beiden Firmen Schacht und Ludwig Engelhart genannt, die über ein sehr umfangreiches Sortiment an Kräutern und fertigen Lösungen verfügen. Sehr zu empfehlen ist z.B. der Ackerschachtelhalm Extrakt weiterlesen »

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Berta Rausch am 14. Juli 2009 in Gartenarbeit, Schädlingsbekämpfung