Das Unkraut – der Freund des Bodens und Zeigerpflanze für den Gärtner
Dieser Artikel ist einmal mehr ein Versuch, den verhunzten Ruf der Unkräuter zu verbessern, denn wer sich nur ein bißchen mit dem Thema Unkraut auseinandersetzt, der muss unweigerlich feststellen, welche wichtigen Aufgaben diese kleinen Wildkräuter im Garten übernehmen.
Unkraut vergeht nicht
In diesem bekannten Satz liegt viel Wahrheit, doch er verstärkt auch ein ungerechtfertigtes Vorurteil.
Als erstes muss man dringend den Begriff “Unkraut” klären, denn schaut man sich die Pflanzen einmal im einzelnen an, so wird man keine darunter finden, die nicht zu den alteingesessenen Heilpflanzen unserer Regionen gehört und alleine schon deswegen eine Daseinsberechtigung vorzuzeigen hat. Doch nicht nur die medizinisch verwendbaren Inhaltsstoffe dieser Pflanzen sind beeindruckend, sondern auch ihre Fähigkeit, den Boden zu pflegen.
Manch einer wird sich nun fragen, was damit gemeint ist? Die Antwort ist ganz einfach: In jedem Kubikmeter Boden schlummern Milliarden von ruhenden Samen. Entstehen im Boden bestimmte Verhältnisse wie Bodenverdichtung, Staunässe, Versauerung des Bodens und so weiter, so bieten sich plötzlich die richtigen Lebensbedingungen für einige von ihnen, die genau an diese Gegebenheiten angepasst sind. Folglich beginnen solche Samen zu keimen und innerhalb kürzester Zeit werden sie urplötzlich überall aus dem Boden sprießen. Daran ist dann nicht der Nachbar schuld, der seinen Garten vernachlässigt und nie Unkraut jätet, sonders dies ist ein Warnsignal der Natur, dass möglicherweise etwas aus dem Gleichgewicht gekommen ist.
Frühere Bauerngenerationen wußten um dieses Phänomen und ließen ein Stück Land, das neu als Acker genutzt werden sollte, erstmal für ein Jahr brach liegen, um zu sehen, welche Pflanzen sich dort ansiedeln würden. Durch die Pflanzengesellschaften, die sich dann dort ausbreiteten, konnten sie nicht nur Rückschlüsse auf die vorliegende Bodenqualität ziehen, sondern diese Pflanzen waren auch gleichzeitig das Heilmittel für die Mißstände im Boden.
Zu den echten Pionieren der Pflanzenwelt gehören beispielsweise Löwenzahn, Greiskraut und Gänsekresse. Diese drei Pflanzen bilden tiefreichende Wurzeln aus, die sich ihre Nährstoffe aus der Tiefe holen und dadurch verdichteten und schweren Boden auflockern. Durch diese Auflockerung wird der Boden vorbereitet für empfindlichere Pflanzen, die sich nun ansiedeln können. Andere Wildkräuter geben über ihre Wurzeln Ausscheidungen ab, die Nematoden und Pilze abwehren oder sie sammeln Stickstoff (Prinzip der Gründüngung) oder tragen maßgeblich zur Humusbildung bei.
Kurzum, egal, ob man seinen kleinen Privatgarten pflegt oder professionelle Landwirtschaft betreibt, die genaue Beobachtung des Unkrauts ist enorm wichtig und erspart einem oft teure und aufwendige Bodenanalysen. Häufig genug reicht der “Befall” mit bestimmten Unkräutern auch als Heilmethode aus.
Hat sich der Boden erholt, so wird auch das Unkraut nach und nach von anderen Pflanzen verdrängt werde. Manchmal gibt es dem Gärtner allerdings auch einen Hinweis darauf, dass er aktiv eingreifen sollte, um seinen Boden gesund zu erhalten. Dann müssen eventuell Massnahmen ergriffen werden, um ihn beispielsweise aufzulockern, Sand oder Kompost beizumengen, Nährstoffe anzureichern und so weiter.
Deswegen:”Augen auf beim Unkrautjäten!”.
Welches Unkraut sagt uns was?
| Acker-Fuchsschwanzgras (Alopecurus myosuroides) |
nährstoffarme, kaliumreiche, sehr lehmige Böden,Archäophyt |
| Acker-Gauchheil (Anagallis arvensis) |
kalkreicher, alkalischer Boden, Archäophyt |
| Acker-Glockenblume (Campanula rapunculoides) |
Apophyt, kalkreicher Boden |
| Acker-Hellerkraut (Thlaspi arvense) |
stickstoffreiche,humöse, lehmige Böden, |
| Acker-Hundskamille (Anthemis arvensis) |
kalkfreie, saure Böden |
| Acker-Minze (Mentha arvensis) |
nasser, verdichteter, nährstoffreicher Boden, Zeigerpflanze für Staunässe |
| Acker-Schachtelhalm (Equisetum arvense) |
Zeigerpflanze für Staunässe, kalkarme, feuchte Böden |
| Acker-Senf (Sinapis arvensis) |
Archäophyt, stickstoffreicher, kalkreicher, alkalischer Boden |
| Ackerwinde (Convolvulus arvensis) |
trockener, kalkreicher Boden |
| Adlerfarn (Pteridium aquilinum) |
nährstoffarme, kalkarme Böden |
| Ampfer-Knöterich (Persicaria lapathifolia) |
stickstoffreicher Boden, feucht-nasse Standorte |
| Bärenklau (Heracleum in Arten) |
feuchter, stickstoffreicher, kaliumreicher Boden |
| Beinwell (Symphytum officinale) |
nährstoffreiche, feuchte bis nasse Böden, Zeigerpflanze für Staunässe |
| Besenginster (Cytisus scoparius) |
stickstoffarmer Boden |
| Bingelkraut (Mercurialis in Arten) |
stickstoffreicher,humoser, alkalischer Boden, Ruderalpflanze, |
| Breitwegerich (Plantago major) |
nasser, verdichteter, lehmiger Boden, Zeigerpflanze für Staunässe |
| Brennessel (Urtica dioica) |
gehört zu den Nitrophyt, stickstoffreiche, kalkreiche, humusreiche Böden |
| Echte Kamille (Matricaria chamomilla) |
stickstoffreiche Böden |
| Echtes Leinkraut (Linaria vulgaris) |
Apophyt, kalkreicher Boden |
| Franzosenkraut (Galinsoga in Arten) |
stickstoffreicher, humusreicher Boden |
| Frühlings-Hungerblümchen (Erophila verna) |
stickstoffarme, magere und trockene Standorte, bevorzugt sandige und kiesige Böden |
| Gänseblümchen (Bellis perennis) |
Archäophyt, saurer, nährstoffarmer Boden |
| Gänsedistel (Sonchus in Arten) |
stickstoffreicher, kalkreicher Boden |
| Gänse-Fingerkraut (Potentilla anserina) |
stickstoffreiche, lehmige und verdichtete Böden, Zeigerpflanze für Staunässe |
| Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys) |
stickstoffreicher, kalkreicher Boden |
| Giersch (Aegopodium podagraria) |
stickstoffreicher Boden, Boden für Schattenpflanzen, |
| Hasen-Klee (Trifolium arvense) |
stickstoffarmer, trockener, magerer, saurer Boden |
| Hirtentäschelkraut (Capsella in Arten) |
stickstoffreicher, nährstoffarmer, humusreicher Boden |
| Hornkraut (Cerastium in Arten) |
stickstoffarmer Boden, kalkreicher Boden (Acker-Hornkraut) |
| Huflattich (Tussilago farfara) |
kalkreicher, humusreicher Boden, oft nasse, verdichtete Böden, Zeigerpflanze für Staunässe |
| Klappertopf (Rhinanthus in Arten) |
stickstoffarmer Boden |
| Klatsch-Mohn (Papaver rhoeas) |
Apophyt, kalkreicher, sandiger Boden |
| Klee (Trifolium in Arten) |
kalkreicher Boden |
| Kleiner Sauerampfer (Rumex acetosella) |
nährstoffarme, kalkarme, leicht saure Böden |
| Klettenlabkraut (Galium aparine) |
Nitrophyt, stickstoffreicher Boden, oft nasse, verdichtete Böden, Zeigerpflanze für Staunässe |
| Kohl-Kratzdistel (Cirsium oleraceum) |
stickstoffreiche Feuchtwiesen |
| Kreuzkraut (Senecio in Arten) |
stickstoffreiche Böden |
| Löwenzahn (Taraxacum sect. Ruderalia) |
Nitrophyt, stickstoffreicher, kalkreicher, humusreicher Boden, oft nasse, verdichtete Böden, Zeigerpflanze für Staunässe |
| Melde (Atriplex in Arten) |
Halophyt, stickstoffreicher, kaliumreicher, humusreicher Boden |
| Quecke (Elymus repens) |
Pionierpflanze, Nitrophyt, stickstoffreicher Boden |
| Ringelblume (Calendula officinalis) |
kalkreicher Boden |
| Roter Fingerhut (Digitalis purpurea) |
magnesiumreicher, kaliumreicher, saurer Boden |
| Sauerklee (Oxalis in Arten) |
nährstoffarmer, kalkarmer, saurer Boden, Boden für Schattenpflanzen |
| Schwarzer Holunder (Sambucus nigra) |
stickstoffreicher Boden |
| Sichelmöhre (Falcaria vulgaris) |
kalkreicher, trockener Boden |
| Storchschnabel (Geranium in Arten) |
kalkreicher, trockener Boden |
| Tauben-Skabiose (Scabiosa columbaria) |
kalkreicher Boden |
| Vogelmiere (Stellaria media) |
stickstoffreicher, humusreicher, sandiger Boden |
| Wegwarte (Cichorium intybus) |
kalkreicher, alkalischer Boden |
| Wiesen-Salbei (Salvia pratensis) |
kalkreicher, eher trockener, alkalischer Boden |
| Wolfsmilch (Euphorbia in Arten) |
stickstoffreicher, kalkreicher, sandiger Boden |
Berta Rausch am Juli 22nd 2010 in Allgemein, Fauna & Flora, Gartenarbeit







