Archiv der Kategorie ‘Jahreszeiten‘

Pflanzen winterfest machen

Spätestens wenn der jährlich einsetzende erste Frost das endgültige Ende des Gartenjahres einläutet, stellt sich für Gärtner die Frage wie die mehrjährigen Lieblinge über den Winter zu bringen sind. Bei nicht heimischen Zier- oder Nutzgewächsen genügen oftmals schon geringe Fröste um die Pflanzen irreversible zu schädigen. Dies betrifft Blumen, manche Sträucher und Kräuterpflanzen gleichermassen. Pauschal ist dies jedoch nicht zu sagen, manche südeuropäischen Kübelpflanzen haben mit leichten bis mittelschweren Frösten keinerlei Probleme.

Beleuchtung zur Überwinterung

Vor allem Anfänger meinen oft, daß es genügt die Clematis oder den Hibiskus einfach vor niedrigen Temperaturen zu schützen. Dies ist zwar das Hauptanliegen bei der Überwinterung, jedoch sollte auf alle Fälle für ausreichend Beleuchtung (welche Lichtfarbe und wieviel Lumen läßt sich leider nicht generell sagen, dies ist von Gewächs zu Gewächs unterschiedlich) gesorgt werden. Spezielle Liebhabergewächse aus den Tropen (wie z.B Orchideen) benötigen aufwendige Beleuchtungsanlagen, um diese erfolgreich über den Winter zu bringen.
Ganz anders sieht es bei Pflanzen aus, die im Winter ihr Blattwerk verlieren. Hier kann auf Lichtversorgung bzw. Beleuchtung verzichtet werden und trocken und dunkel gelagert werden.

Dämmung der Wurzeln

Bei Pflanzen, die zwar mit zusätzliche Wärme versorgt werden müssen, bei denen aber die Versorgung mit zumindest Sonnenlicht unumgänglich ist, werden zumeist am Wurzelwerk mit Jutefasen oder Leinstoff gedämmt. Am besten sorgt man für ein bischen zusätzlicher organischer Dämmung mit Laub oder Moosen. Auf Kunststoffe wie Folien sollte in der Regel besser verzichtet werden, vor allem dann wenn diese die Sauerstoffzufuhr komplett abriegeln.

Regelmäßig auf Schädlingsbefall prüfen

Neben dem Selbstverständlichen Gießen sollten die winterfest gemachten Pflanzen natürlich auch in regelmäßigen Abständen auf
Schädlingsbefall hin geprüft werden. Besonders Milben machen in den Wintermonaten den Pflanzen schwer zu schaffen und sorgen für so manche Infektionen an Pflanzen und Stauden.

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Gotthilf Rausch am 29. September 2016 in Jahreszeiten, Pflanzenzucht, Wetter

Schwendtage – von der Haselnuss und alten Römern.

Schon mal etwas von den Schwendtagen gehört? Der Begriff bedeutet zusammengefasst soviel wie „verlorenen, verschwendeter Tag“. An solchen Tagen – das wußten schon die Römer (die Alten, nicht die Angestellten im Frankfurter Rathaus) – läßt man besser alles von Wichtigkeit bleiben. Keine Geldgeschäfte, keine Reisen, niemanden heiraten und z.B Operationen besser auf andere Tage verschieben. Sonst geht das angeblich alles schief. Die Öme hatten dafür die netten Begriff „dies atri“ (schwarzer Tag) oder nannten ihn in Ihrer Arroganz auch gerne „ägyptischer Tag“.

Die deutsche Bezeichung Schwendtage kommt hingegen eher aus dem süddeutschen Raum und leitet sich aus dem mittelhochdeutschen Begriff „Swende“ ab, was solche Nettigkeiten wie Vernichtung und Verbannung bedeutet, aber auch – und jetzt wird es für Gärtner interessant – „gerodetes Land“ bedeuten kann.

Schwendtage sind über das ganze Jahr verteilt. Jeder Monat – außer dem Dezember – besitzt eine Handvoll davon. Eine besondere Häufung tritt jedoch im September auf, der eine ganze Reihe dieser Vernichtungstage aufweisen kann.

  • Januar: 2/ 3/ 4/ 18
  • Februar: 3/ 6/ 8/ 16
  • März: 13/ 14/ 15/ 29
  • April: 19
  • Mai: 3/ 10/ 22/ 25
  • Juni: 17/ 30
  • Juli: 19/ 22/ 28
  • August: 1/ 17/ 21/ 22/ 29
  • September: 21/ 22/ 23/ 24/ 25/ 26/ 27/ 28
  • Oktober: 3/ 6/ 11
  • November: 12

schwendtage im garten;
Volksglauben hin, Esoterik her – in den letzten Jahrhunderten haben Landwirte und Landschaftgärtner darauf geschworen, daß Rodungen und Zuschnitte an genau diesen Tage besonders effektiv sein sollen. Klar, in diesem Fall ist es halt ein schwarzer Tag für die betroffenen Bäume und Sträucher. Die Haselnuss z.B zeigt nach einer Kürzung an solchen Tagen deutlich weniger Neigung sofort wieder
loszutreiben und zu entferndendes Wurzelwerk – wer das schon mal gemacht hat, weiß welche Arbeit das ist – läßt sich deutlich leichter aus dem Boden lösen.

Ob da was dran ist? Einbildung oder verborgenes Wissen? Ehrlich gesagt keine Ahnung … in ca. einer Woche kann man das alles ausprobieren.

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Gotthilf Rausch am 15. September 2016 in Brauchtum & Rituale, Fauna & Flora, Gartenarbeit, Jahreszeiten

Stauden teilen – Wann, welche und wie ?

Stauden gehören zu unseren liebsten Pflanzen im Garten, da sie pflegeleicht und anspruchslos sind und uns trotzdem mit üppiger, abwechslungsreicher und farbenfroher Blütenpracht erfreuen.
Damit diese Fülle an Blüten auch über Jahre immer wiederkehrt, müssen Stauden alle paar Jahre geteilt werden, um sie zu verjüngen und ihre Kräfte zu erhalten.
PfingstroseAns das Teilen einer Staude sollte man immer dann denken, wenn ihre Blütekraft nachlässt, sie von innen her verkahlt oder wenn sie sich so stark ausbreitet, dass sie andere benachbarte Pflanzen überwuchert.
Ein weiterer Grund für die Teilung von Stauden kann selbstverständlich auch der Wunsch nach neuen vermehrten Pflanzen dieser speziellen Art sein.
Wie fast immer gibt es für das teilen von Stauden nicht eine einheitliche Regel, denn nicht alle Stauden müssen regelmäßig zum selben Zeitpunkt geteilt werden.
HerbstasternManche Arten brauchen diese Pflegemaßnahme wirklich regelmäßig alle 3-5 Jahre, andere erst nach 10-15 Jahren, manche brauchen sie garnicht und andere wiederum dürfen nicht geteilt werden. Deswegen finden Sie am Ende des Artikels eine Auflistung der gängigsten Staudenartenarten mit ihren entsprechenden Verjüngungsbedürfnissen.

Allgemeine Faustregeln wann welche Staude geteilt wird

  1. Stauden, die im Frühjahr blühen, werden nach der Blüte im Herbst geteilt, da sie für die Blüte alle Reserven verbrauchen und so genügend Zeit haben, neue anzulegen.
  2. Stauden, die im Sommer und Herbst blühen werden im nächsten Frühjahr vor dem ersten Austrieb geteilt. Dieser Zeitpunkt fällt meistens in den März.
  3. Stauden, die Pfahlwurzeln ausbilden, werden garnicht geteilt.


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Gotthilf Rausch am 29. Oktober 2012 in Allgemein, Fauna & Flora, Gartenarbeit, Jahreszeiten

Alle Jahre wieder…
– Weihnachtsstern, Weihnachtskaktus
& Ritterstern (Amaryllis)

Weihnachten ist eine festliche Zeit voller Brauchtum und Traditionen. Von Land zu Land und Region zu Region wechseln diese Traditionen deutlich. Mittlerweile kann man jedoch weltweit bestimmte Pflanzenarten antreffen, die „traditionell“ für die Weihnachtsdekoration verwendet werden. Gemeint sind Rittersterne (Amaryllis), Weihnachtssterne (Poinsetttien) und Weihnachtskakteen. Diese Pflanzen blühen im Winter ungefähr um die Zeit von Weihnachten und beeindrucken durch äußerst prachtvolle Blüten, die entweder durch ihre Farbgebung, die Größe und Form oder auch durch die Menge der Blüten überzeugen.

Weihnachtsstern Ritterstern-Amaryllis Weihnachtskaktus
Ritterstern-Amaryllis Weihnachtskaktus Weihnachtsstern

Alle drei Pflanzenarten sind allerdings nicht sehr traditionell, da keine von ihnen bei uns heimisch wächst. Dies erklärt sich natürlich eigentlich von selbst durch die Blütezeit im Winter. Es handelt sich durchweg um Pflanzen aus Mittel- und Südamerika, die ihren Eroberungsfeldzug als Weihnachtspflanzen erst Mitte des letzten Jahrhunderts antraten.
Heute kann man sich das europäische Weihnachten ohne sie garnicht mehr vorstellen. Damit Sie viel Freude an Ihren Pflanzen für das Fest und durchaus auch noch eine lange Zeit danach, finden Sie nun im Folgenden die passenden Pflanzenportraits mit wichtigen Pflege-Tips:

Ritterstern (Hippeastrum-Hybride)

Amaryllis

  • Pflanzensteckbrief
    • Herkunft: Rittersterne stammen aus den Trockenzonen in Südamerika. Sie gehören zur Familie der Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae) und wurden lange Zeit mit dem Namen Amaryllis bezeichnet. Dieser ist jedoch nicht korrekt, da er nur Pflanzen meint, die aus Südafrika stammen. Dennoch ist der Name Amaryllis für den Ritterstern bei uns weitau mehr verbreitet wie der korrekte Name.
    • Wuchs: Der Ritterstern gehört zu den Geophyten. Wie die meisten Zwiebelpflanzen braucht er eine Ruhephase, die in die Zeit von August bis Dezember fällt. Die Pflanze eignet sich hervorragend als Topfpflanze und wird im Durchschnitt ca. 45 cm hoch.
    • Blätter: Die Blätter bilden sich erst nach der Blüte zum Frühjahrsanfang. Sie sind je nach Sorte hell bis kräftig grün und werden ebenfalls ca. 45 cm lang. Ihre Form ist länglich lineal.
    • Blüte: Die Blüten bilden sich nach 6-8 Wochen nach Ende der Ruhephase im Dezember bis Februar. Aus Der Zwiebel erscheint ein hohler, ca. 45 cm langer Blütenschaft, der 3-4 große Blüten hervorbringt. Bei kräftigen, großen und gesunden Blumenzwiebeln können die Einzelblüten einen Durchmesser von bis zu 20 cm erreichen und blühen für ungefähr zwei Wochen. Nach dem ersten Blütenschaft folgt etwas später meistens noch ein zweiter. Die klassische Farbe der Blüten ist kräftig rot. Es gibt aber mittlerweile eine riesige Auswahl unterschiedlichster Hybrid-Sorten mit Blütenvarianten von strahlend weiß über zart rosa bis dunkelrot, gestreift, gepunktet und mehrfarbig. Die Blüten gibt es in einfachen und gefüllten Varianten.

  • Standort: Rittersterne brauchen einen sonnigen Standort. Die Zwiebeln brauchen nicht viel Platz. normalerweise reicht es vollkommen aus, wenn um die Zwiebel herum noch ca. 2 cm Platz sind bis zum Topfrand.
    Zwiebelpflanzen bevorzugen es trocken und reagieren auf Staunässe äußerst empfindlich mit Schimmelbefall und Fäulnis. Der Topf sollte deswegen unbedingt Drainagelöcher haben. Eine ganz normale, lockere Blumenerde ist vollkommen ausreichend.
  • Pflege: Normalerweise kauft man entweder die reine trockene Zwiebel oder aber die antreibende Zwiebel fertig gepflanzt im Topf. Pflanzt man die Zwiebel selber so darf sie nicht zu tief gepflanzt werden. Nur maximal die Hälfte der Zwiebel verschwindet in der Erde, der Rest muss unbedingt oberhalb der Erdoberfläche herausragen. Diese Maßnahme lässt die Zwiebel schneller abtrocknen und schützt vor zuviel Nässe. Nach dem Pflanzen einmal gut angießen und dann am besten das Gießen vergessen bis der erste Blütenschaft ca. 20 cm hoch gewachsen ist. Gießt man in dieser Zeit zu viel, so bildet sich manchmal garnicht oder erst sehr verzögert der ersehnte Blütenschaft. Erst dann wird die Erde ständig feucht gehalten und einmal wöchentlich darf mit einem Pflanzendünger gedüngt werden.

    Möchte man im nächsten Jahr wieder einen blühenden Ritterstern haben, so muss dieser nach der Blüte unbedingt gut weitergepflegt werden. Bis zum August ist er nämlich in der Wachstumsphase und füllt seine Reserven wieder auf für die nächste Ruhe- und Blütephase. Weiterhin mäßig, aber regelmäßig gießen und einmal wöchentlich düngen. Da nur noch Blätter wachsen, kann man ihn getrost ab Ende Mai in den Garten pflanzen an einen Platz an dem er nicht stört und trotzdem ausreichend Licht bekommt.

    In unseren Breiten muss im August die notwendige Ruhephase künstlich eingeleitet werden. Stellen Sie hierfür das Gießen komplett ein und stellen sie die Zwiebel an einen dunklen und kühlen Ort. Temperaturen um +10°C wären die optimale Umgebung. Die Zwiebel zieht nun ihre Blätter ein und hält eine dreimonatige Ruhe ein. Rechtzeitig im Dezember kann man den Topf wieder hervorholen, gegebenenfalls die Zwiebel in neue Erde setzen, bei Zimmertemperatur an einen hellen Platz stellen, einmalig angießen und auf die wunderschöne Blüte warten.

  • Vermehrung: Wenn man einen Ritterstern länger wie eine Blühphase behält, so kann man irgendwann mit der Bildung von kleinen Brutzwiebeln rechnen. Diese erkennt man daran, dass neben der Zwiebel Blätter aus der Erde herauswachsen. Nach der folgenden Ruhephase kann man die Zwiebelchen von der Mutterzwiebel abtrennen und in einen eigenen kleinen Topf pflanzen. Allerdings kann es 3-4 Jahre dauern bis aus den Brutzwiebeln blühfähige Zwiebeln geworden sind. Die heranwachsenden Brutzwiebeln brauchen keine Ruhephase. Sie werden wie die großen durchgehend gepflegt bis sich das erste Mal ein Blütenschaft bildet.

Weihnachtskaktus (Schlumbergera)

Weihnachtskaktus

  • Pflanzensteckbrief
    • Herkunft: Der Weihnachtskaktus stammt ursprünglich aus der Mata Atlântica, dem atlantischen tropischen Regenwald im Osten Brasiliens. Die ursprüngliche Form ist als Zimmerpflanze kaum noch zu finden. Im Handel werden durchweg Kreuzungen und Hybriden angeboten mit besobderen Blütenfarben und -formen.
    • Wuchs: Der Weihnachtskaktus gehört zur Familie der Kakteengewächse (Cactaceae). Er wächst strauchartig überhängend, bildet viele charakteristische Triebe aus den flachen Blattsegmenten und ist sehr anspruchslos.
    • Blätter: Dunkelgrüne Triebsegmente, die scheinbar eines aus dem anderen wachsen und wie eine Gliederkette wirken.
    • Blüte: In der Zeit von November bis Februar kann der Weihnachtskaktus eine Fülle beeindruckender Blüten hervorbringen. Die häufigste Blütenfarbe ist knallig pink bis zart blassrosa. Es gibt jedoch auch Varianten mit roten, orangen, gelben und weißen Blüten. Diese sind röhrenartig geformt. Die Blütenblätter liegen schuppenartig um diese Blütenröhre herum. Sehr charakteristisch sind die langen Staubblätter, die weit aus der Blüte herausragen und sie zu einem sehr zarten und filigranen Gebilde machen.

  • Standort:Pflanzen dieser Art mögen sonnige bis halbschattige Standorte bei Temperaturen über +10°C. Direkte Sonne ist ihnen jedoch meistens zu viel. Die Blätter verfärben sich dann rötlich. Im Sommer können die Pflanzen gerne an einen geeigneten Platz auf Balkon oder Terrasse umziehen. Als Kaktusgewächs bevorzugt der Weihnachtskaktus mageren und durchlässigen Boden. Sehr empfehlenswert ist die Verwendung von guter Kakteenerde aus dem Fachhandel.
  • Pflege:Schlumbergera sind sehr pflegeleicht und damit auch durchaus geeignet für Menschen ohne grünen Daumen. Das wichtigste ist der zuvor beschriebene richtige Standort und sparsames Gießen. Der Weihnachtskaktus verträgt keine Staunässe. Gießen Sie ihn deswegen immer dann durchdringend, wenn die Erde abgetrocknet ist und er wird wunderbar wachsen und gedeihen. Nach der Blütephase, wenn sich die neuen Blätter bilden, darf einmal monatlich mit einem Kakteendünger gedüngt werden.
    Bevor der Kaktus wieder blüht, benötigt er eine Ruhephase von ca. sechs Wochen. Stellen Sie Ihn also ab Mitte September an einen kühleren und ruhig schattigen Ort und reduzieren sie das Gießen auf ein absolutes Minimum (schlückchenweise). Erst wenn sich die Blütenknospen zeigen, darf langsam wieder mehr gegossen werden und die Pflanze zieht wieder an einen helleren und sonnigeren Ort um.
  • Vermehrung: Am leichtesten ist die Vermehrung des Weihnachtskaktus mit Blattstecklingen. Schneiden Sie dafür kleine Triebstücke mit 2-3 Blattsegmenten ab und stecken Sie diese 1-3 cm tief in Kakteenerde. Angießen und eventuell die ersten Tage mit einem Gefrierbeutel abdecken, um die Luftfeuchtigkeit für die Pflanze zu erhöhen. Nur gießen, wenn die Erde abgetrocknet ist. Schon bald bilden sich neue Blätter, wenn die Wurzelbildung gut funktioniert hat.

Weihnachtsstern (Euphorbia pulcherrima)

  • Pflanzensteckbrief
    • Herkunft: Der Weihnachtsstern ist eine Pflanze der tropischen Laubwälder Mittel- und Südamerikas und gehört zur Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae). Mittlerweile ist seine Verbreitung jedoch weltweit fortgeschritten. Große Populationen finden sich zusätzlich in Afrika, Asien, und Australien.
      Alexander von Humboldt brachte den Weihnachtsstern 1804 mit nach Europa. Die Vermarktung zur heute an Weihnachten in Massen verkauften Pflanze fand jedoch erst Anfang des 20. Jahrhunderts statt durch deutsche Auswanderer in Kalifornien. Seit dem ist der Weihnachtsstern zu einem festen Bestandteil der weihnachtlichen Dekoration geworden. Ihn zu Ehren gibt es in den USA sogar den „Poinsettia Day“ am 12. 12. jeden Jahres, an dem man sich gegenseitig mit dieser Pflanze beglückt.
    • Wuchs: Weihnachtssterne wachsen inihrer Heimat als immergrüner Strauch, der tatsächlich Höhen von bis zu 4 m erreichen kann. Wir hier kenen die Pflanzen eher als kleine bis mittelgroße Topfpflanze, die auch als kleiner Hochstamm gezogen werden kann.
    • Blätter: Die Blätter sind lang gestielt (ca. 8 cm<), länglich oval, je nach Sorte leicht gezahnt mit einer dunkelgrünen Ober- und einer helleren Unterseite. Was viele fälschlicherweise für die Blüte halten, sind in Wahrheit farbigen Hochblätter (Brakteen), die sich sternenförmig um die eigentlichen Blüten anordnen. Diese Hochblätter können leuchtend rot über rosa nach weiß sämtliche Schattierungen aufweisen und auch panachiert sein./li>
    • Blüte: In der Blütezeit von November bis Februar bildet die Pflanze sogenannte Cyathien aus. Darunter versteht man einfachste eingeschlechtliche Blüten, die in diesem Fall ganz unscheinbar grün gelb gefärbt sind und sich in der Mitte des Sterns aus Hüllblättern befinden. Ein Tip: Das Vorhandensein der Blüten weist auf eine junge, frische Blüte hin. Mit fortgeschrittener Alterung wirft die Pflanze diese Blüten ab. Achten Sie darauf beim Kauf einer Pflanze.

  • Standort: Je wärmer der Standort desto heller sollte er sein. Andernfalls reagiert der Weihnachtsstern mit dem Abwerfen der Blätter. Der Standort sollte also gleichmäßig warm bei ca.+20°C, hell und ohne Zugluft sein. Auf Kältereize reagiert die Pflanze ebenfalls sehr empfindlich mit dem gleichen Symptom und kann innerhalb weniger Tage völlig kahl dastehen. Achten Sie deshalb auch unbedingt auf einen guten Kälteschutz beim Transport und meiden sie beim Kauf Pflanzen, die im zugigen Eingangsbereich eines Ladens stehen.
  • Pflege:Auf Grund der großen Blätter, verdunstet die Pflanze sehr viel Wasser und benötigt auch sehr viel Nachschub. Dennoch verträgt sie überhaupt keine Staunässe. Gießen Sie Ihren Weihnachtsstern daher lieber öfters, aber immer erst dann, wenn die Erde oberflächlich getrocknet ist. Entfernen Sie nach ein paar Minuten dann unbedingt das überschüssige Gießwasser aus Übertopf oder Pflanzenuntersetzer.
    Nicht während der Blühphase düngen. Erst nach Bendung der Blüte mit einem handelsüblichen Zimmerpflanzendünger einmal monatlich düngen.
    Weihnachtssterne gehören zu den Kuztagespflanzen. Möchte man sie im nächsten Jahr wieder zum Blühen bringen, so gelingt dies nur, wenn die Pflanze ab Oktober täglich für 12 Stunden absoluter Dunkelheit ohne Störlicht ausgesetzt werden. Die einfachste Möglichkeit wäre das Abdecken der Pflanzen mit einem Karton oder das Einstellen in einen geschlossenen Schrank von beispielsweise 18 bis 8 Uhr. Diese Prozedur muss für 6-8 Wochen durchgehalten werden, dann beginnt der Weihnachtsstern wieder mit der Blütebildung rechtzeitig zu Weihnachten.
    Im Frühjahr regt ein kräftiger Rückschnitt einen buschigen Neuaustrieb an.
  • Vermehrung:Auch bei dieser Pflanze bietet sich die Stecklingsvermehrung an. Nutzen Sie doch die geschnittenen Triebspitzen vom Rückschnitt und pflanzen Sie diese in gut durchlässige Erde (Blumenerde und Sand im Verhältnis 2:1 mischen). Entfernen Sie zuvor alle Blätter bis auf drei, um die Verdunstung zu minimieren. Empfehlenswert ist für die ersten Wochen die Abdeckung der Stecklinge mit einem Gefrierbeutel aus dem gleichen Grund. Stecken Sie ruhig mehrere Stecklinge in einen Topf, denn so entsteht relativ schnell eine schöne buschige neu Pflanze.

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Gotthilf Rausch am 22. Dezember 2011 in Allgemein, Fauna & Flora, Giftige Pflanzen, Jahreszeiten

Beeren-Rausch für alle Naschkatzen im Sommer-Garten

Um gleich falschen Vorstellungen vorzubeugen, eine kurze Erklärung zum Begriff „Beerenrausch“.
Gemeint ist hier nicht der Bärenrausch, den man unweigerlich zu spüren bekommt, wenn man zu viel vom vergorenen Beerensaft genascht hat, sondern das rauschartige Gefühl der Freude, das einem beim morgendlichen Rundgang durch den sommerlichen Garten überfällt, weil an jeder Ecke und in jeder Niesche kleine reife Beeren darauf warten, den Gaumen zu kitzeln.

Brombeere Erdbeeren Johannisbeeren Himbeeren

In meinem Fall wandert ein Großteil dieser Köstlichkeiten sofort an Ort und Stelle von der Hand in den Mund. Ein bessereres Frühstück kann ich mir im Sommer garnicht vorstellen.
Das Großartige an diesen kleinen Früchten mit dem riesigen Geschmackspotential ist ihre Vielseitigkeit. Es gibt Pflanzenarten in den verschiedensten Größen mit den unterschiedlichsten Boden- und Lichtansprüchen, so dass für jede Art von Garten etwas dabei sein sollte.
…und sogar auf dem Balkon ist das Anlegen eines kleinen Naschgartens möglich.
Das Wort Beere ist allerdings ein Begriff, der hier zunächst geklärt werden sollte, denn unter Beeren versteht man umgangssprachlich häufig andere Früchte, die per Definition eigentlich nicht zu den Beeren gehören.

Was versteht man unter einer Beere?

Eine Beere ist eine Frucht die man an folgenden Merkmalen erkennt:

  1. Eine Beere enthält in ihrem Inneren mehrere Samen
  2. Diese Samen sind von einer fleischigen Fruchtwand mit saftiger Innenschicht umschlossen und geschützt.
  3. Eine Beere entsteht aus einem Fruchtknoten und ist häufig von runder Form und kräftiger Farbe.
  4. Beeren gehören zu den Schließfrüchten.
  5. Ist die Außenschicht der Fruchtwand hart, wie etwa beim Kürbis oder bei Gurken, so spricht man auch von einer Panzerbeere.
  6. Sehr selten gibt es sogenannte Sammelbeeren, die dann entstehen, wenn eine Blüte mehrere Fruchtknoten hat, aus denen jeweils eine Beere entsteht.

Beachtet man diese Merkmale, dann gehören folgende Früchte zu den Beeren:

  • Johannisbeeren
  • Stachelbeeren
  • Weintrauben
  • Kiwis
  • Zitronen
  • Orangen
  • Melonen
  • Datteln
  • Papayas
  • Tomaten
  • Gurken
  • Kürbisse
  • Paprikas
  • Auberginen
  • Bananen

Erstaunlicherweise ist die Auswahl an tatsächlichen Beeren für den Naschgarten garnicht so groß.
In Wahrheit sind es nur die schwarzen, roten und weißen Johannisbeeren, die Stachelbeeren, Weintrauben und natürlich auch die Tomaten, denn die meisten zuckersüßen, kleinen Cocktailtomaten schaffen bei mir ebenfalls den Weg in die Küche nur selten.
In meinem Garten wächst natürlich noch so manch eine andere Frucht, die ich zum Beeren-Rausch dazu zählen würde.

Welche Pflanzenarten eignen sich für einen Nasch-Garten?

Klassischerweise denkt man zu allererst an Erdbeeren, Himbeeren, Heidelbeeren und Brombeeren. Diese Früchte wachsen über eine relativ lange Periode und sind vor allem besonders süss und aromatisch, so dass sie ohne weitere Verarbeitung und Behandlung schmecken. Auch Stachelbeeren und Johannisbeeren passen noch in diese Gruppe, obwohl sie oftmals etwas saurer ausfallen und deswegen oft nicht so bevorzugt werden, wenn es genügend Früchte aus der ersten Gruppe im Angebot gibt.
In den letzten Jahre sind jede Menge neue Beeren auf dem Markt erschienen. Es handelt sich dabei häufig um neue Kreuzungen, wiederentdeckte alte Sorten beziehungsweise neu importierte Pflanzen, die in den meisten Fällen im asiatischen Raum beheimatet sind und auch in unserem Klima leben können.
Im Folgende finden Sie eine genauere Kurzbeschreibung sämtlicher „Beeren“, die für einen Naschgarten interessant sein könnten:

Aronia / Apfelbeere (Aronia melanocarpa)

  • Früchte:
  • Pflanzzeit:
  • Erntezeit:
  • Standort:
  • Pflege:

Brombeere (Rubus fruticosus)

  • Früchte: Die blauschwarzen Früchte sind botanisch gesehen keine Beeren, sondern Sammelsteinfrüchte.
  • Pflanzzeit: März-April
  • Erntezeit: frühestens ab Juli bis zum Frost
  • Standort: Brombeeren lieben windgeschützte, warme und sonnige Standorte. Sie gehören zu den Kletterpflanzen und benötigen als Spreizklimmer eine einfache Kletterhilfe. Gut geeignet sind Mauern, Zäune oder auch einfache Spaliere an der Hauswand.
    Brombeeren bevorzugen lockere, humose und feuchte Böden. Lieber zu sandig wie zu schwer und nass.
  • Pflege: Blüten und Früchte bilden sich an den Seitentrieben im 2.Jahr. Nach der Fruchtbildung sterben diese Ruten ab und können im Frühjahr bodennah abgeschnitten werden. Da die Pflanze sehr wüchsig ist und zur Gestrüppbildung neigt, sollte man im Frühjahr einen Rückschnitt vornehmen und die neuen Ruten gleich durch Anbinden leiten.
    Im Frühjahr düngen mit chloridfreien Volldünger sowie gut verrottetem Stallmist. Gerne auch regelmäßig mit Brennessel- oder Beinwelljauche gießen.

Cranberry / Großfruchtige Moosbeere (Vaccinium macrocarpon)

  • Früchte: 2 cm kleine, hellrote bis tiefdunkelrote, runde Beeren mit rotem bis schwarzem Fruchtfleisch und essbaren Kernen. Cranberries können roh gegessen werden. Sie werden allerdings meistens weiterverarbeitet, da sie ein herb-sauren Geschmack haben, dem ein bißchen zusätzliche Süße nicht schadet.
  • Pflanzzeit:
  • Erntezeit: September-Oktober
  • Standort:
  • Pflege:

Erdbeeren

  • Früchte: 2-5 cm große, leuchtend rote bis dunkelrote Sammelnussfrüchte
  • Pflanzzeit: Neupflanzungen von Gartenerdbeeren sind am besten Ende Juli bis Ende August. Die Pflanzen haben dann noch genügend Zeit zum Anwachsen und zur Blütenbildung, so dass sie im nächsten Jahr schon Früchte tragen. Monats- und Walderdbeeren wollen lieber im Frühjahr gepflanzt werden.
  • Erntezeit: Die Haupternte ist im Juni/Juli. Bis zum Oktober gibt es dann noch weitere Früchte von den Monatserdbeeren, die dauerhaft tragen.
  • Standort: Da Erdbeeren ursprünglich im Wald vorkamen, bevorzugen auch unsere Gartenerdbeeren durchlässige, tiefgründige, humus- und nährstoffreiche, schach saure Böden. Die Beete sollten schon ca. zwei Monate vor der Pflanzung gut gelockert und mit reifem Kompost versetzt werden.
  • Pflege: Die Pflanzen bringen für ca. 4 Jahre reiche ernten am gleichen Standort. Danach sollten neue Pflanzen an neuem Standort gestzt werden. Erdbeeren sind spätfrostgefährdet. Decken sie die Pflanzen bei drohender Gefahr mit einem Frühbeetvlies ab.
    Während der Blütenneuanlage und der Fruchtbildung mögen die Pflanzen es gerne feucht. Zur Fruchtreife sollte weniger gewässert werden, um das Aroma zu verbessern und die Beeren vor Fäulnis zu schützen. Aus gleichem Grunde sollten die Pflanzen ab beginn der Fruchtbildung eine Mulchdecke erhalten aus Stroh, Holzwolle oder fester Pappe. Diese bewahrt die Früchte ebenfalls vor Fäulnis und vor Verschmutzung. Gedüngt wird nach der Ernte mit speziellem Dünger, Kompost oder Gesteinsmehl.

Goji-Beere

  • Früchte:
  • Pflanzzeit:
  • Erntezeit:
  • Standort:
  • Pflege:

Heidelbeeren

  • Früchte: Abgeplattet runde Beeren, ca. 1 cm groß, von blauschwarzer Farbe. Im reifen Zustand sind die Beeren blaugrau bereift.
  • Pflanzzeit: Im Herbst
  • Erntezeit: Juli-September
  • Standort: Heidelbeeren lieben einen warmen, vollsonnigen und windgeschützten Standort. Stehende Hitze vertragen sie jedoch nicht. Da es sich um Heidekrautgewächse handelt, benötigen sie einen sauren, humosen, gut durchlässigen und belüfteten Boden. Der pH-Wert sollte möglichst zwischen 4,0 und 5,0 liegen. Gegebenenfalls sollte die Erde im Heidelbeerbeet entsprechend präpariert werden durch Anreicherungen mit gewaschenem Sand, Torf, Rindenmulch, Sägespänen oder Holzhäcksel von Nadelbäumen. Natürlich geht auch eine fertige Rhododendronerde.
  • Pflege: Gießen Sie die Pflanzen regelmäßig mit Regenwasser., denn das kalkhaltige Leitungswasser wird nicht gut vertragen. Heidelbeeren benötigen eine regelmäßige gute Wasserversorgung ohne Staunässe. Um dieses zu erreichen und um den Boden sauer zu halten, empfiehlt sich das Mulchen mit Sägespänen oder Sägemehl sowie mit Rindenmulch aus Nadelbäumen.
    Gedüngt werden kann im Frühjahr mit kalkfreiem speziellen Heidelbeer- und Rhododendrondünger aus dem Fachhandel. Auf gar keinen Fall mit Mist oder Kompost düngen. Bei einem Übermaß an Kalk stellen die Pflanzen das Wachstum ein und die Blätter verfärben sich gelb.
    Im Spätwinter ist ein Auslichtungsschnitt sinnvoll. Entfernen Sie alte 4-5jährige Triebe und zu schwache nach innen wachsende, so dass ca. 6-8 kräftige triebe übrig bleiben.

Himbeeren

  • Früchte: Rundliche bis kegelförmige, länglich walzenförmige Sammelsteinfrüchte in rot, rosa und gelb
  • Pflanzzeit: Im Frühjahr oder Herbst. Da Himbeeren Flachwurzler sind, sollen sie nicht tiefer gepflanzt werden wie sie im Topf waren. Die grundständigen Triebknospen sollen also auf keinen Fall tiefer wie 5 cm in der Erde sein. Kürzen Sie die Haupttriebe auf ca. 20-30 cm ein und entfernen sie alle Seitentriebe, damit die Pflanze ihre Kraft erstmal in die Wurzeln steckt.
  • Erntezeit: Je nach Sorte ab Juni bis zum Frost.
  • Standort: Tiefgründiger, humoser, lockerer und feuchter Boden (pH 5,5-6,0). Keine Staunässe. Himbeeren bevorzugen sonnige und windgeschützte Standorte, kommen aber auch mit Halbschatten zurecht.
  • Pflege:

Honigbeere

  • Früchte:
  • Pflanzzeit:
  • Erntezeit:
  • Standort:
  • Pflege:

Japanische Weinbeere

  • Früchte:
  • Pflanzzeit:
  • Erntezeit:
  • Standort:
  • Pflege:

Jochelbeere

  • Früchte:
  • Pflanzzeit:
  • Erntezeit:
  • Standort:
  • Pflege:

Johannisbeeren

  • Früchte:
  • Pflanzzeit:
  • Erntezeit:
  • Standort:
  • Pflege:

Jujube / Chinesische Dattel

  • Früchte:
  • Pflanzzeit:
  • Erntezeit:
  • Standort:
  • Pflege:

Lenzbeere / Maibeere

  • Früchte:
  • Pflanzzeit:
  • Erntezeit:
  • Standort:
  • Pflege:

Preiselbeere

  • Früchte:
  • Pflanzzeit:
  • Erntezeit:
  • Standort:
  • Pflege:

Stachelbeeren

  • Früchte:
  • Pflanzzeit:
  • Erntezeit:
  • Standort:
  • Pflege:

Tayberry

  • Früchte:
  • Pflanzzeit:
  • Erntezeit:
  • Standort:
  • Pflege:

Wu-wei-zi / Chinesische Fitnessbeere

  • Früchte:
  • Pflanzzeit:
  • Erntezeit:
  • Standort:
  • Pflege:

Die Uhr des Gärtners hat eine andere Zeit – der phänologische Kalender

Frühlings-Proklamation
Hier in der Oberpfalz wird es dieses Jahr wiedermal besonders sichtbar, dass man sich als Gärtner nicht auf den üblichen Datumskalender verlassen kann, wenn es um den Beginn der Jahreszeiten geht.
Bekanntermaßen beginnt der Frühling ja offiziell am 21. März. Die Nächte sind jetzt Anfang März zwar noch frostig, aber die Tage werden länger und die Sonne gewinnt täglich an Kraft. Bei diesem Wetter kann mich auf jeden Fall nichts mehr drinnen halten und sowohl gefühlsmäßig als auch bestätigt durch einen Blick nach draußen in meinen Garten, muss ich verkünden:“Der Frühling ist da!“
Zufällig weiß ich vom letzten Jahr, dass genau um diese Zeit gut 50 cm Schneedecke den Garten bedeckte und von blühenden Pflanzen weit und breit noch nichts zu sehen war. Der kalendarische Frühlingsbeginn, der sich nach astronomischen und meteorologischen Begebenheiten richtet, ist also keine sinnvolle Zeitangabe, wenn es darum geht, wann man mit welchen Arbeiten im Garten beginnen sollte.
Für die Bauern gilt natürlich genau das gleiche Problem. Deswegen haben diese schon vor Jahrhunderten begonnen, die Natur zu beobachten, um festzustellen, welche Pflanzen einen sicheren Hinweis darauf geben, dass sich eine Jahreszeit ändert. Dies kann der Blühbeginn der ersten Frühlingsblüher sein, die Blüte von Obstbäumen oder der Laubabwurf bestimmter Gehölze.
Aus solchen
Beobachtungen entstand ein neuer flexibler Kalender, der von Region zu Region sehr unterschiedlich ausfallen kann auf Grund des dort vorherrschenden Klimas. Mit Hilfe von ganz gezielt ausgewählten Pflanzen, die einheitlich fast flächendeckend in Deutschland vorkommen, lassen sich jeweils für den eigenen Wohnort ganz einfach die Jahreszeiten bestimmen nach dem eben beschriebenen „phänologischen Kalender“.
Die Phänologie ist die Lehre von den natürlichen Erscheinungen (griech. „mir erscheint“) und erfasst jährlich periodisch wiederkehrende Entwicklungserscheinungen in der Natur, die vor allem alle Pflanzen betreffen, aber auch bestimmte Phänomene der Tierwelt mit einschließen wie beispielsweise die erste Biene oder der erste Schmetterling des Jahres.
Die Einteilung der Jahreszeiten erfolgt sehr viel feiner und detaillierter, so dass man nicht nur Frühling, Sommer, Herbst und Winter unterscheidet, sondern diese nochmals in einzelne Phasen trennt, so dass letztendlich zehn Jahreszeiten entstehen.

Die 10 phänologischen Jahreszeiten

  1. Schneeglöckchen

    Vorfrühling

    :Zeigerpflanze: Beginnt mit dem Blübeginn von Hasel, Schneeglöckchen und Schwarzerle, endet mit dem Blühbeginn von der Salweide
    Es blühen u.a.: Winter-Jasmin, Winterling, Huflattich, Lerchensporn und Seidelbast
    Tierwelt: Amseln bauen Nester, Stare kehren zurück, Maulwürfe produzieren erste Maulwurfshügel, Grasfrösche beginnen zu laichen
    Gartenarbeit: Gehölze pflanzen und schneiden


  2. Forsythie

    Erstfrühling

    :Zeigerpflanze: Blühbeginn Forsythie und Blattentfaltung der Stachel- und Johannisbeere
    Es blühen u.a.: Salweide (Kätzchen!), Schlehe, Anemone, Primel, Sumpfdotterblume, Kirsche, Pflaume, Birne und Ahorn
    Tierwelt: Schwalben kehren zurück, Rotschwanz brütet, Kröten wandern, Insekten erscheinen
    Gartenarbeit: Aussaat von Wildblumen, Bodenschlamm aus Teich entfernen, Nisthilfen für Insekten


  3. Apfelblüte

    Vollfrühling

    :Zeigerpflanze: Blühbeginn von Apfel und Flieder und Blattentfaltung bei der Stiel-Eiche
    Es blühen u.a.: Eberesche, Weißdorn, Rosskastanie, Löwenzahn, Maiglöckchen
    Tierwelt: Der Kuckuck ruft. Bilche erwachen, Maikäfer fliegen
    Gartenarbeit: Stauden pflanzen, sommerliche Zwiebelblumen setzen, Blumenwiese anlegen, Wildkräuter ernten


  4. Holunderblüte

    Frühsommer

    :Zeigerpflanze: Blühbegin des Schwarzen Holunders, der Robinie und vieler Gräser (Beginn der Heuschnupfen-Zeit!)
    Es blühen u.a.: Wildrosen, Pappel, Weißdorn, Wald-Geißbart und Türkischer Mohn
    Tierwelt: die erste Brut vieler Singvögel wird flügge. Grillen beginnen zu zirpen
    Gartenarbeit: jäten, Stauden teilen und vermehren


  5. Schwarze Johannisbeere

    Hochsommer

    :Zeigerpflanze: Blühbeginn von Sommer- und Winterlinde, Reife von Johannisbeere und Winterroggen
    Es blühen u.a.: Wegwarte, Kartoffeln und verschiedene Doldenblütler
    Tierwelt:Glühwürmchen flíegen, Frösche quaken, Maulwürfe werden noch aktiver (Jungtiere!)
    Gartenarbeit: Johannisbeeren, Erdbeeren und erste Himbeeren ernten, bei Trockenheit gießen, Unkraut jäten


  6. Vogelbeere

    Spätsommer

    :Zeigerpflanze: Fruchtreife von Eberesche und frühen Apfelsorten, Blütebeginn von Heidekraut und Herbst-Anemone
    Es blühen u.a.:
    Tierwelt: Es fliegen vermehrt Libellen und Stechmücken
    Gartenarbeit: Magerwiese ein einziges Mal mähen, Wildfrüchte und frühes Obst ernten


  7. Holunderbeeren

    Frühherbst

    :Zeigerpflanze: Blütebeginn der Herbst-Zeitlose, Fruchtreife von Schwarzem Holunder und Hasel
    Es blühen u.a.: Heidekraut
    Tierwelt:
    Gartenarbeit: Zwiebeln und Knollen fürs Frühjahr pflanzen, Birnen, Zwetschen und Holunderbeeren ernten


  8. Herbstlaub

    Vollherbst

    :Zeigerpflanze: Fruchtreife von Stiel-Eiche und Rosskastanie
    Es blühen u.a.: nur noch wenige Blüten, statt dessen beginnt sich das Laub bunt zu verfärben
    Tierwelt: Altweibersommer; Stare ziehen davon
    Gartenarbeit: Hecken- und Gehölzschnitt, weitere Blumenzwiebeln pflanzen. Kaltkeimer aussäen, Spätkartoffeln, Rüben, Quitten, Walnuss und Äpfel ernten


  9. Eichenlaub

    Spätherbst

    :Zeigerpflanze: Blattverfärbung bei Stieleiche und Rosskastanie und
    Es blühen u.a.: fast alle Pflanzen werfen ihr Laub ab
    Tierwelt: Eichhörnchen sammeln Vorräte, Igel suchen einen Platz zum Überwintern
    Gartenarbeit: Gehölze pflanzen, Laub und Algen aus dem Teich fischen, Nistkästen säubern


  10. Baum im Winter

    Winter

    :Zeigerpflanze: Auflaufen des Winterweizens
    Es blühen u.a.:Blüte von Christrose, Schneeheide. Ansonsten herrscht weitestgehend Vegetationsruhe. Der phänologische Winter geht ungefähr von Ende November/Anfang Dezember bis Mitte/Ende Februar.
    Tierwelt: Man bekommt nur noch heimische Vogelarten und Wintergäste auf der Durchreise zu Gesicht.
    Gartenarbeit: Gehölzschnitt (nicht bei Frost!), Teich bei Eisdecke belüften, bei starken Schneefall eventuell die Zweige von Gehölzen entlasten


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Berta Rausch am 08. März 2011 in Allgemein, Fauna & Flora, Jahreszeiten, Wetter

Gartengestaltung:
Wie vom Profi, aber selbst gemacht

Der Winter ist die beste Jahreszeit, um die Planung für einen neuen Garten in Angriff zu nehmen oder um den vorhandenen Garten zu überdenken. Da der Garten sich natürlicherweise immer weiter entwickelt durch das fortschreitende Wachstum der Pflanzen, kann man ihn als einen ewig andauernden Prozess betrachten, in den die Hand des Gärtners immer wieder gestalterisch eingreift.
Auch wenn ein Garten schon seid vielen Jahren existiert, so wird man immer wieder Stellen finden, die man verändern oder verbessern möchte, denn der Garten ist und bleibt ein Kulturgut des Menschen, dass immer wieder neuen Einflüssen und Bedürfnissen ausgesetzt ist und sich dadurch beständig weiterentwickelt.

Zunächst eine Definition des Begriffs: Garten

Traditionell bezeichnet das Wort Garten ein zum Schutz mit einem Zaun oder einer Mauer umfriedetes Stück Land, das für die Kultivierung von Nutz- und Zierpflanzen verwendet wird. Ursprünglich diente der Garten ausschließlich dem Zweck der Ernährung der Familie und war damit ein reiner Nutzgarten, in dem man Gemüse, Obst, Beeren und Kräuter vorfand.
Kensington GardensMit der kulturgeschichtlichen Entwicklung des Menschen veränderte sich zunehmend auch das Bild des Gartens. Der Garten erfüllte dann auch andere Funktionen wie Ort der Repräsentation und der Erholung. Mit der Entdeckerlust enstanden zunehmend botanische Gärten, in denen exotische Pflanzen aus der ganzen Welt gesammelt und gezüchtet wurden. Je nach dem wie das Verhältnis des Menschen zu der Natur gesehen wurde, so entwickelten sich auch neue Gärten.
Heute kennt man vor allem den privaten Hausgarten, botanische Gärten und Parkanlagen, sowie Themengärten, die sich einer bestimmten Pflanzenart widmen (z.B. der Rosengarten) einer bestimmten Stilrichtung (z.B. der barocke Garten) einer Landschaft (z.B. alpine Garten) oder einem künstlerischen, religiösem, spirituellem oder auch therapeutischem Aspekt (z.B.Zen-Garten, Feng-Shui-Garten).
All diese Möglichkeiten können im eigenen Garten genutzt werden. Wer die Wahl hat, hat die Qual. Leider, oder zum Glück, lassen sich aber nicht alle Ideen immer überall umsetzen. Wenn man also seinen eigenen Garten planen möchte, so sollte man erstmal mit einer Bestandsaufnahme beginnen.



Mit Zirkel, Bleistift und Lineal zum neuen Garten

Gartenplan
  1. Nehmen Sie einen Grundriss von Ihrem Haus mit Grundstück zur Hand. Desweiteren benötigen Sie Transparentpapier, Bleistift, farbige Stifte, Lineal, Zirkel und ein Geodreieck. Legen Sie einen Bogen des Transparentpapiers auf den Plan zeichnen sie die Grundstückslinie und den Umriss des Gebäudes einmal durch. Nun haben Sie einen Plan, auf dem Sie Ihre Bestandsaufnahme einzeichnen können. Zur Bestandsaufnahme gehören bereits vorhandene Baulichkeiten wie Zufahrt, Terrasse, Wege, Gartenhaus, Gewächshaus, etc. und schon vorhandene Bepflanzung.
    All diese Elemente sollten maßstabsgerecht eingezeichnet werden. Häufig sind Grundstückspläne im Maßstab 1:100. Dies bedeutet 1 cm auf dem Papier entspricht 100 cm in der Wirklichkeit. Eine Terasse, die tatsächlich 2 x 4 m misst, wird auf dem Papier ein Rechteck von 2 x 4 cm. Zeichnen Sie alle Baulichkeiten mit ihren umrissen ein. Bäume oder Sträucher werden durch einen Kreis dargestellt mit einem Punkt in der Mitte für den Stamm. Hat die Krone eines Apfelbaums einen Durchmesser von 4 Metern, so zeichnet man den Kreis mit einem Durchmesser von 4 cm.
  2. Die Lage des Gartens und der darin befindlichen Elemente zur Himmelsrichtung ist ganz entscheidend wichtig für die Beurteilung der Lichtverhältnisse, der Windeinflüsse und des Kleinklimas. Zusammen mit dem tatsächlichen Klima des Ortes, der Bodenqualität und der Geländeneigung sind dies die wichtigsten Aspekte, die darüber entscheiden werden, welche Bepflanzung und Gartenbereiche an welcher Stelle sinnvoll sind.
    Am besten erstellt man sich einfach von Hand ein paar kleine Diagramme zu diesen Themen. Hierfür legt man wiederum einen Bogen Transparentpapier über seine Bestandsaufnahme und zeichnet darauf von Hand zum Beispiel den Schattenwurf des Gebäudes und der Bestandspflanzen sowie vom Nachbarhaus (wenn vorhanden) mit Hilfe einer farbigen Schraffur. Besonders aussagekräftig wird so eine Zeichnung, wenn man einmal den Schattenwurf zeichnet wie er morgends fällt, dann mi einer anderen Farbe den Schattenwurf mittags und mit einer dritten Farbe den Schattenwurf am Abend. Dadurch erhält man einen sehr guten Überblick darüber, an welchen Orten viel Schatten und viel Sonne zu erwarten sein wird.
    Ähnliche Zeichnungen kann man zum Thema Wind, Lärm, Temperatur, etc. anfertigen.
  3. Nun beginnt der schöne Teil: Erstellen Sie eine Liste all der Elemente, die Sie sich für Ihren Garten wünschen. Gemeint sind Dinge wie Sitzplatz unterm Baum, Schaukel, Kinderspielplatz, Rosenbogen, Obstbäume, Sichtschutzhecke, Blumenbeet, Gemüsebeet, Obstbäume, Ziersträucher, Kompostplatz, Wege, Gartenteich, Feuerstelle, Grillplatz, etc. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Zunächst einmal dürfen Sie so richtig schwelgen. Oftmals hilft hierbei das Durchblättern von schönen Gartenbüchern und Gartenmagazinen, um den Ideen auf die Sprünge zu helfen.
    Die Ernüchterung folgt auf dem Fuß, denn als nächstes müssen Sie jeden einzelnen Punkt auf Ihrer Liste auf seine Umsetzbarkeit überprüfen. Überlegen Sie genau, ob die Lichtverhältnisse in Ihrem Garten geeignet sind. Rosen, viele mediterrane Kräuter, Gemüsebeet oder ein Gartenteich braucht auf jeden Fall viel Sonne. Desweiteren ist zu bedenken wieviel Pflege Sie später für den Erhalt Ihres Gartens investieren wollen. Blumen- und Gemüsebeete sind sehr pflegeintensiv. Geschnittene Hecken und große Rasenflächen ebenso. Gartenteich und Ziersträucher brauchen dagegen weniger Pflege. Streichen Sie in Ihrer Liste, was nicht möglich erscheint.
  4. Jetzt darf entworfen werden. Nehmen Sie sich wieder ihren Bestandsplan zur Hand und legen Sie los. Zunächst sollte mit Bleistift gezeichnet werden. Später können Sie dem ganzen Bild mit Farbe Leben einhauchen. Man muss für einen Entwurfsplan kein großer Künstler sein, denn es gibt ganz einfache Symbole, die für Hecken, Rasenflächen, Bäume, Strächer, Beete, Wasserfläche, etc stehen und die man auch mit einem Mangel an künstlerischer Begabung durchaus zustande bringt. Achten Sie nur wieder auf den Maßstab.
    Manchmal ist es leichter, sich die Elemente aus buntem Papier auszuschneiden, damit man sie auf dem Plan ganz einfach hin und herschieben kann, um den richtigen Platz zu finden. Am besten beginnt man mit den baulichen Elementen wie Terrasse, Sitzplatz, Wege. Dann beschäftigt man sich mit der Grenzgestaltung. Möglich sind da Zäune, Mauern, Sichtschutzwände sowie Hecken und Wälle. Zu beachten sind in dem Bereich die richtigen Abstände und Höhen zu den Nachbarn. Diese können durch einen Bebauungs- und Grünordnungsplan extra geregelt sein. Für Mauern muß eine Baugenehmigung beantragt werden. Dann folgen Rasenflächen, Bepflanzung für die sonnigen Bereiche sowie Bäume und Sträucher.
    Abschließend sollte unbedingt noch einmal auf einem gesonderten Blatt der Schattenwurf von Bäumen, Sträuchern und Hecken überprüft werden.
    Gartenlegende Gartenlegende
    Gartenlegende Gartenlegende
  5. Steht der endgültige Entwurf, so kann man abschließend den Verlauf von Wasser- und Elektroleitungen festlegen. Gerade für die Gartenbewässerung sollte hier noch einmal gründlich überlegt und nicht gespart werden. Behalten Sie eventuell auch mögliche Änderungen im Auge, die in den folgenden Jahren anstehen könnten. Werden die Kinder größer, so wird eine große Rasenfläche unnötig. Als Umgestaltung bietet sich dann besonders der Gartenteich an. der sicherlich beleuchtet werden soll.
  6. Wenn die grobe Planung fertig ist, geht es an die Feinheiten: Die Auswahl der Pflanzen.
    Viele Aspekte spielen hier eine Rolle. Wie sind natürlich die Lichtverhältnisse und der Boden? Soll ein bestimmtes Thema verwendet werden wie der Bauerngarten, ein blauer, weißer, roter oder bunter Garten? Heimische oder exotische Pflanzen?
    Wie so oft gilt auch hier das Motto: Weniger ist meistens mehr. Man pflanzt nicht das endgültige Bild, das man im Kopf hat, denn Pflanzen wachsen nun einmal und brauchen in den ersten Jahren Platz zum Entfalten. Lassen Sie sich Zeit und legen Sie erstmal die wichtigsten Elemente fest. Es ist immer Schade, wenn man nach wenigen Jahren pflanzen entfernen muss, weil Sie sich gegenseitig zu stark Konkurrenz machen.

Bis zum Frühjahr ist auf jeden Fall noch genügend Zeit, um Ideen zu entwickeln und die Umsetzung vorzubereiten. Möglicherweise kann nicht alles selbst gebaut werden, doch wenn man die richtige Vorarbeit geleistet hat, dann weiß man, was man wirklich will und kann dann gezielt in Verhandlung treten mit dem Landschaftsgärtner, der die Ideen umsetzen soll.

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Berta Rausch am 03. Januar 2011 in Allgemein, Gartengestaltung, Jahreszeiten

Zweige als Orakel für Wünsche & Liebe, die Andreas-Zweige

weiße BlütenSehr ähnlich wie die Barabarazweige im Advent funktionieren auch die sogenannten Andreaszweige.
Diese gehen zurück auf einen alten Brauch, der im Zusammenhang steht mit dem heiligen St. Andreas. Der kirchliche Gedenktag für den Heiligen ist in jedem Jahr der 30. November.
Bringen wir mal etwas Licht in die Hintergründe zu diesem Brauch:

Wer war der Heilige Andreas ?

St. Andreas war einer der zwölf Apostel. Zusammen mit seinem noch berühmteren Bruder Simon Petrus reihten sich die beiden Fischer am See Gennesaret in die Schar der Jünger Jesu ein. Andreas war wohl tatsächlich erst ein Anhänger von Johannes dem Täufer und wurde der erste Jünger von Jesus. Er war wohl anwesend im Kreise der Zwölf beim Abendmahl in Jerusalem, bei der Himmelfahrt und an Pfingsten. Ansonsten wird er nicht erwähnt. Erst nach der Auferstehung Christi übernimmt er eine sehr wichtige Rolle bei der Verbreitung des christlichen Glaubens. Laut Überlieferung predigte Andreas den christlichen Glauben in Epirus, Kappadokien, Skythien, Thrazien, Makedonien und Achaia sowie angeblich sogar in Ostanatolien und in Georgien.
Während dieser Reisen vollbrachte er so manche Wunder, Heilungen und Erweckungen. Sein letztes Wunder war wohl die Heilung von Maximilla, der Frau des Statthalters von Patras und bekehrte sie zum Christentum. Der Statthalter selbst ließ sich jedoch nicht überzeugen und verurteilte Andreas statt dessen zu Folter und einem langsamen Tod. Man kreuzigte den Apostel an einem X-förmigen Kreuz, dem nach ihm benannten Andreas-Kreuz, das wir heutzutage an jedem Bahnübergang zu Gesicht bekommen. Nach zwei qualvollen Tagen, die der Heilige predigend am Kreuz hängend verbrachte, starb er am 30. November 60 (?) in Griechenland. Der Statthalter selbst verfiel in Folge seiner Tat dem Wahnsinn und starb ebenfalls.
St. Andreas ist als Heiliger also nicht nur bedeutend für die römisch-katholische Kirche, sondern wird auch ganz besonders verehrt in der orthodoxen Kirche. Er gilt als Schutzpatron der Fischer und Fischhändler, Bergleute, Seiler, Metzger und Wasserträger; für Ehevermittlung, Eheglück und Kindersegen; gegen Gicht, Halsweh, Krämpfe und Rotlauf („Andreaskrankheit“). Desweiteren ist er der Schutzpatron von Russland, Schottland, Spanien, Griechenland, Sizilien, Niederösterreich, Burgund und der Achaia in Griechenland; von Neapel, Ravenna, Brescia, Amalfi, Mantua, Bordeaux, Brügge und Patras. All diese Länder und Städte stehen in Zusammenhang mit seiner Wanderschaft oder mit Reliquien, die auf unterschiedlichste Art und Weise an diese Orte gelangten.
Aus diesen Geschichten und Legenden entstanden über die Jahrhunderte natürlich viele Bräuche und Rituale, die vor allem in der sogenannten Andreasnacht (der Nacht zum 30. November) zur Anwendung kommen und die durchaus von Interesse sind für Gärtner und Pflanzenfreunde.

Das Brauchtum der Andreasnacht:

Die Andreasnacht gehört zu den Losnächten genauso wie die Wintersonnenwende am 20./21.12 und Sylvester am 31.12./01.01. sowie noch einige andere Nächte. Solche Nächte sind besonders dafür geeignet, die Zukunft vorauszusagen. Das Wort Los kommt in diesem Fall von dem deutschen Wort losen mit der Bedeutung vorhersagen, prophezeien.
Die Bräuche der Johannisnacht haben in den meisten Fällen mit einem Orakel zu tun, welches einem Mädchen den zukünftigen Ehemann prophezeit.
Folgende Orakel sind da bekannt:

  • Die logischste Variante: Das Mädchen trinkt vor dem zu Bett Gehen zwei Becher Wein und wird dann von ihrem zukünftigen Ehemann träumen.
  • Die einfachste Variante: Das heiratswillige Mädchen schaut in dieser Nacht in den Spiegel und kann darin den zukünftigen Ehemann sehen.
  • Die merkwürdigen Varianten:
    1.) Das Mädchen zieht um Mitternacht aus einem Holzstapel schweigend einen Holzscheit heraus. Ist dieser gerade, so bekommt es einen jungen und starken Ehemann. Wählt es jedoch einen krummen Holzscheit, so wird auch der Ehemann krumm und alt.
    2.) Das Mädchen wirft seinen linken Pantoffel über die Schulter in Richtung der Tür. Wenn der Schuh mit der Spitze zur Tür zeigt, so wird das Mädchen innerhalb eines Jahres heiraten.
    3.)Das Mädchen muss von einer Witwe beiderseits schweigend einen Apfel geschenkt bekommen, dessen eine Hälfte sie vor und die andere nach Mitternacht ißt. Alsdann wird sie von ihrem zukünftigen Ehemann träumen.

Bräuche dieser Art lassen sich noch endlos hinzufügen, da sie oft regional voneinander abweichen. Bekannt ist in dem Zusammenhang vielerorts auch noch das Andreasgebet, eine Art Heiratsbeschwörung, die gesprochen wird. Anschließend soll sich der oder die zukünftige im Spiegel oder im Feuerschein zeigen, denn nicht nur die Mädchen benutzten die wertvolle Vorausschau in dieser Nacht.
Abgesehen von den Heiratsorakeln gibt es den schönen Brauch der Andreasreiser:
Man schneidet am Andreastag um 6, 9 oder 12 Uhr Zweige von sechs oder neun verschiedenen Bäumen oder Sträuchern. Während dieser Arbeit darf nicht gesprochen werden und niemand sollte einen dabei beobachten. Wählen Sie drei der Zweige aus und umwinden Sie diese jeweils mit einem farbigen Band. Alle Zweige kommen zusammen in eine Vase. Die drei bebänderten Zweige symbolisieren jeweils einen Wunsch. Wenn die entsprechenden Zweige an Weihnachten blühen, dann geht der Wunsch im nächsten Jahr in Erfüllung.
In manchen Regionen laufen Kinder am Andreastag von Tür zu Tür, sagen einen Spruch auf und erhalten dafür eine Süßigkeit ähnlich wie mancherorts an Halloween oder an Sylvester das Rummelpott-Laufen.
Zum Schluss noch ein Hinweis zum Bauern-Kalender, denn auch die Bauern nutzten den Andreastag zur Vorausschau auf das kommende Wetter und die daraus resultierende Ernte mit folgenden Bauernregeln:

  • „Schau in der Andreasnacht, / was für Gesicht das Wetter macht:
    So wie es ausschaut, glaub’s fürwahr, / bringt’s gutes oder schlechtes Jahr.“

  • „Hält St.Andrä den Schnee zurück, / so schenkt er reiches Saatenglück.“

  • „Wirft herab Andreas Schnee, / tut’s dem Korn und Weizen weh.“

  • „Andreasschnee / tut den Saaten weh.“


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Berta Rausch am 15. November 2010 in Allgemein, Brauchtum & Rituale, Jahreszeiten, Wetter