Monatsarchiv für Juni 2010

Hommage an den Mohn

Die Familie der Mohngewächse (Papaveraceae) gehört zu meinen erklärten Lieblingen, weswegen ihr nun auch endlich ein eigener Artikel gewidmet werden muß.
Ob Klatschmohn (Papaver rhoeas), Türkenmohn (Papaver orientale) oder Islandmohn (Papaver nudicaule) – das Erscheinen der ersten Blüten im Jahr läßt das Herz aufgehen, denn diese überzeugen durch den starken Kontrast zwischen filigran, seidigen Blütenblättern, die so vergänglich und empfindlich erscheinen und dem intensiven, leuchtenden Farbrausch, der die Emotionen zum Kochen bringt mit den knallenden und oft kontrastreichen Farben wie feuerrot und mitternachtsschwarz.

Mohn ist wie ein Flamencotanz – streng und verspielt, beherrscht und feurig, voller Leidenschaft eben!
Erfreuen Sie Ihre Sinne mit den folgenden Bildern und Sie werden verstehen wovon ich schreibe.

Mohn Mohn Mohn
Mohn Mohn Mohn
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Mohn als Staude für den Garten

Die Familie der Mohngewächse umfasst weltweit ca. 70 Arten. Charakteristisch für alle Mohngewächse sind die auffälligen Blüten, die aus vier zarten Kronenblättern bestehen und meistens in sehr kräftigen Farben erscheinen wie leuchtend rot oder orange oft mit schwarzer Mitte.
Von hohem Wiedererkennungswert ist ebenfalls die Samenkapsel, die den feinen Samen enthält, den man auch als Mohnkörner in Brot und Kuchen findet. Die Kapseln lassen sich sehr gut trocknen und werden für Trockenblumengestecke verwendet.
Die Pflanze wächst horstartig und bildet im Herbst eine Blattrosette aus gefiederten, blaugrünen, lanzettlichen, silbrig behaarten Blättern aus, die immergrün überwintert. Nach der Blüte im Mai / Juni ziehen sich die Blätter ein. Die Pflanze ist über den Sommer also quasi nicht sichtbar, weswegen es nicht empfehlenswert ist, ein reines Mohnbeet anzulegen. Man sollte den Mohn eher ganz gezielt mit anderen Stauden kombinieren, die diese Lücke durch ihr Wachstum verdecken und die farblich auch mit den oft etwas krassen Farben des Mohns harmonieren. Mit blau und weiß ist man auf jeden Fall auf der sicheren Seite. Wer es mag, kann natürlich auch ganz gewagt den Mohn mit anderen krachigen Farben kombinieren wie leuchtend gelb, orange, rosa und pink.

Als Begleitstauden für den Mohn eignen sich folgende:

  • Rittersporn (Delphinium in Arten und Sorten)
  • Schleierkraut (Gypsophila paniculata)
  • Lupine (Lupinus in Arten und Sorten)
  • Lavendel (Lavendula in Arten und Sorten))
  • Sommersalbei (Salvia nemorosa)
  • Scharfgarbe (Achillea in Arten und Sorten)
  • Sonnenhut (Rudbeckia in Arten und Sorten)
  • Sommermargerite (Leucanthemum vulgare)

Eigentlich ist der Mohn eine sehr unkomplizierte Pflanze, wenn man ein paar grundsätzliche Dinge beachtet. Deswegen hier ein paar Tips zum richtigen Standort und zur Pflege von Mohngewächsen:

  1. Mohngewächse gehören zu den Tiefwurzlern. Sie bilden mit der Zeit eine sehr tief reichende Pfahlwurzel aus. Deswegen mag der Mohn an dem Ort bleiben, an dem er erstmalig ein Zuhause gefunden hat. Setzt man den Mohn um, so nimmt er einem dies sehr übel, in dem er erstmal vor sich hin kümmert, nicht blüht und manchmal ganz sein Leben aushaucht. Finden Sie also für Ihren Mohn von Anfang an den richtigen Platz.
  2. Wegen der empfindlichen Pfahlwurzel ist es nicht empfehlenswert den Boden direkt um die Pflanze durch tiefes Hacken aufzulockern. Dabei besteht erhöhte Gefahr, die Wurzel zu verletzen. Auch dieses nimmt der Mohn sehr übel. Lockern Sie den Boden im Frühjahr nur ganz vorsichtig und oberflächlich auf, dann kann nichts passieren. Wenn Sie dann noch etwas Kompost oder ersatzweise Hornspäne untermischen, dann dankt es ihnen der Mohn mit leuchtendem Blütenreichtum.
  3. Die tiefen Wurzeln haben auch einen Vorteil, denn man muß den Mohn so gut wie nie gießen. Er kann sich mit Hilfe der Wurzeln auch bei längerer Trockenheit wunderbar selbst versorgen aus den tieferen Bodenschichten. Dafür ist die Wurzel anfällig für Fäulnisbildung bei Staunässe. Der Mohn liebt aus diesem Grunde einen lockeren und durchlässigen Boden, der gerne nährstoffreich und humos sein darf.
  4. Der Standort sollte sehr sonnig sein. Das bringt dann auch die Farben so richtig zum leuchten.
  5. Lassen Sie dem Mohn nach der Blüte Zeit, die Blätter selbstständig einzuziehen. Schneiden Sie die Reste wirklich erst ab, wenn sie vertrocknet sind.
  6. Die verblühten Blüten entfernen, um die kraftraubende Samenbildung zu vermeiden. Dies verhindert unter Umständen auch das ungewollte selbstständige Aussäen.

Folgende 4 Arten sind für den Anbau im Garten als Zierpflanze geeignet:

    türkenmohn

  1. Türken-Mohn (Papaver orientale)
    • Merkmale: Mehrjährige Staude mit horstartigen und aufrechten Wuchs. Je nach Sorte 30 – 100 cm hoch, gefiederte und behaarte Blätter, Blütenfarbe in scharlachrot, rosa, weiß oder orange zum Teil mit schwarzer Mitte. Die Blüten können einen Durchmesser von bis zu 20 cm erreichen.
    • Blütezeit: Mai bis Juli
    • Verwendung: Eine klassische Bauerngartenstaude. Geeignet als Leitstaude für Beete und Rabatten in Einzelstellung oder auch als kleine Gruppe.
    • Standort: Verträgt keine Staunässe, deswegen lockere, durchlässige, nährstoffreiche Böden in voller Sonne.
    • Vermehrung:Durch Wurzelstecklinge nach der Blüte, Pflanzung möglichst im Frühjahr mit einem Abstand von 50 bis 80 cm.
    • Pflege: Wie zuvor beschrieben.
    • Besonderheiten:Sehr viele Sorten mit attraktiven Blüten in unterschiedlichen Farben und Größen, gefüllt und einfach sind im Handel erhältlich

  2. Alpen-Mohn (Papaver alpinum)
    • Merkmale: Buschige, immergrüne Staude mit einer Gesamthöhe von 15 – 20 cm. Die Blätter sind schmal gefiedert. Die Blüten sind zierlich mit einem Durchmesser von 4 cm in reinem weiß mit einem zartgelben Zentrum und gelben Staubblättern.
    • Blütezeit: Juni / Juli
    • Verwendung: Der Alpen-Mohn ist eine Pflanze für den Steingarten, auf Trockenmauern aus Kalkstein und in Steintrögen.
    • Standort: Durchlässiger Boden am besten mit Schotteruntermischung.
    • Vermehrung: Aussaat zwischen Februar und April, Pflanzabstand ungefähr 15 cm. Der Alpen-Mohn versamt sich oft selbstständig. im Spätherbst ist auch eine Vermehrung mit Wurzelstecklingen möglich.
    • Pflege: anspruchslose und damit pflegeleichte Staude. Benötigt nur in sehr strengen Wintern eine Abdeckung mit Fichtenreisig.
    • Besonderheiten: Der Alpen-Mohn hat mehrere Unterarten, die sich durch unterschiedliche Blüten- und Blattfarben sowie ihr Vorkommen unterscheiden. Interessant ist der Rhätische Alpenmohn (P. alpinum subsp. rhaeticum) mit mit goldgelb bis orange gefärbten Blüten sowie der Kerner-Alpenmohn (P. alpinum subsp. kerneri) mit rein gelben Blüten.


  3. islandmohn

  4. Island-Mohn (Papaver nudicaule)
    • Merkmale: Meistens nur ein- beziehungsweise zweijährige Staude mit aufrechtem Wuchs und 20- 50 cm Höhe. Die blätter sind blaugrün, gefiedert und behaart. Der Islandmohn hat oft verschiedene Blütenfarben an einer Pflanze mit weißen, gelben, orangen, rosanen und roten Blüten mit einem Durchmesser von maximal 8 cm.
    • Blütezeit: April bis September
    • Verwendung: Im Steingarten,in Rabatten, Beeten und auch als Balkon- und Kübelpflanze möglich.
    • Standort: Durchlässiger, kalkhaltiger Boden, gerne sandig oder mit Steinen durchsetzt.
    • Vermehrung: Aussaat im Juli oder Wurzelstecklinge im Spätherbst. Nach frostfreier Überwinterung Pflanzung im Frühjahr ins Freiland mit einem Pflanzabstand von 20 bis 25 cm. Islandmohn sät sich gerne selbst aus.
    • Pflege:Wie zuvor beschrieben


  5. klatschmohn

  6. Klatschmohn (Papaver rhoeas)
    • Merkmale: Unkomplizierte, einjährige, wenig verzweigte Pflanze mit einer Höhe von 30 bis 80 cm. Die Blätter sind behaart, eingeschnitten bis gefiedert. Klatschmohn blüt meistens scharlachrot mit schwarzer Mitte. Es gibt aber auch weiße und rosafarbene Exemplare.
    • Blütezeit: Mai bis Juli
    • Verwendung: In der Blumenwiese oder in naturnahen Bereichen des Gartens kombiniert mit Kornblume und Margerite.
    • Standort: Siehe Alpen-Mohn
    • Vermehrung:Aussaat an Ort und Stelle ab März / April

Die Heilpflanze Mohn

schlafmohn
Wenn man von Mohn als Heil- und Nutzpflanze spricht, dann meint man nicht die zuvor beschriebenen Arten, sondern die Mohnart Papaver somniferum auch bekannt als sogenannter Schlaf-Mohn. Dieser zählt tatsächlich zu einer der ältesten Nutzpflanzen der Menschheitsgeschichte, denn es gibt Hinweise auf seine Nutzung schon in der Jungsteinzeit um 6000 v.Chr..

Genutzt werden zwei seiner Qualitäten: Zum einen die Samen, die man als Backzutat “Mohn” kennt und zum anderen sein giftiger Milchsaft, der Alkaloide enthält, welche für die Herstellung von Opium, Heroin, Morphin und Codein genutzt wird.
Das Lebensmittel Mohnsaat gehört zu den calciumreichsten mit einem Calciumgehalt von 2,475 %. Mohnsaat ist außerdem reich an Vitamin B. Der Morphingehalt ist übrigens sehr gering und damit nicht schädlich für den Menschen. Dennoch sollte man wissen, dass der zeitnahe Genuß von Mohnsamen durchaus einen Drogentest positiv werden lassen kann. Der Samen kann gepresst und zu Öl weiterverarbeitet werden. Mohnöl ist lecker als Salatöl.
Alle Erzeugnisse aus dem Milchsaft der Mohnpflanze sind verschreibungspflichtig und unterliegen dem Betäubungsmittelgesetz. Dieses verbietet in Deutschland den ungenehmigten Anbau und Vertrieb aller Teile der Pflanze. Auch als Privatperson darf man Papaver somniferum nicht einmal als Zierpflanze im Garten stehen habe, außer man hat eine Sondergenehmigung.
Wenn man von dem Mißbrauch der Wirkstoffe absieht, dann ist der Schlafmohn eine sehr bedeutende Heilpflanze.


21.Juni – langersehnter Sommeranfang: Mitsommernacht, Sommersonnenwende, St. Johannes-Nacht

Besonders in diesem Jahr mit seinem langen Winter und extrem kalten Frühling ist er besonders sehnlichst erwartet:

Der Sommer!!

Auf der nördlichen Hemisphäre beginnt der Sommer mit der Sommersonnenwende am 21.Juni eines jeden Jahres. Dies ist der Tag mit dem längsten Tag und der kürzesten Nacht. Die Sonne steht direkt über dem nördlichen Polarkreis und hat damit ihren nördlichsten Punkt erreicht bevor sie sich wieder auf die Reise begiebt in Richtung Äquator.
Direkt am nördlichen Polarkreis geht an diesem Tag die Sonne garnicht unter.Man nennt dort diesen Tag auch Polartag. Die sogenannte Mitternachtssonne sinkt herab auf den Horizont und steigt wieder auf, statt wie normalerweise am Horizont unterzugehen. Es wird also nie richtig dunkel, weswegen dieses Phänomen auch als “Weiße Nacht” bekannt ist.

Sonnenuntergang

Je nördlicher man sich vom nördlichen Polarkreis aus gesehen begibt desto mehr “Weiße Nächte” kann man im Polargebiet erleben. Dort wird es an einigen Orten oft wochenlang nicht richtig dunkel. Die Umkehrung findet natürlich ebenso im Winter statt, in dem es genauso wochenlang nicht hell wird.

Diese starke Beeinflussung des Lebens durch die Sonne mit Helligkeit und Dunkelheit erklärt, warum die Sommersonnenwende als Fest an Bedeutung zunimmt je nördlicher man lebt. In Skandinavien, dem Baltikum und Finnland ist dieses Fest deswegen ein sehr bedeutender Feiertag, der teilweise gleichzusetzen ist mit unserem Weihnachtsfest.

Geschichte und Mythos der Sommersonnenwende

Die Sommersonnenwende ist ein sehr altes Fest heidnischen Ursprungs wie alle Sonnenfeste, da der Mensch im Laufe seiner Entwicklungsgeschichte schon immer in starker Abhängigkeit vom Sonnenkreislauf stand. Da die Unterschiede zwischen Sommer und Winter im hohen Norden Europas am kontrastreichsten sind, hat das Fest vor allem seine Wurzeln in den keltischen und germanischen Traditionen.

Die Kelten feierten dieses Fest gleich mehrere Tage lang zu Ehren der Erdenmutter, da es sich um die schönste Zeit im Jahr handelte, denn das Wetter war meist warm und angenehm und die Natur präsentierte sich in ihrer ganzen Pracht und Üppigkeit. Erstes Gemüse war schon reif und die kommende Ernte im Wachsen. Man sagte auch die Erdgöttin sei gerade schwanger mit den Früchten der Erde. Deswegen ist es nicht weiter verwunderlich, das die Festlichkeiten sehr lebendig, lustvoll und ekstatisch begangen wurden. Man tanzte trancegleich nackt und nur geschmückt mit Blumen und grünen Zweigen nächtelang um lodernde Feuer und huldigte so der Fruchtbarkeit der Erde. Selbsgebrautes Starkbier mit aphrodisierenden und halluzinogenen Kräutern angereichert wurde getrunken, so dass nicht verwunderlich ist, dass die Tänzer in wilde ekstatische Tänze verfielen, die man später in christlicher Zeit als Veits-Tanz bezeichnete. Alles in allem ein Fest also der überschäumenden Freude, Lebendigkeit und Fruchtbarkeit, an dem der Mensch den Göttern nahe kommen konnte.
Die Kräuter, die traditionell sowohl für das Getränk als auch für den Körperschmuck verwendet wurden, sollen folgende sein:

  • Johanniskraut (Hypericum perforatum)
  • Beifuß (Artemisia vulgaris)
  • Eisenkraut (Verbena officinalis)
  • Kamille (Matricaria chamomilla)
  • Holunderblüten (Sambucus nigra)
  • Schafgarbe (Achillea millefolium)
  • Gundelrebe (Glechoma hederacea)
  • Blutwurz (Potentilla erecta)
  • Bärlapp (Lycopodium bisdepuratum)
  • Arnika (Arnica montana)
  • Ringelblume (Calendula officinalis)
  • Königskerze (Verbascum in Arten)
  • Kümmel (Carum carvi)

Andere Kulturen wie beispielsweise die germanische verehrten an diesem Tag mehr den Sonnengott oder zum Teil auch die Sonnengöttin, die an diesem Tag häufig durch Köpfen rituell ermordet werden, um in eine andere Daseinsform überzugehen oder anders ausgedrückt der Gott der Jahreszeiten stirbt auf dem Höhepunkt seiner Macht und der Kreislauf kann neu beginnen.

Mit der Christianisierung Europas waren die heidnischen und wilden Gebräuche nicht mehr geduldet. Da Johannes der Täufer aber an einem 24,Juni geboren wurde, verwendete man Bestanteile des ursprünglichen Sonnenwendfestes, um ein neues christliches Fest zu begründen, dass die heidnischen Rituale verdrängen sollte. Erhalten geblieben ist seit Urzeiten das Feuer, das in unserem Kulturraum eher als Johanni-Feuer bekannt ist. Dieses wird traditionell auf hohen Bergen entzündet zum einen als Symbol fürdie Sonne stellvertretend für Christus und zum anderen als Schutzfeuer, das böse Dämonen, Krankheiten, mißgebildete Kinder und Hagelschaden fern halten soll. Zu diesem Zweck verbrannte man vielerorts symbolisch Strohpuppen im Feuer.

Während der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland hat man sich einiger alter germanischer Gebräuche bedient und diese mißbraucht, indem die Sonnenwendfeste zu offiziellen Feiertagen erhoben und mit den Ideologien des Nationalsoziolismus gespickt wurden. Deswegen ruft das Sonnenwendfest noch oft einen bitteren Beigeschmack bei vielen Menschen hervor und hat oft einen schlechten Ruf.

Sommersonnenwende heute

Was bleibt also übrig von diesem alten Brauchtum? Der längste Tag im Jahr ist auch heute noch ein wirklich guter Grund zum Feiern, auch wenn ein bißchen Wehmut mitspielt, da klar ist, dass die Nächte ab dann wieder länger werden und einen ersten Hauch des Winters ankündigen. Umso dringender muß die kurze Zeit des unbeschwerten Sommers genossen werden.

Geblieben ist unausweichlich das Schüren und Umtanzen eines Feuers als Element, dass in allen Kulturen wie ein roter Faden vorhanden ist. Geblieben ist auch das Anfertigen von Blumenschmuck aus Kräutern und grünen Zweigen in unterschiedlichster Form, sei es als Johanniskrone oder schlicht als Kränze im Haar der Mädchen. Es gibt Orte, an denen spezielles Bier gebraut wird, doch meistens wird es wohl eher gekauft und reichlich konsumiert. Der schwedische Brauch, die ersten frischen Kartoffeln mit Hering, Sauerrahm und Schnittlauch zubereitet sowie als Nachtisch frische Erdbeeren mit Sahne zu reichen, durchweicht mancherorts die heimischen Gebräuche.

Eine weitere schöne Tradition aus Schweden für junge, unverheiratete Mädchen ist das Sammeln von sieben verschiedenen Wildkräutern von sieben verschiedenen Wiesen in der Nacht der Sommersonnenwende. Diese werden unter das Kopfkissen gelegt. Hat man das Sammeln schweigend und in aller Stille vollzogen, so wird man in der Nacht von seinem zukünftigen Ehemann träumen. Das Geheimnis des Namens darf jedoch auf gar keinen Fall geteilt werden, sonst geht die Verbindung nicht in Erfüllung.

Zu guter letzt noch ein Tip für den Gärtner:
Tatsächlich sind die Tage rund um den Sommeranfang sehr gut geeignet für das erste Ernten vieler Kräuter. Diese stehen zum Teil noch vor der Blüte und sind jetzt besonders stark angereichert mit wertvollen ätherischen Ölen und anderen wichtigen Geschmacksstoffen.

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Berta Rausch am 11. Juni 2010 in Allgemein, Brauchtum & Rituale, Jahreszeiten

Es geht auch ohne Gift
- Biologischer Pflanzenschutz mit Hilfe von Kräuterauszügen

Wir leben in einem spannenden Jahrhundert. Unter anderem hält das Wetter jedes Jahr etwas Neues und Unerwartetes für uns bereit.
Das Jahr 2010 zeichnet sich da bisher besonders aus durch einen sehr langen Winter, gefolgt von einem äußerst kalten und regenreichen Mai, der uns nun schon im Frühling einen neuen Ansturm von Armeen von Blattläusen und Pilzen auf unsere Gärten und Felder beschert.

Zum Glück kann man sich erstaunlicherweise doch immer noch auf die Natur verlassen, denn Beobachtungen in meinem Garten erwecken in mir den Eindruck, als ob eine abgeschwächte Form der Marienkäferplage aus Norddeutschland vom letzten Jahr nun auch Süddeutschland erreicht hat und das ist aus gärtnerischer Sicht auch gut so.
Tatsächlich sind die Marienkäfer gleichzeitig mit den Blattläusen erschienen und dürfen sich nun wie im Schlaraffenland fühlen, da sie Blattläuse als besonderen Leckerbissen auf ihrer Speisekarte stehen haben.

marienkäferPflanzenbilder von www.kultur-pflanze.de blattläuse marienkäferlarve
Marienkäfer (Coccinellidae) bei der Paarung Röhrenblattläuse (Aphididae) auf dem Neuaustrieb einer Wildrose Maikäferlarve beim Fressen von Blattläusen

Damit wären wir auch schon mitten im biologischen Pflanzenschutz gelandet, denn dieser besteht aus verschiedenen Möglichkeiten der Angriffsstrategien:

  1. Der Einsatz von sogenannten Nützlingen, die auf ihrem Speiseplan genau die Tiere stehen haben, die wir als Schädlinge bezeichnen (siehe Marienkäfer und Blattläuse)
  2. Kräuterauszüge aus Wildkräutern können sehr leicht hergestellt und als biologisches Spritzmittel verwendet werden zur direkten Schädlingsbekämpfung ohne andere Pflanzen und Tiere zu schädigen beziehungsweise ohne Nachwirkungen auf den Menschen.
  3. Mechanischer Pflanzenschutz beinhaltet das klassische Absammeln oder Abspritzen der Schädlinge von dn Pflanzen, das Entfernen befallenen Pflanzenteile sowie das Aufstellen von Fallen oder Schutzmaßnahmen wie Insekten- und Vogelschutznetzen oder Schneckenzäunen.
  4. Vorbeugender Pflanzenschutz mit Hilfe von natürlichen Pflanzenstärkungsmitteln und korrektem Pflanzengebrauch. Eine gesund Pflanze, die den richtigen Standort und die richtigen Lebensbedingungen hat, wird weniger häufig von Pflanzenschädlingen heimgesucht und kann eine Attacke gegebenenfalls leichter wegstecken.


Brennesseljauche, Ackerschachtelhalmbrühe, Knoblauchtee & Co

Ich möchte mich an dieser Stelle den bewährten Hausmitteln zuwenden, die schon seit Urzeiten für die Schädlingsbekämpfung in Gärten eingesetzt wurden.
Einige Vorteile der Kräuterauszüge wurden zuvor schon genannt. Ergänzend wäre dem noch hinzuzufügen, dass diese Mittel wiklich sehr leicht herzustellen und dabei auch noch billig sind, denn in den meisten Fällen kann man die Kräuter in der Natur sammeln oder im eigenen Garten im Kräuterbeet finden. Dazu benötigt man in der Regeln nur einen 10 Liter Eimer, Wasser und etwas Arbeit und Geduld.

Folgende Grundrezepte kommen für diesen Zweck in Frage:

  • Jauche
    Eine Kräuterjauche ist ein vergorener Kräutersud aus kleingeschnittenen Pflanzenbestandteilen und Regenwasser. Am bekanntesten ist hier sicherlich die Brennesseljauche. Die Rezepturen, die man so findet variieren in den Angaben leider sehr stark und können vermutlich auch nicht so konkret genannt werden, da die einzelne Pflanze je nach Wachstumsphase unterschiedlich hohe Konzentrationen von dem benötigten Wirkstoff aufweist. Die Angaben handeln sich also um ungefähre Richtwerte. Experimentierfreude ist gefragt!

    Rezept für Brennesseljauche

    1. Sie benötigen ein Fass aus Holz oder Kunststoff, das nicht zu klein dimensioniert sein sollte. Unbedingt Metallgefäße vermeiden, da das Metall während des Gärungsprozesses mit der Jauche reagieren und ungewollte chemische Reaktionen auslösen kann. Platzieren Sie das Fass an einem möglichst sonnigen Ort. Je wärmer der Platz desto schneller ist der Gärprozess beendet.
    2. Sammeln Sie die oberirdischen Bestandteile von nicht blühenden Brennesseln und zerkleinern Sie sie grob. Man benötigt ungefähr 1 kg Frischmaterial auf 10 Liter Wasser.
    3. Die zerkleinerten Brennesseln werden in das Fass gegeben und mit Regnwasser aufgegossen, so dass möglichst ein Abstand zum Rand von einer Handbreit entsteht. Während des Gärprozesses kommt es zu Schaum- und Bläschenbildung, so dass die Flüssigkeit überlaufen könnte.
    4. Das Fass bleibt unverschlossen an einem sonnigen Ort stehen. Man kann es eventuell mit einem Drahtgitter bedecken, um zu verhindern, dass Blätter oder Insekten hineinfliegen. Für die Gärung ist Sauerstoff dringend notwendig. Deswegen sollte zusätzlich die Jauche einmal täglich umgerührt werden.
    5. Da während der Gärung immer unangenehme Gerüche entstehen, sollte man von vornherein einen Standort wählen, der einsam genug liegt, damit sich niemand belästigt fühlt. Zusätzlich kann man zur Geruchsbindung etwas Steinmehl oder Baldrinblütenextrakt auf die Oberfläche geben.
    6. Nach 1 1/2 bis 3 Wochen ist die Brennesseljauche fertig. Sie hat dann eine braune Farbe und die Brennesselbestandteile sind auf den Boden des Fasses gesunken. Außerdem findet keine Bläschenbildung mehr statt. Sie können nun das Fass mit einem Deckel verschließen. Die Jauche ist für die gesamte Gartensaison haltbar.
    7. Man sollte die Jauche vor dem Ausbringen sowohl sorgfältig durchsieben als auch unbedingt mit Wasser im Verhältnis von 1:10 verdünnen. Sie wird direkt in den Wurzelbereich gegeben. Als Spritzmittel muß die Jauche im Verhältnis 1:50 verdünnt werden und wirkt dann direkt auf Triebspitzen und Blättern gegen Blattläuse und Spinnmilben.

    Brennesseljauche dient nicht nur als Pflanzenschutzmittel, sondern eignet sich gleichzeitig hervorragend als stickstoff- und kalihaltigen Dünger, der vor allem für starkzehrende Pflanzen wie Tomaten und Kohl eingesetzt werden kann.
    Natürlich können auch andere Kräuter wie Beinwell oder Rainfarn zu Jauchen verarbeitet werden ebenso wie Knoblauch, Zwiebeln und sogar Komposterde und Tierexkremente. Vorsichtig muß man allerdings immer mit der Verdünnung sein, da zu kräftige Jauchen sowohl die Bildung von geilen Trieben fördern als auch Verbrennungen an den Pflanzen verursachen können.

  • Brühe
    Um eine Kräuterbrühe zu erhalten benötigt man ungefähr 1 kg Pflanzenteile auf 10 Liter Regenwasser. Man legt die Kräuter für 24 Stunden in der entsprechenden Menge Wasser ein und läßt sie ziehen. Nach Ablauf dieser Zeitkocht man den gesamten Sud auf und läßt ihn für eine halbe Stunde leicht sieden. Nach dem Abkühlen kann die Brühe abgesiebt und direkt verwendet werden. Auch die Brühe muß vor der Verwendung mit Regenwasser verdünnt werden.

    Typische Pflanzen aus denen Brühen hergestellt werden, sind:

    • Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense) –> Vorbeugend gegen Pilzkrankheiten. Kann auch ohne Probleme mit Brennesseljauche vermischt werden.
    • Wurm- (Dryopteris filix-mas) und Adlerfarn (Pteridium aquilinum) –> Spritzmittel gegen Schild-, Schmier- und Blutläuse.
    • Rainfarn (Tanacetum vulgare) –> Gieß- und Spritzmittel gegen Rost und Mehltau sowie gegen Blattwespen, Brombeer- und Erdbeermilben, Erdbeerblütenstecher und Himbeerkäfer.
    • Wermut (Artemisia absinthium) –>Unverdünnte Spritzungen gegen Blattläuse, Säulenrost an Johannisbeeren, Raupen, Kohlweißlinge und Ameisen.
  • Tee
    Um einen Kräutertee zu erhalten überbrühen Sie die Pflanzenteile (frisch oder getrocknet) mit kochendem Wasser und lassen Sie den Tee 10 bis 15 Minuten ziehen. Er kann dann abgeseiht und nach dem Abkühlen direkt verwendet werden.

    Am häufigsten wird sicherlich ein Zwiebel-Knoblauchtee eingesetzt, der allgemein gegen Ungeziefer und Pilze wirkt. Man verwendet für die Herstellung 75g gehacktes Frischmaterial auf 10 Liter Wasser. Beiden Bestandteilen wird eine antibiotische und und keimhemmende Wirkung nachgesagt.
  • Kaltwasserauszug
    Pflanzenteile werden für maximal 1 bis 2 Tage in kaltes Wasser eingelegt. Man siebt die festen Bestandteile danach ab und kann den Kaltwasserauszug sofort verwenden. Dieser darf auf gar keinen Fall gären.
    Bekannt ist der Tomatenblätter-Auszug, der vor allem als Spritzmittel zur Flugzeit der Kohlweißlinge bei Kohlarten zum Einsatz kommt, um die Falter von den Pflanzen abzuhalten.


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Berta Rausch am 07. Juni 2010 in Allgemein, Gartenarbeit, Schädlingsbekämpfung, Wetter

Nachtrag zur Maikäferplage 2010

Nach allen schlimmsten Befürchtungen ist dies der einzige Maikäfer, den ich bisher in meinem Garten zu Gesicht bekommen habe.
Da ich aber im Frühjahr jede Menge Engerlinge beim Umgraben entdeckte, muß ich meine Befürchtungen wohl auf das nächste Jahr schieben, da sich die Larven ja bekanntermaßen erst im Herbst verpuppen und dann im darauf folgenden Frühjahr als Käfer erscheinen.

Maikäfer Maikäfer Maikäfer

In Südhessen, Baden-Württemberg und Teilen von Österreich scheint die vorhergesagte Maikäferplage jedoch trotz kalter Temperaturen in diesem Frühjahr in vollem Gange zu sein.
Tatsächlich findet man jede Menge Artikel über umstrittene Hubschraubereinsätze in Pfungstadt zur Bekämpfung der Tiere mit Insektiziden. Der verwendete Wirkstoff Dimethoat scheint nicht ausreichend getestet zu sein in Bezug auf die Auswirkungen auf andere Lebewesen des Waldes und auch den Menschen.

Wer in dieser Gegend im Wald spazieren geht, sollte vorerst wohl erstmal auf den Verzehr von Waldbeeren und Pilzen verzichten.

Da muß man doch die entspannten Maßnahmen unserer österreichischen Nachbarn ervorheben:Jeder Walgauer ist aufgerufen, die lästigen Tierchen zu sammeln und gegen Bezahlung zur Vernichtung abzuliefern.
So ein Verhalten klingt zumindest nach ökologischem Bewußtsein.

Mal abwarten, was für eine Haltung ich einnehmen werde, wenn tatsächlich die Käfer nächstes Jahr meinen Garten kahlfressen werden. Ich denke, da hilft nur:”Cool bleiben” und auf den Johanniaustrieb warten.

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Berta Rausch am 07. Juni 2010 in Allgemein, Fauna & Flora, Schädlingsbekämpfung