März 25th 2010

Lexikon der Folien und Vliese
Was ist wofür und wird wie verwendet

Momentan ist wiedermal der Zeitpunkt, an dem ich vermehrt über die verschiedensten Folien und Vliese stolpere, die man angeblich alle im Garten dringend benötigt.
Mittlerweile ist die Auswahl so vielfältig geworden, dass mir Sinn, Zweck und vor allem der Unterschied untereinander oft nicht mehr so klar ist.
Deswegen habe ich mich nun auf das Thema gestürzt, um den Durchblick zu erhalten.

Tomatenhaus Foliengewächshaus Verfrühungsfolie Schattierungsgewebe


Welchen Zweck erfüllen Folien & Vliese

  1. Man kann entsprechende Produkte zur Wachstumsbeschleunigung, Ernteverfrühung und Kulturzeitverlängerung einsetzen. Durch das Abdecken entwickelt sich unter der Folie eine höhere Temperatur und eine höhere Luftfeuchtigkeit. Beides fördert das Wachstum von Jungpflanzen. Durch Einsatz von Abdeckfolien läßt sich die Ernte um bis zu drei Wochen verfrühen, durch Unterlegen schwarzer Mulchfolie um bis zu zwei Wochen. Insbesondere für frühe Gemüsearten und Kräuter lohnt sich die Anwendung von Folien und Vliesen.
  2. Spezielle Folien und Vliese wurden entwickelt zum Schutz von Gemüse- und Zierpflanzen vor Kälte oder Frost.
  3. Man kann Folien als Eindeckungsmaterial für Gewächshäuser verwenden.
  4. Folien werden zur Abdichtung von Teichgruben und Wasserläufen benutzt.
  5. Es gibt sogenannte Mulchfolien, die auf dem Boden ausgelegt werden können, um das Unkrautwachstum zu Unterdrücken, die Bodenerwärmung zu fördern und die Feuchtigkeit länger im Boden zu halten.


Welche Folien und Vliese eignen sich für welchen Zweck

Bei der Herstellung von Folien für den Garten wird tatsächlich etwas mehr auf Inhaltsstoffe und auch Abbaustoffe geachtet wie bei den meisten herkömmlichen Folien und Vliesen, die man so im Baumarkt findet.
Es ist demnach empfehlenswert auch auf diese zurückzugreifen, wenn man ein wenig ökologisches Bewußtsein an den Tag legen möchte und dass sollte nun wirklich an vorderster Stelle für einen Gärtner stehen.
Grundsätzlich bestehen die Produkte aus Polyethylen (PE) oder Polyvinylchlorid (PVC). Diese beiden Materialien untescheiden sich in zwei wesentlichen Punkten.

  • PVC-Folien:
    Dieses Material ist sehr widerstandsfähig gegen UV-Strahlung und andere Witterungseinflüsse. Sie haben dadurch eine deutliche längere Haltbarkeit. Dafür enthalten sie chlorierte Kohlenwasserstoffe, die bei der üblichen Entsorgung der Folien die Umwelt belasten.
  • PE-Folien:
    Dieses Material wird unter andauernder Sonnenbestrahlung recht schnell brüchig und spröde. Es gibt jedoch UV-stabilisierte Varianten, die insgesamt stabiler sind, aber auch deutlich teurer. Dafür lassen sie sich fast rückstandsfrei entsorgen oder sogar recht gut recyclen.



…und dies bietet der Markt:

  1. Folien zur Ernteverfrühung

    Hierfür benötigt man entweder ein transparentes und damit lichtdurchlässiges Material als Abdeckung oder ein schwarzes, welches unter die Pflanzen kommt und die Bodenerwärmung fördert. Bei den transparenten Folien handelt es sich meistens um PE-Folien mit einer Stärke von 0,5 mm. Diese können sowohl flach über dem Beet mit der Saat ausgebreitet werden und tragen dann die Bezeichnung Flachfolien oder mit Hilfe von Drahtbügeln als Folientunnel über die Beete gespannt werden.

    • ungelochte Folien:
      eignen sich nur für die kurzfristige Abdeckung, da sie weder Luft noch Wasser hindurchlassen. Man muß sie also regelmäßig entfernen zum Wässern und Belüften. Außerdem ist die Gefahr von Fäulnis und Schädlingsbefall unter ihnen relativ hoch.
    • Lochfolien:
      haben -wie der Name schon erahnen läßt- gleichmäßig verteilte sehr kleine vorgestanzte Löcher. Diese Löcher ermöglichen eine geringe Zirkulation an Luft und Wasser. Man verwendet sie vor allem als Flachfolien. Günstig sind hier Folien mit 500-1000 Löchern / m², die auf Grund ihrer beschriebenen Eigenschaften ungefähr für 3-5 Wochen über den Pflanzen verbleiben können je nach Größenwachstum des Gemüses.
    • Schlitzfolien:
      Statt Löchern hat diese Folie ca. 30000 sehr feine und dehnbare Schlitze pro m². Diese zunächst geschlossenen Schlitze ermöglichen ein ” mitwachsen” der Folie. Je größer die sich darunter befindlichen Pflanzen werden desto mehr öffnen sich die Schlitze und lassen dadurch auch mehr Wasser und Luft hindurch. Auf Grund dieser Eigenschaften kann diese Folie oft sogar bis zur Ernte auf den Pflanzen belassen werden. Sie ist aber im Gegenzug nicht so haltbar wie die Lochfolie.
    • Vlies:
      Darunter versteht man ein sehr leichtes und feines Gewebe aus Polyethylen (PE) oder auch Polypropylen (PP). Es läßt Wasser und Luft wunderbar zirkulieren, so dass man es ebensolange auf den Pflanzen belassen kann wie die Schlitzfolie vorrausgesetzt, man hat beim Verlegen genügend Dehnungsreserve an den Seiten vorgesehen. Zusätzlich zur Ernteverfrühung können Vliese auch als Schutz gegen Gemüsefliegen eingesetzt werden.
    • Mulchfolien:
      Schwarz gefärbte PE-Folie wird auf dem Boden ausgebreitet. Dort, wo Pflanzen gesetzt oder gesät werden sollen, werden Löcher oder Schlitze geschnitten. Man verwendet diese Methode vor allem bei wärmebedürftigen Gemüsen wie Paprika, Gurke oder Erdbeere. Zusätzlich zur Förderung der Erwärmung des Bodens und der bodennahen Luftschicht, unterdrückt die Folie das Unkrautwachstum und verhindert das Verschmutzen der Früchte. Der Nachteil der Folie gegenüber des Mulchvlies ist das Gießen und Düngen, das nur über die Löcher und Schlitze in der Folie vorgenommen werden kann.
    • Mulchvlies:
      Funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie die Mulchfolie. Das schwarz eingefärbte Vlies ist jedoch durchlässig für Wasser und Luft, was das Gießen erleichtert und vor Schädlingsbefall und Fäulnis schützt. Dafür findet jedoch auch deutlich weniger Bodenerwärmung statt.

  2. Folien als Kälteschutz

    Folien und Vliese tragen zwar sehr schnell zur Bodenerwärmung bei und können somit auch bodennahe Pflanzen beziehungsweise die Wurzeln vor Kälte schützen, Frost können sie aber nur bedingt abhalten. Pflanzen, die nicht winterhart sind, müssen also bei Frostgefahr an einen frostfreien Ort umgezogen werden.

    • ungelochte Folien:
      Eignen sich am besten zum Schutz vor Kälte, da sie keine Luft entweichen lassen. Da die Sonne aber im Herbst und im Frühjahr durchaus große Kraft entwickeln kann, besteht dann ganz schnell die Gefahr der Überhitzung. Dadurch wird ein sehr gutes Klima für Pilzkulturen jeglicher Art gefördert. Man sollte Folien also nur kurzfristig als Frostschutzabdeckung verwenden.
    • Vlies:
      eignet sich besser für den dauerhaften Kälteschutz, da es zum einen luftdurchlässig ist und dadurch ein besseres Klima fördert. Das im Gewebe festgehaltene Wasser kann im gefrorenen Zustand sogar noch zusätzlich als isolierende Schicht begünstigend wirken, so dass meistens ein Schutz der oberirdischen Pflanzenteile bis zu -5°C gewährleistet wird.
    • Luftpolster- oder Noppenfolien:
      sind besonders gut isolierend durch die Lufteinschlüsse in den Noppen. Deswegen wird sie sehr gerne als Ergänzung zur Wärmedämmung im Frühbeet und Gewächshaus hergenommen beziehungsweise zum Winterschutz von Töpfen bei im Freien überwinternden Pflanzen. Aber auf jeden Fall beachten, dass diese Folie auch weder Wasser noch Luft durchläßt und damit Pilbefall gefördert werden kann.

  3. Folien zur Abdeckung von Gewächshäusern

    • Gitterfolie:
      ist eine PE-Folie, die durch eine Gitternetzeinlage verstärkt wurde. Man nennt sie deswegen auch gelegentlich Drahtfolie. Diese Folienart wird auf Grund ihrer Widerstandsfähigkeit gerne für Tomatenhäuser, und Frühbeetfenster verwendet.
    • ungelochte Folie:
      wie schon zuvor erwähnt, läßt sie sich wunderbar über Drahtbügeln als Abdeckung in Form von Folientunneln verwenden. Diese gibt es in einer niedrigen Variante von nur 50 cm Höhe bis hin zu begehbaren Exemplaren, die wie ein Gewächshaus funktionieren.

  4. Teichfolien

    Folien, die für die Anlage von Gartenteichen verwendet werden, müssen sehr hohen Anforderungen gerecht werden, da sie über einen langen Zeitraum dehn- und reißfest bleiben müssen sowie verrottungsbeständig, wurzelfest, witterungsbeständig und unschädlich für Pflanzen und Tiere. Die üblichen Folienstärken liegen bei 0,5 bis 1,5 cm je nach Größe des Teichs und des daraus resultierenden Wassergewichts gibt es auch dickere Folien. Man sollte nur solche verwenden, auf die der Hersteller eine Garantie von mindestens 10 Jahren gewährt.

    • PE-Folie:
    • PVC-Folie:
    • Kautschuk-Folie:

1 Kommentar »

Berta Rausch am März 25th 2010 in Allgemein, Gartenarbeit, Jahreszeiten

1 Kommentar zu “Lexikon der Folien und Vliese
Was ist wofür und wird wie verwendet”

  1. • Transparente Folien | Mister Info schrieb am 08 Jun 2010 um 11:40 #

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