Verwendung heimischer Gewächse als Heilkräuter (Fortsetzung 1)
Jetzt zum Herbstanfang, wo das Wetter trübe und grau wird, sind mir zwei weitere Vertreter heimischer Heilpflanzen auf Grund ihrer leuchtenden Farben und Blühkraft geradezu ins Auge gesprungen. Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus) und Boretsch (Borago officinalis).
Zugegebenerweise sind beide nicht ursprünglich heimische Pflanzen in Deutschland. Aber gerade im Garten haben sie mittlerweile einen festen Platz und sind nicht mehr wegzudenken. Viele wissen dabei aber nicht über ihre heilenden Qualitäten Bescheid.
Die Kapuzinerkresse wurde im 16.Jahrhundert von den Spaniern aus Südamerika eingeführt. Sie ist nicht nur eine unglaublich ausdauernde und blütenreiche Pflanze, die mit ihren stark leuchtenden gelben, orangenen und roten Blüten beeindruckt bis zum ersten Frost, sondern verfügt durchaus über einige interessante Wirkstoffe:
- Die Blüten und Blätter haben eine scharfes Aroma, das dem Geschmack von Brunnenkresse nicht unähnlich ist. Deswegen werden diese Bestandteile gerne im Salat verwendet. Auch hier schmecken die Blüten nicht nur gut, sondern machen optisch viel her.
- Die unreifen Samen sauer eingelegt können als Kapernersatz verwendet werden. Tatsächlich entwickeln sie auch Kapernsäure, die den charakteristischen Geschmack hervorruft.
- Kapuzinerkresse enthält viel Schwefel. Dieser Wirkstoff soll äußerlich angewendet der Glatzenbildung vorbeugen. Zusammen mit Auszügen von Brennnessel, Buchsbaum und Eiche kommt sie oft als Haarwasser vor.
- In Wasser eingelegt bildet ein enthaltendes Glykosid ein Antibiotikum. Dadurch ist Kapuzinerkresse bakterizid und fungizid. Sie wird als antiseptisches, schleimlösendes harntreibendes und allgemein stärkendes Kraut eingesetzt bei Infektionen des Uro-Genitaltraktes und der Atemwege sowie bei Mangelerscheinungen an Haut und Haaren.
Boretsch passt besonders gut zum Herbstbeginn, denn er hat den Ruf, die Lebensgeister zu wecken. So sagt John Gerard schon 1597 über diese Pflanze:
“Sirup aus Boretschblüten ist gut für das Herz, läßt die Melancholie vergehen und beruhigt die Verrückten.”
(aus “The Herball, or Generall Historie of Plants”).
- Auf Grund des gurkenähnlichen Geschmacks der Blüten und Blätter, wird die Pflanze auch Gurkenkraut genannt. Kleingeschnitten werden die Blätter für die Zubereitung von Getränken, Salaten, Frischkäse oder gekocht als Gemüse verwendet.
- Die Blüten sind äußerst dekorativ im Salat mit ihrer wunderschönen, blauen Farbgebung. Da sie sich in Verbindung mit Zitronensaft oder Essig allerdings rosa färben, sollte man sie wirklich erst als allerletzte Zutat dem Salat hinzufügen. Manch einer kennt sie vielleicht auch kandiert auf Konfekt oder zu Sirup verarbeitet.
- In der Heilkunde wird vor allem das Öl aus den Samen verwendet, die besonders viel Gamma-Linolsäure enthalten. Dadurch wirkt es regulierend auf das Hormonsystem und Blutdruck senkend.
- Die Blätter enthalten ebenfalls einige Wirkstoffe, denen man heilende Eigenschaften zuspricht wie schweißtreibend, harntreibend, milde sedative und antidepressive Wirkung als auch beruhigend auf geschädigtes oder gereiztes Gewebe. Zur Anwendung kommt Borretsch deswegen bei Fieber, Hauterkrankungen, Entzündungen der Bronchien sowie bei Mund- und Halsentzündungen.
Achtung! Wichtig zu wissen:
Die Pflanze enthält geringe Mengen vom Pyrrolizidin-Alkaloid, das Leberschäden und Leberkrebs verursachen kann, daher ist ein regelmäßiger Genuss von Borretsch nicht zu empfehlen. Ein gelegentlicher Verzehr gilt jedoch als unbedenklich, ebenso ein Verzehr der Blüten und Samen, da diese die erwähnten Alkaloide nicht enthalten.
Berta Rausch am September 18th 2009 in Fauna & Flora, Heilpflanzen