Hommage an den Kürbis
Anfänglich hat mich dieser ganze Kult um den Kürbis, der mittlerweile schon vor einigen Jahren über den Atlantik zu uns ins gediegene Europa herüberschwabbte, ganz schön genervt. Fragt man die Jugend, gab es Halloween warscheinlich schon immer in Deutschland.
Trotz allen Widerwillens, muss ich jedoch feststellen, dass Kürbisse einfach nicht aus dem Herbst wegzudenken sind mit ihrer eindrucksvollen intensiv leuchtenden Farbe und manchmal auch Größe. Gerade dieses Jahr bin ich wieder sehr darauf aufmerksam geworden , was mich dazu veranlasst hat, nun diesem Gewächs einen Artikel zu widmen.
Deswegen nun zu Beginn ein paar Impressionen zum Kürbis:
Kürbis-historisch betrachtet
Die Kürbisse (Cucurbita) bilden eine Pflanzengattung aus der Familie der Kürbisgewächse (Cucurbitaceae) und gehören tatsächlich zu den ältesten bekannten Kultursorten des Menschen. Wenn man den Angaben glauben darf, dann wurden Funde von Samen domestizierter Kürbisse auf 10000 bis 8000 v. Chr. datiert.
Ursprünglich wurde er wohl hauptsächlich wegen seiner Samen kultiviert, die besonders nahrhaft sind, denn die Früchte der Wildarten sind meistens reich an Bitterstoffen und wenig schmackhaft. Erst durch Zuchtversuche sind im Laufe der Zeit auch Sorten hervorgegangen, deren Früchte als Nahrungsmittel verwendbar wurden.
Beheimatet sind Kürbisse in den warmen und feuchten Regionen von Mittel-und Südamerika. Mit den Reisen von Christoph Columbus gelangten dann erst Samen nach Europa und nach Asien, wo sich besondere Vorlieben für unterschiedliche Arten entwickelten und diese weiter kultiviert und gezüchtet wurden.
Heute kennt man fünf Kürbisarten mit vielen Sorten, die als Nahrungsmittel kultiviert werden:
- Garten-Kürbis (Cucurbita pepo): Zu diesen in den Sommermonaten zunächst weichen und schmackhaften, später hartschalig werdenden Kürbisarten zählen die Zucchini, die melonengroßen runden Rondini ‘Tonda di Nizza’, gelbe keulenförmige Drehhalskürbisse ‘Crookneck’, Spaghettikürbis, steirischer Ölkürbis, die “Fliegenden Untertassen” (UFO’s) oder auch Patissons mit flachrunden, gebuchteten Früchten sowie die besonders lange lagerfähigen Eichelkürbisse (Acorn) mit tropfenartiger Form.
- Riesen-Kürbis (Cucurbita maxima): So heißt die große Gruppe der lagerfähigen Einmachkürbisse, zu denen Sorten wie ‘Riesenmelonen’ und ‘Gelber Zentner’ gehören.Bekannt wurde diese Gruppe auch durch einzelne Züchtungen, die die größten Früchte der Erde produzieren wie beispielsweise die Sorten ‘ Atlantic Giant’ oder ‘Big Max’. Der neueste Rekord diesbezüglich liegt angeblich bei 782 kg, gewogen am 3. Oktober 2009. Desweiteren zählen zu dieser Art auch die zum Basteln geeigneten “Halloween”-Kürbisse. Hierfür besonders geeignet sind die vor allem als Zierde genutzten Turban- und Minikürbisse wie ‘Jack be Little’, ‘Baby Bear’ und ‘Sweet Dumpling’. Außerdem die zur Familie der Hubbards zählenden Hokkaido- oder Carotakürbisse ‘Ushiki Kuri’ und ‘Red Kuri’, ‘Blue Kuri’, ‘Blue Hubbard’, ‘Golden Hubbard’ und der mit dekorativen Warzen versehene ‘Chicago Warted Hubbard’.
- Moschus-Kürbis (Cucurbita moschata): Die Sorten dieser Gruppe brauchen mänger und mehr Wärme, weswegen sie vor allem in südlicheren Ländern verbreitet sind und als besonders aromatisch und schmackhaft gelten. Am bekanntesten sind der glockenförmige Melonensquash ‘Butternut’, der in vielen Ländern zu den Hauptgemüsen zählt sowie der tief gekerbte Muskatkürbis ‘Muscade…’ beziehungsweise ‘Musquée de Provence’ und der Schlangenkürbis ‘Tromboncina d’Albenga’, der auch Keulenzucchini genannt wird auf Grund seiner schlangenartig, gekrümmten Früchte.
- Feigenblatt-Kürbis (Cucurbita ficifolia) wird in einem großen geographischen Bereich angebaut, ist jedoch auf die Höhenbereiche zwischen rund 1000 bis fast 3000 m beschränkt. Dies unterscheidet ihn von den anderen Arten der Gattung, die auch in wesentlichen tieferen Lagen angebaut werden. Er wird in allen Gebirgslagen Lateinamerikas angebaut. Es gibt vom Feigenblatt-Kürbis keine kommerziellen Cultivare. Er lässt sich auch nicht mit anderen Kürbis-Arten kreuzen.
- (Cucurbita argyrosperma)
Wichtige Info’s zum Anbau von Kürbissen:
- Kürbisse sind meistens einjährige nicht winterharte Pflanzen.
- Sie gehören zu den Starkzehrern und benötigen damit einen sehr humusreichen und nährstoffreichen Boden mit viel organischer Masse. Dies ist auch der Grund, warum man Kürbispflanzen häufig am Kompost sieht. Im normalen Gartenbeet bietet sich eine Grundlage aus Pferdemist an. Dazu sollte man im Frühjahr einen Graben ausheben und diesen mit dem Mist füllen. Anschließend den Erdaushub mit Kompost vermischen und dann als Erdhügel mit ca. 30cm Breite über der Mistpackung anhäufen. Die Kürbisse in einem Abstand von mindestens 10cm auf dem Rücken des Mistbeetes aussähen.
- Kürbisse sind rankende Pflanzen mit großen Blättern und wasserreichen Früchten, die sehr viel Platz benötigen. Eine Pflanze alleine kann leicht 3-4m² überwachsen. Sie eignet sich daher wunderbar als Bodendecker, um Brachflächen vor Unkrautbefall und Austrocknung zu schützen.
- Damit die reifenden Früchte am Boden nicht zu faulen beginnen, sollte man sie bei Zeiten mit einem Holzbrettchen unterlegen. Man kann sie ernten, wenn sie beim Anklopfen hohl klingen.
- Kaum einer weiß, das Kürbis ein äußerst gesundes Gemüse ist. Sie sins sehr reich an Vitamin C und haben einen weit höheren Gehalt an Vitamin A (Carotin) wie Karotten. Dabei handelt es sich um ein kalorienarmes Gemüse, das reich an Ballaststoffen ist. Aus dem frischen Fruchtfleisch lassen sich wunderbare Suppen zaubern. Kürbis schmeckt sehr hervorragend in Kombination mit Ingwer oder auch süß/sauer eingelegt als Kompott. Probieren Sie doch mal Kürbismarmelade!
… und was man sonst noch mit Kürbis anfangen kann:
Mittlerweile sollte wohl fast jedem die Halloween-Tradition bekannt sein, aus Kürbissen gruselige bis lustige Halloween-Laternen zu basteln. Diese sind als Jack O´Lantern verbreitet. Zurück geht diese Tradition auf eine irische Geschichte, die von Jack O. handelt, einem Bösewicht, dem es gelang den Teufel einzufangen. Dieser erkaufte sich seine Freiheit wieder mit dem Versprechen, Jack in Zukunft in Frieden zu lassen. Doch auch Jack O. musste irgendwann sterben. Auf Grund seiner Taten zu Lebzeiten wurde ihm die Aufnahme in den Himmel verweigert und natürlich blieb ihm nun auch die Hölle verwehrt. Doch der Teufel erbarmte sich und schenkte ihm eine Rübe und eine glühende Kohle, damit Jack damit durch das Dunkel wandern könne. Die Iren brachten diese Geschichte als Auswanderer mit in die Vereinigten Staaten, wo die Rübe mit der Zeit vom Kürbis abgelöst wurde, da dieser so zahlreich vorhanden war.
Heutzutage stellt man die Kürbis-Fratzen vor die Haustür aus der Tradition heraus, die bösen Geister vom Haus fern zu halten, die sich in der Nacht vom 31.Oktober auf den 01.November vermehrt herumtreiben sollen.
Auf etwas anderes lustiges bin ich noch gestossen bei meiner Recherche nach den Geheimnissen des Kürbis und das nennt sich Kürbisweitwurf (eng. Pumpkin chunking). Hierbei werden Kürbisse mit extra dafür entwickelten Geräten so weit wie möglich geschleudert. Der Rekord liegt angeblich bei 1324,8m. Jährlich finden Weltmeisterschaften am ersten Wochenende nach Halloween statt in Millsboro, Delaware (USA). Dabei sind manche Leute wirklich kreativ. Wen es interessiert, hier ein Link zur offiziellen Homepage der Weltmeisterschaften.
Zum Schluss noch ein Wort zu den Eigenschaften als Heilpflanze:
Als Heilmittel eignen sich die Kerne von Kürbissen, da diese besonders reichhaltig sind an Ölen, Vitaminen und Mineralstoffen. Zink, Vitamin C und A sind in hoher Dosierung vorhanden. Kürbiskerne finden daher ihren Einsatz bei der Behandlung von Prostatavergrößerung und Prostatitis als auch gegen Darmparasiten.
Berta Rausch am 09. Oktober 2009 in Allgemein, Brauchtum & Rituale, Ernte, Gartenarbeit, Heilpflanzen