Faszination: weiß
Der Winter naht, man erwartet morgens schon langsam den Blick auf weiß überzuckerte Landschaft und mir geistert nichts anderes durch den Kopf wie die Faszination der Farbe weiß in der Natur und natürlich damit auch im eigenen Garten.
Die erste Assoziation zum weißen Garten wird bei Gartenfreunden und -kennern wohl immer der berühmte weiße Garten der Schriftstellerin Vita Sackville-West in Sissinghurst Castle sein, der diesen Begriff im europäischen Kulturraum pägte und bis heute inspiriert. Doch ist der weiße Garten wirklich eine Erfindung dieser passionierten Gärtnerin?
Wohl kaum.
Schaut man sich die Gartenkultur in anderen alten Kulturlandschaften an, so findet man in Indien und Persien weit früher großartige weiße Gärten.
Der Reiz eines rein weiß blühenden Gartens geht auf drei sehr unterschiedliche Ursachen zurück:
Weiße Blüten entwickeln eine faszinierende Leuchtkraft in mondbeschienenen Nächten. Besonders in Vollmondnächten entsteht durch die Reflektion des Lichts eine ganz besondere magische Atmosphäre, die wohl auch Mrs. Sackville-West in ihren Bann gezogen hatte. Sie bezeichnete ihren weißen Garten selbst als blassen Garten. Mit diesem Begriff erklärt sie indirekt, warum vor ihr keiner in Europa auf die Idee eines weißen Gartens kam. Weiße Blüten wurden nämlich bis dahin nur als Beiwerk zu anderen Farben eingesetzt, um diese in Ihrer Wirkung zu unterstützen. Niemand kam auf die Idee, welch zarte, reine und sehr klare Ausstrahlung aus der Kombination von weiß und grün in allen Abstufungen entstehen könnte. Erstaunlicherweise lehnten selbst die imressionistischen Maler weiß als Farbe ab, obwohl sie sich intensiv mit den vielfältigen Spielarten des Lichts auseinandersetzten. Weiß galt dennoch als “Nichtfarbe”. Dabei besteht weißes Licht bekannterweise aus allen Farbspektren des Lichts zusammen. Vielleicht lässt es sich deswegen so wunderbar mit jeder anderen Farbe kombinieren?
Fazit: Ein besonderer Reiz eines weißen Gartens ist sein Erscheinungsbild in der Nacht.Weiße Blüten werden bei der Nahrungssuche von Insekten schwerer gefunden wie ihre andersfarbigen Kolleginnen. Aus diesem Grund entwickeln weiße Blüten oft sehr betörende Düfte, um dennoch in der Welt der Insekten konkurrieren zu können. Ein weißer Garten kann also ein ganz besonderer Garten der Düfte werden. Auch hier ist der Reiz wiederum besonders in der Nacht, denkt man an den schweren Duft von weißem Jasmin oder Ziertabak, der erst in der Dunkelheit zur vollen Entfaltung gelangt. Bei der Anlage eines weißen Gartens, sollte man diesen Aspekt auf gar keinem Fall aus dem Auge verlieren und die Pflanzenauswahl darauf abstimmen.
Der letzte Aspekt eines weißen Gartens liegt in der symbolischen und philosophischen Bedeutung der Farbe Weiß. In den meisten großen Religionen ist weiß die Farbe der Götter. Sie symbolisiert Reinheit, Frieden und Weisheit. Tatsächlich hat weiß ja oft genau diese Wirkung auf den Menschen, egal, ob es sich um die Gestaltung von Kleidung, Gebäuden, Räumen oder eben Gärten handelt. Ein weißer Garten lädt zum Verweilen ein. Er befreit den Kopf von lässtigen Gedanken und bietet ihm die Freiheit und Klarheit zum Nachdenken. Er mag etwas zurückhaltend und kühl wirken, besticht aber in seiner Zartheit und überzeugt durch die vielen feinen Farbnuancen, die man der “Nicht-Farbe” garnicht zutraut.
Berta Rausch am 05. November 2010 in Allgemein, Gartengestaltung
Alle diese Berichte zeigen in meinen Augen eines ganz genau: Der Mensch braucht die Natur in seiner direkten Nähe, um gesund leben zu können und diese Tatsache muss kein Widerspruch sein zum Leben in einer modernen Großstadt. Der Platz ist zwar äußerst begrenzt, aber die Not macht erfinderisch. Häßliche Verkehrsinseln, vernachlässigte Parkanlagen und vollgekackte Baumscheiben werden zu Sonnenblumenfeldern und Gemüsebeeten. Man nutzt brachliegende Grundstücke und gestaltet daraus Stadtteilgärten, in denen die benachbart wohnenden Menschen ihr eigenes Gemüse und Küchenkräuter anbauen können. Ein netter Nebeneffekt: Man lernt seine Nachbarn kennen und es verschönert unansehnliche Orte ungemein.




In diesem bekannten Satz liegt viel Wahrheit, doch er verstärkt auch ein ungerechtfertigtes Vorurteil.



